Automacher: Håkan Samuelsson

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In unserer Serie „Die Automacher“ stellen wir prägende Persönlichkeiten aus der Autobranche vor. Heute: Volvo-Chef Håkan Samuelsson.

Håkan Samuelsson geht gerne spazieren. Darum sah man ihn in seiner Zeit als MAN-Chef oft im Englischen Garten in München. Samuelsson brauchte das als Ausgleich, denn der Job, den er im Juli 2000 zunächst als Chef der Nutzfahrzeugsparte antrat und als Vorstandsvorsitzender der MAN-Aktiengesellschaft beendete, war schwierig und der Schlussakkord nicht gerade harmonisch. Der Höhepunkt einer angeblichen Schmiergeldaffäre war die MAN-Schadenersatzklage gegen Samuelsson von 237 Millionen Euro. Doch der Schwede hatte eine saubere Weste, wie ihm die Staatsanwaltschaft München im Jahr 2013 bestätigte. Laut deren Ermittlungen war Samuelsson, der vor dem MAN-Job Chef bei Scania war, in keine dunklen Geschäfte verstrickt. Dennoch muss das den Diplom-Ingenieur für Maschinenbau mitgenommen haben. Doch das lässt er sich bis heute nicht anmerken.


Seine damaligen Mitarbeiter bedauern bis heute seinen Weggang. Das liegt auch an seinem Führungsstil. Anlässlich der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ im Jahr 2017 „für seinen Erfolg und seine außergewöhnlichen Leistungen in der Automobil-Branche“ verrät er sein Rezept im „Auto Bild“-Interview: „Ich begegne jedem Menschen mit Respekt. Immer. Prinzipiell bin ich jemand, der eher Impulse gibt als Kommandos.“


Überhaupt kann man ihm geradezu buddhistische Eigenschaften bescheinigen. Diskutiert man mit ihm, betrachtet er die Dinge nicht nur logisch, sondern auch philosophisch. Er wirkt unendlich gelassen. Und sollte es ihm mal zu viel werden, lädt er in seinem Haus in Portugal die Akkus auf.

Samuelsson bei der Präsentation des S60 im Volvo-Werk in South Carolina. (Fotos: Volvo)


Das empfiehlt den 1951 geborenen Manager offenbar für schwierige Führungsfunktionen. Im Oktober 2012 übernimmt er Verantwortung bei der Volvo Car Corporation. Der schwedische Autohersteller gehört zwischenzeitlich zur Geely Group. Bei der Übernahme unterstellt man den Chinesen nur das Know-how abziehen zu wollen. Doch die Realität belehrt die Skeptiker eines Besseren. Daran hat auch sicher Samuelsson mit seinem interkulturellen Einfühlungsvermögen seinen Anteil. Er laviert das Unternehmen geschickt durch die verschiedenen Mentalitäten und Meinungen. Natürlich profitiert Geely von der Kompetenz des Premiumautobauers. Das ist nur fair, denn im Gegenzug nutzt Volvo die Kapitalkraft und Synergien des Geely-Konzerns, zu dessen Beteiligungen ebenso Daimler zählt. Und Volvos Heimat Schweden kommt nicht zu kurz. Die Zentrale von Volvo ist nicht in Peking, sondern in Torslanda bei Göteborg.


Von dort aus lenkte er Volvo, das vor der Übernahme ins Schlingern gerät, in die neue Ära der Mobilität. Er treibt die Elektrifizierung mit Verve voran und implementiert 2019 die Marke Polestar.


Die staatlichen Fördermaßnahmen in Europa kommen ihm bei der Elektrifizierung zwar entgegen. Aber Samuelsson glaubt, dass das Segment langfristig nur profitabel sein kann, wenn genug attraktive Modellangebote auf den Markt sind und die Preise sinken. Darüber hinaus etabliert er Service als neues Geschäftsfeld und entwickelt Strategien, um weitere Ziele zu verwirklichen. Die haben allesamt etwas mit einer Null zu tun. Samuelsson strebt nicht nur Zero Emission, sondern auch null Todesopfer im Straßenverkehr an.


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