Automacher: Luca de Meo

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In unserer Serie „Die Automacher“ stellen wir prägende Persönlichkeiten aus der Autobranche vor. Heute: Renault-Chef Luca de Meo.

(Titelfoto: Renault)


De Meo übernimmt das Steuer in einer schwierigen Phase. Zum einen bröckelt die Allianz mit Nissan, zum anderen muss der Konzern nach dem turbulenten Finale von Carlos Ghosn wieder ins ruhige Fahrwasser navigiert werden. Das alles fällt in eine Zeit der Transformation und Pandemie. Doch de Meo hat einen Plan. Mit der Strategie „Renaulution“ will der 53-Jährige das Dickschiff wieder flott machen.


Keine leichte Aufgabe. Aber Herausforderungen hat de Meo in seinem Vierteljahrhundert in der Autoindustrie noch nie gescheut. Der Mailänder wird es mit viel Diplomatie und Charme angehen. Ganz neue Töne beim französischen Autobauer, der lange von Carlos Ghosns patriarchalischem Führungsstil geprägt wird.


Doch mit seinem Stil überzeugt de Meo zuvor er auch bei Fiat. Zwischen 2002 und 2009 ist er bei dem italienischen Hersteller und leitet die Geschicke der Marken Alfa Romeo, Lancia, Fiat und Abarth. Sein dort größter Erfolg in der Öffentlichkeit ist die Kampagne bei der Einführung des Fiat 500. Das Fahrzeug wird zum trendigen Kleinwagen mit Retro-Charme.


Ein zeitgemäßes Image zu schaffen, gelingt ihm später auch bei Seat. Die VW-Tochter holt er innerhalb von fünf Jahren aus dem Dornröschenschlaf und positioniert sie als „must have“ in der trendigen Lifestyle-Szene – und zwar gewinnbringend. Zudem etabliert er den sportlichen Seat-Ableger Cupra.

De Meo in seiner Zeit als Seat-Chef. (Foto: Seat)


Diese Coups kann de Meo auch landen, weil er Mitarbeiter motivieren, geradezu begeistern kann. Sein wahres Talent besteht darin, alle in seiner Umgebung zu Komplizen zu machen, auch die Vertreter der Presse. Und das in Französisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch oder Englisch.


Setzt Wolfsburg zuvor bei der Besetzung der Chefposten der spanischen Marke auf deutsche VW-Gewächse, kommt mit de Meo jemand, der darauf besteht, beim iberischen Konzern spanisch zu sprechen. Das beeindruckt, auch in Katalonien. Auch, dass es ihm gelingt den in Martorell bei Barcelona ansässigen Konzern neutral durch den lokalpolitischen Konflikt zu lenken.


Den letzten Schliff zu dieser Führungsmelange erhält de Meo unter dem verstorbenen Fiat-Chef Sergio Marchionne. Der lässt seinen Managern freie Hand und Raum zur kreativen Entfaltung. De Meos Talent bleibt auch in Wolfsburg nicht verborgen. Volkswagen wirbt ihn als Marketingchef der Kernmarke und des Konzerns an, danach ist er im Vorstand der Premium-Tochter Audi verantwortlich für Marketing und Vertrieb.


Trotz der ständigen Tätigkeit im Autobereich ist De Meo kein klassischer Car Guy. Er studiert Betriebswirtschaft an der Università Commerciale Luigi Bocconi in Mailand und promoviert in Wirtschaftsethik.


Über den Privatmann de Meo weiß man nicht viel. Auf die Frage in einem Interview, was er auf jeden Fall mit auf eine einsame Insel nähme, antwortet er: „mein Smartphone“.


De Meo ist stolz auf sein Heimatland. Und das ist stolz auf ihn. Nicht nur dass er an seiner Alma Mater zum Absolventen des Jahres gekürt wird. Man verleiht ihm einen der höchsten italienischen Verdienstorden, „Commendatore“. Zudem wird er Ehrenbürger der Gemeinde Locorotondo, dem Geburtsort seiner Mutter. Auch der katalanische Arbeitgeberverband Foment del Treball ehrt de Meo mit der Ehrenmedaille für den Unternehmer des Jahres.


Man darf gespannt sein, wann Frankreich die ersten Lorbeeren verteilt.


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