China ändert Gesetzgebung für Joint Ventures

Arne Roller

04 Jan. 2022

Jahrzehntelang mussten Hersteller aus dem Ausland ihre Fabriken zusammen mit chinesischen Partnern betreiben. Die Regelung ist nun ausgelaufen.

1984 war es, als in China die ersten Joint Ventures inländischer und ausländischer Autohersteller entstanden, darunter Beijing Jeep, Shanghai Volkswagen und Guangzhou Peugeot. 1994 verkündete die Regierung eine neue „Industriepolitik für die Automobilindustrie“, die fortan festlegte, dass bei Joint-Venture-Projekten von Fahrzeugunternehmen ausländisches Kapital die Marke von 50 % nicht überschreiten dürfe. 


Jeder ausländische Hersteller musste ein 50:50 Joint Venture mit einem chinesischen Hersteller eingehen. Damals war das Fundament der chinesischen Automobilindustrie relativ schwach, die Regierung mit den Maßnahmen darum bemüht, die eigene Industrie zu schützen. Marktzugriff im Gegenzug für das Teilen von Technologien und Gewinnen. So sah der Deal lange Jahre aus.


Seit dem 1. Januar 2022 ist die Beteiligung chinesischer Firmen nicht mehr notwendig. Ausländische Hersteller dürfen ab diesem Jahr das volle Eigentum an Fabriken und anderen Produktionsstätten in China halten. Der komplette Wegfall der „Zwangsbeteiligung“ folgt auf eine Änderung aus dem Jahr 2018, die eine Steigerung der ausländischen Anteile an den Joint Ventures auf 70 % erlaubte.



BMW und Daimler ändern ihre Anteile an Joint Ventures


BMW beispielsweise nahm die Möglichkeit sofort wahr und einigte sich nach Inkrafttreten der neuen Regelung mit Brilliance auf einen Zukauf von 25 % der Anteile am gemeinsamen Joint Venture. Der Deal soll in diesem Jahr vollzogen werden. BMW hält dann 75 % an BMW-Brilliance.


Dieser Vorgang gibt schon einen Ausblick auf die einschneidenden Veränderungen, die jetzt bei den verschiedenen Joint Ventures bevorstehen könnten. Für einige Partner dürfte es reizvoll erscheinen, ihre Anteile zu verändern oder sich gar vom Partner zu trennen.


Der Ende 2021 bekanntgewordene BYD-Daimler-Deal ist ein Beispiel dafür, dass ein westlicher Hersteller seine Anteile senkt. Geplant ist, dass die Schwaben ab Mitte 2022 nur noch 10 % am Joint Venture halten. 


(Foto: BMW)

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Arne Roller

04 Jan. 2022