Autonomes Fahren auf Level 3 im Honda Legend Hybrid EX: 3 Fragen beantwortet

Lukas Schmidt

09 März. 2021

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Honda startet Sicherheitssystem „Sensing Elite“ mit Fahrfunktionen nach Level 3 in Japan.

Hondas neuer Legend Hybrid EX kommt mit dem Sicherheitssystem „Sensing Elite“ und bietet automatisiertes Fahren mit Staupilot und „Hands-off“-Funktion. Das Modell wird in Japan zum Leasing angeboten. Alle weiteren Fragen klären wir hier.


Automatisiertes Fahren der Stufe 3 im Honga Legend Hybrid EX (Alle Bilder: Honda)


Was für ein Fahrzeug ist der Honda Legend Hybrid EX?


Der Honda Legend ist eine Limousine der oberen Mittelklasse von Honda, in den USA steht das Modell als Acura RL/Acura RLX bei den Händlern. Von 1985 bis 2012 gab es den Legend auch in Deutschland, mangels Erfolg wurde das Modell in der neuen Generation aber nicht mehr für den europäischen Markt angepasst. Die fünfte Generation Honda Legend wird seit November 2014 in Japan verkauft, die Baureihe ist nur als Sport Hybrid verfügbar und ist das erste in Serie gebaute Fahrzeug, das nach Autonomiestufe 3 auf der Autobahn fahren kann.



Was bedeutet automatisiertes Fahren auf Level 3?


Assistiert, teilautomatisiert, hochautomatisiert, vollautomatisiert, autonom: Diese Begriffe beschreiben die fünf Stufen oder Level auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug. Auf Stufe 1 muss der Fahrer den Verkehr ständig im Blick behalten und haftet für Verkehrsverstöße und Schäden. Einzelne Assistenzsysteme wie Tempomat, Abstandsregler oder Spurhalteassistent unterstützen einzeln. Auf Stufe 2 kann der Pkw Aufgaben zeitweilig selbst ausführen und ist in der Lage, auf der Autobahn gleichzeitig die Spur zu halten, zu bremsen und zu beschleunigen oder zum Beispiel selbstständig einzuparken. Der Fahrer kann kurzzeitig die Hände vom Lenkrad nehmen, ist aber weiter in der Haftung.


Auf Stufe 3 kann sich der Fahrer nun vorübergehend von Fahraufgabe und Verkehr abwenden, in vom Hersteller vorgegebenen Anwendungsfällen fährt das Auto komplett selbstständig. Der Fahrer muss nach Aufforderung durch das System die Kontrolle wieder übernehmen, bis dahin haftet der Hersteller für Verstöße und Schäden. Übernimmt der Fahrer die Kontrolle nach Aufforderung aber nicht, haftet er wieder selbst. Theoretisch erfüllt der Stauassistent im Audi A8 von 2018 die Anforderungen an hochautomatisiertes Fahren: Bei Stau und auf der Autobahn steuert er den Wagen ohne Zutun des Fahrers bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Allerdings ist diese Funktion noch nicht zugelassen.


Bei Stufe 4 übernimmt das Fahrzeug die komplette Führung, der Fahrer wird auf bestimmten Strecken (z.B. Autobahn oder Parkhaus) zum bloßen Passagier. Theoretisch könnte das Auto die entsprechenden Streckenabschnitte auch ohne Insassen zurücklegen. Einen rechtlichen Rahmen für dieses vollautomatisierte Fahren gibt es aber noch nicht. Entsprechend ist auch nicht geklärt, welche Rechte und Pflichten der Fahrer in diesem Betriebsmodus hat. Die Vollendung ist das das autonome Fahren, hier sind sämtliche Insassen Passagiere und greifen überhaupt nicht mehr in das Fahrgeschehen ein, entsprechend würde hier das System für sämtliche Schäden haften.


Wie weit ist Honda beim Autonomen Fahren?


