Automacher: Günther Schuh

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In unserer Serie „Die Automacher“ stellen wir prägende Persönlichkeiten aus der Autobranche vor. Heute: Professor Günther Schuh.

Professor Günther Schuh rüttelt schon seit Jahren an den Manifesten der klassischen Produktionslehre bei der Autoherstellung. Dabei ist er laut und mitunter schrill, aber immer unterhaltsam. Das macht Schuh zu einer Art Punk der Autoindustrie.


Wenn Schuh etwas behauptet, beweist er in der Praxis, dass seine Thesen tragen. Das verkauft er dann gut. Man kann ihn auch liebevoll als „Rampensau“ bezeichnen. Kein Wunder: Er ist ein waschechter Rheinländer. Der heute 62-jährige studierte von 1978 bis 1985 Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre an der Elite-Lehranstalt für Ingenieure, der RWTH Aachen. 1988 promovierte der Kölner nach einer Assistentenzeit am Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen bei Professor Walter Eversheim, dem er nach der Habilitation zwei Jahre noch lang die Treue hielt.

Schuh mit dem von ihm entwickelten E-Kleinstwagen. (Foto: Next.e.GO Mobile SE)


Dann zog es ihn in die Schweiz. Ab 1990 lehrte er als Dozent für Fertigungswirtschaft und Industriebetriebslehre in St. Gallen. 1993 wurde er dort Professor für betriebswirtschaftliches Produktionsmanagement und Mitglied des Direktoriums am Institut für Technologiemanagement.


Schon in der Ära betätigte sich Schuh als Unternehmensberater und gründete die heutige Schuh GmbH, eine Holding, die heute sechs Tochtergesellschaften umfasst. Dann ereilte ihn der Ruf seiner Alma Mater als Nachfolger seines Doktorvaters Eversheim. 2002 übernahm er den Lehrstuhl für Produktionssystematik und wurde gleichzeitig Mitglied des Direktoriums des Werkzeugmaschinenlabors WZL der Hochschule und des Fraunhofer IPT. Seit Oktober 2004 ist er zudem Direktor des Forschungsinstituts für Rationalisierung an der RWTH Aachen.


Schuh ist der Stachel im Fleisch der Produktionsverantwortlichen großer Autobauer und damit sehr beliebt als Referent auf Kongressen. Seine Vorträge haben einen roten Faden: Das Automobil muss vom A nach B fahren. Alles, was es dazu nicht braucht, hat im Auto oder bei einer Fertigung nichts zu suchen.

Der StreetScooter. (Foto: StreetScooter GmbH)


Schuh wäre nicht Schuh, würde er nicht auch dafür den Beweis erbringen wollen. Mit seinen Studenten entwickelte er den Kurzstrecken-E-Transporter StreetScooter. Den baute er zunächst als Forschungsprojekt, später im eigens gegründeten Unternehmen, das er vor sieben Jahren an die Deutsche Post verkaufte.


Der Ingenieur glaubt, dass überdimensionierte Reichweiten „Quatsch“ seien und sagt das auch so. Seine Philosophie lautet: E-Autos im Privatbereich brauchen gar keine große Reichweite und somit auch keine hochgerüsteten Batterien. Dazu tritt er ab dem kommenden Sommer mit dem e. GO den Beweis an. Endlich hat er genug Kapital zusammen. Lang genug hat es gedauert.


Sein unternehmerisches Geschick stellte er damit wieder unter Beweis. Nach einem kurvenreichen Start und einem vorübergehenden Aus sammelte Schuh in einer gerade abgeschlossenen Finanzierungsrunde für e.GO 30 Millionen Euro ein.Die Herstellung des E-Kleinstwagens, natürlich streng nach Schuh‘schen Regeln, kann nun im Frühsommer in seiner Heimat Aachen wieder anlaufen. „Wir sind sehr dankbar für die anhaltende Begeisterung, das Engagement und die Geduld unserer Kunden und Fans und freuen uns, endlich wieder Bestellungen entgegennehmen zu können“, lässt Schuh wissen.  Zunächst gibt es eine limitierte Auflage des Viersitzers e.GO Life Next für 22.990 Euro, der bereits im Juli bei den Kunden sein soll.


Ob Schuh sich je entscheiden kann, was er endgültig werden will, ist noch offen. Selbst die Politik lockte vor einigen Jahren in Person von Norbert Röttgen, der Schuh als Mitglied seines Schattenkabinetts als möglicher Ministerpräsident nominierte. Doch Röttgen wurde nicht gewählt. Schade, Schuh hätte die politische Bühne sicher aufgemischt.



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