Automacher: Ola Källenius

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In unserer Reihe „Automacher“ stellen wir prägende Persönlichkeiten aus der Autoindustrie vor. Heute: Daimler-Chef Källenius.

Er lenkt seit annähernd zwei Jahren eine Ikone der deutschen Industriegeschichte, die Daimler AG. Das ist nicht einfach für den 51-jährigen Manager Ola Källenius, der einen schillernden Vorgänger beerbt hat und ein Unternehmen führt, das sich gerade runderneuert.


Vergleicht man Källenius mit seinem Vorgänger, könnte der Unterschied nicht größer sein. Dieter Zetsche suchte das Scheinwerferlicht und das stand ihm gut. Just in der Zeit, in der die Autobranche und somit auch Daimler große Umwälzungen durchläuft, trat er ab. Der Erbe des Chefsessels scheut dagegen die Kameras und gibt sich bescheiden. Seine uneitle Art treibt so manchem Öffentlichkeitsarbeiter Schweißperlen auf die Stirn. Denn Källenius gehört nicht zu den Führungskräften, die mit akkuratem Haarschnitt und Maßanzug ihren Status mit der Unternehmensbotschaft publikumswirksam unterstreichen. Jedoch weiß er seine Ansprüche intern klar zu kommunizieren. Die sind hoch und er schenkt seinen Mitarbeitern nichts. Dennoch folgen sie ihm offenbar gerne.


Dass Källenius ohne Ingenieursausbildung Daimler-Chef werden konnte, ist in der Branche noch kein Regelfall und bei Daimler ein Novum. Aufgrund seines Mastertitels in der Disziplin „International Management“ und „Finance and Accounting“ ist er vom Studiengang her eher kein „Car Guy“. Außerdem prägt Källenius „beim Daimler“ einen neuen Führungsstil, macht sich von Traditionen frei. Eine Ansage an die inneren Machtzirkel, die sich im Konzern zur zweiten Gewalt verkrallt hatten und ihren Status lange zu verteidigen wussten.


Källenius will nicht weniger als eine „Revolution von oben“, schreibt das „Handelsblatt“. Die soll, so die Wirtschaftszeitung, auf drei Säulen basieren. Die Marke Mercedes-Benz soll vollständig elektrifiziert werden, das schnellstmöglich und bitte rentabel. Die zweite Säule: Das neue Maß des Unternehmenserfolgs sind nicht mehr allein die Absatzzahlen, sie orientiert sich an der Marktkapitalisierung, also dem Wert des Unternehmens an der Börse. Und der wird nach Meinung des Schweden immer mehr davon bestimmt, wer im Daten-Business die Nase vorn hat. Säule Nummer drei: Man konzentriert sich auf den Bau von Pkw. Die Nutzfahrzeugsparte wird abgespaltet und als Daimler Trucks an die Börse gebracht – sozusagen nach dem Motto: Die einzelnen Teile sind mehr wert als das Ganze.

CEO Källenius (rechts) und Personalvorstand Wilfried Porth: Die Top-Manager begrüßen im Oktober 2020 mehr als 1.800 Auszubildende und Dual-Studierende. (Fotos: Daimler)


Bei der Fokussierung auf die Autosparte kann der Manager mit einem Pfund wuchern: Die Marke Mercedes-Benz wird aktuell im Ranking „Global 500“ des US-amerikanischen Unternehmensberatung Brand Finance als wertvollste Automobilmarke der Welt geführt. Damit die Neugestaltung gelingt, bedarf es Vielem – und möglichst wenigen Widerständen. Das gelingt dem Schweden bislang ziemlich gut. Vielleicht liegt das daran, dass der Führungsnachwuchs meist aus dem Konzern generiert wird.


Wie wichtig Mäzenatentum ist, weiß Källenius aus eigener Erfahrung. Selbst ein Urgewächs des schwäbischen Autobauers, begann er seine berufliche Laufbahn 1993 bei Mercedes und gehörte zur „Internationalen Nachwuchsgruppe“. Im Förderprogramm wurde der Aspirant von einem gestandenen Paten auf dem Weg nach oben begleitet. Dabei absolvierte er wesentliche Bereiche des Konzerns: Einkauf, Produktion, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung. Zwischenzeitlich leitete er auch die Geschicke der Sportwagen-Tochter Mercedes-AMG – für den Motorsport-Fan ein Traumjob, letztendlich aber nur Vorstufe auf dem Weg in den Konzernvorstand.


Den erreichte Källenius im Jahr 2015 als Vertriebschef. Vor seiner Berufung zum CEO war der Nicht-Ingenieur im Daimler-Vorstand für Forschung und Entwicklung verantwortlich. Nun ist er ganz oben und steuert nicht nur schicke Autos, sondern vielleicht auch bald einen schlanken Konzern, der wiederum zur Ikone der deutschen Industrie werden könnte. Nur eben der digitalisierten Industrie.

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