911er soll künftig mit synthetischem Kraftstoff fahren

Mathias Keiber

23 Nov. 2020

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Laut einem Bericht der „Automobilwoche“ könnten E-Fuels ab 2024 in allen neu ausgelieferten Porsche zum Einsatz kommen.

Laut einem Medienbericht könnten E-Fuels ab 2024 in allen neu ausgelieferten Porsche 911 zum Einsatz kommen.


E-Fuels haben sich bislang nicht gerade als Lieblingsthema von Bundesregierung und Parlament erwiesen. Lange Zeit stand nur die FDP-Bundestagsfraktion dem Thema wohlwollend gegenüber. Doch seit Sommer gibt es auch vom SPD-geführten Bundesumweltministerium ein Programm für die Entwicklung von strombasierten Brennstoffen. In Cottbus entsteht ein Kompetenzzentrum zur Erforschung der Technologie. Auf die CO2-Bilanz der Hersteller-Flotten werden E-Fuels bislang jedoch nicht angerechnet. Das hat Gründe.


Der Vorteil von E-Fuels: Sie sind klimaneutral und die bestehende Infrastruktur kann genutzt werden. Der Nachteil: Im Vergleich zum batterie-elektrischen Antrieb gelten sie als ineffizient. Grund dafür sind die vielen zur Herstellung notwendigen Schritte – aus Strom wird per Elektrolyse Wasserstoff, aus Wasserstoff dann Methanol, aus Methanol dann Kraftstoff.


Bei Porsche setzt man, wie die „Automobilwoche“ erfahren hat, dennoch große Stücke auf die Technologie. „Wenn wir gut vorankommen, könnten schon ab 2024 alle weltweit neu verkauften 911 Carrera mit 100 Prozent E-Fuels versorgt werden“, zitiert das Branchenblatt Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner.

Michael Steiner, im Vorstand von Porsche für Forschung und Entwicklung zuständig. (Alle Fotos: Porsche)


Der geplante Bau einer Pilotanlage zur Produktion von E-Fuels in Patagonien werde vom chilenischen Energiekonzern Andes Mining & Energy vorangetrieben und befinde sich aktuell in der Genehmigungsphase. Neben Porsche seien Siemens Energy und der italienische Stromkonzern Enel Partner des Projekts. Dessen Vorteil: Die Energie zur Herstellung der synthetischen Kraftstoffe soll zu 100 Prozent aus Windkraft kommen. Ziel sei es, 350 Tonnen grünes Methanol sowie 250 Tonnen grünen Kraftstoff pro Jahr herzustellen. Dieser könne ohne jegliche Modifikationen in Autos mit Verbrennungsmotor eingesetzt werden.


Zwar treibt auch Porsche die Elektrifizierung bzw. Hybridisierung seiner Modellpalette voran. Doch, so die „Automobilwoche“, „der 911 dürfte das letzte Modell sein, das noch einen Verbrennungsmotor an Bord hat“. Ein 911er ohne Verbrennungsmotor ist eben besonders schwer vorstellbar.


Der extrem windreiche Standort Patagonien könnte Porsche zum Vorteil gereichen. Denn laut einer im Oktober veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Frontier Economics zum Thema E-Fuels ist der Effizienzvergleich neu zu justieren. Mit klimaneutralen Kraftstoffen angetriebene Verbrenner weisen demnach eine ähnlich gute Energie-Gesamtbilanz auf wie batteriegetriebene Fahrzeuge.


Ausschlaggebend sei der Produktionsstandort der synthetischen Kraftstoffe. So produziere eine Solaranlage in Deutschland nur 40 Prozent der Energie, die aus einer Anlage in Nordafrika gewonnen werden könne. Der höhere Stromertrag pro Anlage könne über den Import von synthetischen Kraftstoffen nach Deutschland genutzt werden.


Mit aus patagonischer Windkraft produzierten E-Fuels ließe sich ein 911er hierzulande dann also doch klimaneutral fahren.



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Mathias Keiber

23 Nov. 2020