Automacher: Bill Ford

1/2
In unserer Reihe "Automacher" stellen wir prägende Persönlichkeiten aus der Autoindustrie vor. Heute: William Clay Ford Jr, genannt Bill.

William Clay Ford Jr. hat kein leichtes Erbe. Sein Urgroßvater hat das Auto für alle ermöglicht. Seine „Thin Lizzy“ war die Blaupause für die Volumenproduktion – bis heute. Doch der Innovationsvorsprung ist geschmolzen. Digitalisierung im Autobau revolutioniert die Produktion. Programmierer und nicht mehr Produktioner sind jetzt die Helden. Auch der beispiellose Untergang der „Motor City“ (Detroit) ging an Ford nicht spurlos vorüber. Die US-Player kamen allesamt ins Schleudern. Zuletzt lief es wieder einigermaßen für die US-Autobauer − auch für Ford.


Doch jetzt sind die Zeiten für traditionelle Autobauer erneut härter geworden. Neue Wettbewerber treten auf den Plan, die Digitalisierung hält Einzug ins Auto und die Menschen haben das Bedürfnis nach nachhaltiger Mobilität. Da darf man den Anschluss nicht verlieren und sich von den jungen Protagonisten wie Tesla oder Polestar überholen lassen.


Keine leichte Aufgabe für Ford, der sich im Führungsstil komplett von seinem Urahnen unterscheidet. War Henry Ford ein Patriarch, ist Bill ein Philosoph: „Ich glaube, der Zweck eines Unternehmens ist es, das Leben der Menschen zu verbessern“, sagt er beispielsweise und glaubt daran. Doch was die Generationen eint, ist der Wunsch nach effizienter Produktion.


Dafür kämpft er mit voller Kraft. Da ist es hilfreich, dass er die Ford Motor Corporation aus dem Effeff kennt. Vor 42 Jahren trat er als Produktplanungsanalyst in das Unternehmen ein. Danach durchlief er die Abteilungen Fertigung, Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung und Finanzen. Bill war zudem Mitglied des Gremiums der Autohersteller bei den schwierigen Verhandlungen mit der mächtigen Gewerkschaft United Auto Workers im Jahr 1982. Hier handelten die beiden Parteien aus, dass Gehaltserhöhungen an die Gewinne des Unternehmens gekoppelt werden.

Bill Ford. (Fotos: Ford)


Bill startete derweil neu durch. Er absolvierte 1983 ein 12-monatiges Studium als Alfred P. Sloan-Stipendiat am hochrenommierten Massachusetts Institute of Technology. Anschließend wurde er Statthalter in der Schweiz. Drei Jahre später kehrte er als Leiter der Geschäftsstrategie der Ford Automotive Group in sein Heimatland zurück. Bill entwickelte im Team den Aufbau von Produktionsstätten mit geringen Stückzahlen in Schwellenländern. Die Voraussetzung für eine weltweite Expansion.


1992 wurde er zum General Manager der Climate Control Division ernannt und lebte seine grüne Ader aus. Er gründete ersten Lebensraum für Wildtiere des Unternehmens auf dem Werksgelände und schuf das erste Automobilwerk der Welt, in dem 25 Prozent Recycling-Materialien für alle Kunststoffteile verwendet wurden. 


Der am 3. Mai 1957 geborene Bill wurde 1994 zum Vice President und Leiter des Commercial Truck Vehicle Center des Unternehmens ernannt. Doch scheint ihm das nur wenig Spaß gemacht zu haben. Schon ein Jahr später wechselte als Vorsitzender zum Finanzausschuss des Verwaltungsrates. Dann wurde er CEO und Sanierer von Ford. Sein Rezept: Er fuhr die Qualität hoch und die Kosten runter. Neue Produkte kamen auf den Markt. So führte er das Unternehmen von einem Verlust von 5,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2001 wieder in die schwarzen Zahlen.


Seine grüne Seele hat darunter nicht gelitten. 2011 verkündete er die Strategie „Ford Smart Mobility“ und will so am Ende die Mobilität smarter gestalten. Bis heute feilt er an dem Vorhaben.


Bei all dem vergisst er seine Heimat nicht. Ford erwarb das „Michigan Central“-Gebäude in Detroits historischem Stadtteil Corktown. Seitdem ist der ehemalige Bahnhof das Herzstück eines Campus, auf dem die Ford Motor Company und ihre Partner autonome und Elektrofahrzeugen entwickeln, ganz im Sinne der Strategie. 


„Mein Urgroßvater hat geholfen, die Welt auf Räder zu stellen, damit jeder die Vorteile der Mobilität genießen kann“, sagt Ford. „Unsere Vision ist es, dieses Denken durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien und neuer Geschäftsmodelle zu erweitern, damit die persönliche Mobilität in einer überfüllten Welt lebensfähig bleibt.“


360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.