30 Jahre Volvo 850: Grattis på födelsedagen!

Mathias Keiber

14 Juni. 2021

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Mit dem Turbo-Elch jagt Volvo in den Neunzigern die deutschen Premium-Platzhirsche. In England wird das Modell sogar zum ersten Motorsport-Kombi. Alles Gute zum 30. Geburtstag!

Viele würden sagen, mit dem 850 wurde vor 30 Jahren der letzte echte Volvo vorgestellt. Denn es war das letzte wirklich scharkantige Außendesign der Schweden. So mancher würde jedoch sogar sagen, der 850 war schon kein echter Volvo mehr. Denn es war der erste große Volvo, der er hatte keinen Heckantrieb mehr. Und obendrein war der 850 auch noch bis zu 12 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger, die Serie 700. Solche Stimmen dürften aber eine Minderheit darstellen. Denn eines war der 850 ganz sicher: ein riesengroßer Erfolg. Und zwar auf Kundenseite wie auch medial. Vom „sichersten Auto der Welt“ war seinerzeit nicht selten die Rede in den Fachblättern.

Side Impact Protection System. (Alle Fotos: Volvo)


Bei der Vorstellung im Juni 1991 stehen vier Innovationen im Mittelpunkt: der quer eingebaute Fünfzylindermotor, sich automatisch an die Größe von Fahrer und Beifahrer anpassende Sicherheitsgurte, das Energie absorbierende Seitenaufprallschutzsystem „SIPS“ sowie die verbesserte Verbundlenker-Hinterachse „Deltalink“. Für zusätzliche Sicherheit sorgen Kopfstützen auf allen Plätzen, für die kleinsten Passagiere ein integrierter Kindersitz und ab 1995 Seitenairbags. Man kann den 850 damit auch als Wegbereiter des heutigen Markenversprechens der Schweden sehen: In Zukunft soll kein Mensch mehr in einem neuen Volvo getötet oder schwer verletzt wird, weswegen alle Neuauslieferungen auch schon längst auf eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h begrenzt sind.

Volvo 850 T-5R, 1995.


Für den 850 ist die Geschwindigkeitsbegrenzung natürlich noch Zukunftsmusik, er darf in der Topversion bis auf Tempo 250 beschleunigen. Überhaupt darf er mit seinem quer eingebauten Fünfzylinder sportlicher sein als sein vierzylindriger Vorgänger. Allein das Basisaggregat mit 2,5 Liter Hubraum leistet 140 PS, 170 PS im 2,5 20V. Mitte der Neunziger gibt Volvo dann so richtig Gas: Der 850 T-5 kommt 1993 mit 226 Pferdchen daher. Ein Jahr später macht eine Software im 850 T-5R es möglich, für 30 Sekunden den Ladedruck um 0,1 bar zu erhöhen, was zu zusätzlich 30 Nm Motordrehmoment und 15 PS mehr Leistung führt. Von Sommer 1995 bis Ende 1996 gibt es den 850 R mit 250 PS. Zum Vergleich: Unter M-Level hat BMW zeitgleich nur einen 5er (E34) im Angebot, der mehr leistet – den 540i mit 286 PS.

Volvo 850 Kombi Racing, BTCC, 1994.


Mit noch mehr Leistung als der R beeindrucken zwei 850, die ab 1994 als weltweit erste Motorsportmodelle mit Kombi-Karosserie in der populären britischen Touring Car Championship – dem Insel-Äquivalent zur DTM. Am Ende der Saison 1995 steht das Team Volvo 850 Racing auf Platz drei im Gesamtklassement. Pilot Rickard Rydell schafft es in der Fahrerwertung ebenfalls auf den dritten Rang. 1996 wiederholt der Schwede diesen Erfolg – abermals im 850, bevor ab dem Folgejahr der Volvo S40 zum Einsatz kommt.

Volvo 850 GLT, 1992.


Auf öffentlichen Straßen sieht man den 850 derweil in zwei Karosserie-Varianten. Zunächst kommt die Limousine auf den Markt, 1993 folgt die Kombiversion mit senkrecht stehenden Rückleuchten, die die komplette D-Säule abdeckten. Sie tragen dazu bei, dass der Kombi mit dem japanischen Award „1994 Good Design Grand Prize“ und dem italienischen Designpreis „Schönster Kombi“ ausgezeichnet wird. Die vertikalen Rückleuchten halten sich im Nachfolger, dem V70, noch über 20 Jahre hinweg, im aktuellen V90 sind sie verschwunden.

Volvo 850 AWD, 1996.


Was sogar bis heute bleibt, ist der Frontantrieb und die Lösung für die seinerzeit nachvollziehbaren Beschwerden darüber: Im Betrieb mit Anhänger konnte der 850 mit seinem heckgetriebenen Vorgänger nicht mithalten, insbesondere beim Zuwasserlassen von Booten kommt es zu Problemen. Also schiebt Volvo 1996 eine Allrad-Version nach. Der 850 AWD Kombi präsentiert sich als erster schwedischer Pkw mit den Traktionsvorteilen eines variablen Vierradantriebs mit Visco-Kupplung, ergänzt um ein automatisches hinteres Sperrdifferenzial und eine elektronisch geregelte Antriebsschlupfregelung.

Volvo 850 R, 1996.


Nach mehr als fünfjähriger Produktionszeit und 716.903 ausgelieferten Einheiten wird der erfolgreiche 850 für das Modelljahr 1997 zur Limousine S70 und zum Kombi Volvo V70 weiterentwickelt. 1999 wird Volvo von Ford übernommen – und der V70 sowie die Limousinen-Version später quasi zum Ford Mondeo im Volvo-Kleid.


Wer heutzutage einen 850 kaufen will, zahlt für gepflegte Exemplare laut Classic-Analytics zwischen 4700 und 6300 Euro, mäßig erhaltene sind bereits ab 900 Euro verfügbar. Anders sieht es mit den Turboversionen aus. Für einen gut erhaltenen T-5R, insgesamt wurden davon nur 5500 Stück davon gebaut, sind zwischen 12.800 und 17.300 Euro (mäßiger Zustand: 3200 bis 440 Euro).


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Mathias Keiber

14 Juni. 2021