Antriebspoker: Mazda hält mehrere Trümpfe in der Hand

Lukas Schmidt

06 Nov. 2020

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Während die meisten Hersteller auf den E-Hype aufspringen und voll auf Stromer setzen, will Mazda mehrgleisig in die Zukunft fahren.

Bereits seit 100 Jahren gibt es das Unternehmen Mazda. Gestartet in der Korkproduktion haben sich die Japaner immer wieder neu erfunden und mit Technologien wie dem Wankelmotor oder Skyactiv an der Kraftstoffeffizienz und Motorleistung geschraubt. Auch im zweiten Zentennium der Unternehmensgeschichte will Mazda mit innovativen Projekten seinen eigenen Weg gehen.


Alle Wege führen nach Rom und viele Technologien treiben Mazda an. Die Japaner setzen auch künftig wie hier im MX-30 auf Benziner und Diesel, arbeiten zugleich aber an der Elektrifizierung ihrer Modelle und forschen an E-Fuels (Alle Bilder: Mazda)


Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen des Unternehmens im Vergleich zum Jahr 2010 um 50 Prozent sinken, bis 2050 um 90 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen setzt das Unternehmen auf den sog. Multi-Solution-Ansatz und arbeitet technologieoffen an einem Mix aus reinem E-Antrieb, hocheffizienten Benzin- und Diesel-Motoren und alternativen Kraftstoffen.


Bei den Benzinern arbeitet Mazda weiter am 2.0 Liter Skyactiv-X Motor, der Effizienz im Teillastbereich auf Diesel-Niveau mit der Drehfreude und der Laufkultur eines Benziners kombiniert. Mittels M Hybrid-System, das beim Verzögern elektrische Energie generiert und in einer Batterie zur Beschleunigung und Entlastung des Verbrenners speichert, wird die Effizienz weiter gesteigert.


Der Mazda Skyactiv-X


Größere Modelle sollen künftig auf der neuen „Large Platform“ mit längs eingebauten Reihensechszylinder-Motoren – sowohl Diesel als auch Benziner – entwickelt werden, die als Plug-in-Variante auch elektrifiziert werden kann. Bei der Dieselvariante handelt es sich um eine vollständig neue Generation des Skyactiv-D, die kräftiger und zugleich sparsamer sein soll. Die Benziner-Varianten werden unter anderem mit dem SPCCI-Brennverfahren arbeiten. Die neuen Verbrennungsmotoren werden durch ein Mild-Hybrid-System elektrisch unterstützt.


Der Mazda e-Skyactiv mit Range Extender


Christian Schultze, Direktor Technologieentwicklung beim Mazda Forschungs- und Entwicklungszentrum für Europa in Oberursel: „Dieselmotoren der neuesten Generation sind vorbildlich sauber und bei größeren Fahrzeugen auch häufig effizienter als andere Antriebe. Wenn wir weiterhin zeigen können, dass moderne Dieselmotoren die Umweltanforderungen erfüllen, auch wenn sie etwas teurer sind, haben sie eine Chance fürs Weiterleben verdient. Zudem dürfen wir technologisch nicht verarmen, sondern müssen uns möglichst breit aufstellen. Die Elektromobilität hat ihre Bedeutung, doch handelt es sich nicht um eine Technologie, die überall passt.“


Damit „es passt“ komme es auf den richtigen Einsatz von Batterien an. Beim elektrischen Mazda MX-30 zum Beispiel setzt das Unternehmen auf eine kleinere und dafür relativ leichte Hochvoltbatterie, die auch im europäischen Strom-Mix bei geringer Gesamtlaufleistung einen CO2-Vorteil erzielen kann. Bei größeren Batterien und schwereren Fahrzeugen würde die lokale Emissionsfreiheit durch höhere Belastungen bei der Produktion der Karosserie und der Batterie aufgefressen.


Für Kunden, die mehr Reichweite benötigen, hat Mazda eine Variante des Mazda MX-30 angekündigt, in der mittels eines kleinen, leichten und leisen Kreiskolben- beziehungsweise Wankelmotors samt verbundenem Generator die Batterie während des Fahrens aufgeladen werden kann. So können mehrere hundert Kilometer am Stück gefahren werden und Lücken im Ladesäulen-Netz überbrückt werden. Neben dem Einsatz als „Reichweitenverlängerer“ sieht Schultze weitere Einsatzmöglichkeiten für den Wankelmotor im Sportbereich und bei der Brennstoffzelle: „Ein echtes Revival könnte ich mir für den Kreiskolbenmotor dann vorstellen, wenn die Wasserstoff-Infrastruktur einmal steht, denn er ist ein perfekter Motor für die innermotorische Verbrennung von Wasserstoff.“


Schon seit 50 Jahren arbeitet Mazda mit dem effizienten Kreiskolbenmotor


Ein weiterer Baustein der Mazda-Strategie „Nachhaltiges Zoom-Zoom 2030“ ist die Erforschung CO2-neutral erzeugter flüssiger Biokraftstoffe. Gemeinsam mit der Hiroshima University und dem Tokyo Institute of Technology forscht das Unternehmen an Diesel, der von künstlich gezüchteten Mikroalgen gewonnen wird. „Diese Organismen entziehen der Atmosphäre beim Wachstum CO2 und generieren Lipide. Aus diesen Lipiden kann dann Dieselkraftstoff erzeugt werden, der in ganz normalen Fahrzeugen verwendet werden kann“, erklärt Schultze.


Mazda hält also viele Trümpfe in der Hand und will sich alle Wege offen halten um die gesteckten Ziele zu erreichen. Mit einem gesunden Mix sollte dies am ehesten erreicht werden können. Das höhere finanzielle Risiko einer mehrgleisigen Entwicklung kann durch gezielte Kooperationen mit der Wissenschaft verringert werden. Dass die Japaner scharfe Rechner sind und Projekte auch wieder beerdigen, wenn sie sich für den Hersteller als nicht praktikabel erweisen, beweisen sie beim Thema Brennstoffzelle. Nach marktreifen Experimenten um die Jahrtausendwende (1997 im Modell Demio und 2001 im Familienvan Premacy) wurde das Projekt auf Eis gelegt: zu hohe Kosten und eine zu geringe Effizienz wogen den Vorteil des schnelleren Tankens nicht auf.


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Lukas Schmidt

06 Nov. 2020