Honda Sensing Elite baut auf der Honda Sensing Sicherheitstechnologie auf, die in allen in Europa angebotenen Fahrzeugen zur Serienausstattung gehört. Zu den Neuerungen zählt die „Staupilot“-Funktion, die bedingtes autonomes Fahren in bestimmten Verkehrssituationen ermöglicht. Honda hat dafür vom japanischen Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus die entsprechende Genehmigung erhalten. Die Staupilot-Funktion kann in bestimmten Situationen, z. B. in dichtem Verkehr oder auf der Autobahn das Führen des Fahrzeugs vom Fahrer übernehmen.



Das automatisierte Fahrsystem nutzt verschiedene Daten und Sensoren. Die Position des Fahrzeugs und die Verkehrsbedingungen werden auf der Basis dreidimensionaler, hochauflösender Karten, globaler Navigationssatellitendaten und einer 360-Grad-Überwachung des direkten Fahrzeugumfelds erfasst. Eine im Innenraum montierte Kamera überwacht gleichzeitig den Fahrer. Das Hauptsteuergerät (ECU) ist auf Basis dieser Informationen in der Lage, Verkehrssituationen zu erkennen und zu bewerten und eine hochgradige Steuerung von Beschleunigung, Verzögerung sowie Lenkung vorzunehmen, um eine leistungsfähige und geschmeidige Fahrassistenz zu bieten.



Von außen ist die neue Variante des Honda Legend an blauen Zusatzleuchten und exklusiven Leichtmetallfelgen zu erkennen. Die Innenausstattung umfasst spezielle Kontrollleuchten und ein 12,3 Zoll großes Voll-LCD-Display. Diese Anzeigen sorgen dafür, dass der Fahrer jederzeit auf intuitive Weise über den aktuellen Status des Systems informiert ist und bei Bedarf sofort wieder die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen kann.



Was kann das Honda „Sensing Elite“ Sicherheitssystem?


Zu den Funktionen zählt die „Hands-off“-Funktion: Beim Fahren mit adaptiver Geschwindigkeitsregelung (ACC) und aktiviertem Spurhalteassistent (LKAS) kann das System unter bestimmten Bedingungen auf der Autobahn selbst dann bestimmte Fahrmanöver unterstützen, wenn der Fahrer seine Hände vom Lenkrad nimmt. Dafür nötig ist der adaptive Spurhalteassistent. Das System unterstützt das Folgen eines vorausfahrenden Fahrzeugs innerhalb der Fahrspur. Dabei wird das Fahrzeug in der Mitte der Fahrspur gehalten, während die voreingestellte Geschwindigkeit beibehalten wird. Das System hält dabei den für die jeweilige Geschwindigkeit angemessenen Abstand ein.


Wenn es schneller gehen soll, greift der aktive Spurwechselassistent mit „Hands-off“-Funktion und das System unterstützt ein Beschleunigen bzw. Abbremsen sowie den Spurwechsel, sobald der Fahrer die sichere Umgebung bestätigt und den Blinker setzt. Wenn beim Fahren mit adaptivem Spurhalteassistent der aktive Spurwechselassistent mit „Hands-off“-Funktion aktiviert wird, nimmt das System eine Bewertung der aktuellen Verkehrssituation vor und unterstützt den Spurwechsel bzw. Überholvorgang. Wird ein langsam vorausfahrendes Fahrzeug erkannt, informiert das System den Fahrer und unterstützt dann das Überholen und die Rückkehr in die ursprüngliche Fahrspur.


Wenn das Fahrzeug bei aktiviertem adaptivem Spurhalteassistent in einen Verkehrsstau gerät, übernimmt das System in bestimmten Situationen das Beschleunigen, Abbremsen sowie Lenken. Die Fahrzeugumgebung wird dabei genau überwacht. Das System beschleunigt, bremst und setzt das Fahren auf der vorgegebenen Spur fort, während je nach Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeugs der ordnungsgemäße Sicherheitsabstand gewahrt wird. Während das System aktiv ist, kann der Fahrer über den Navigationsbildschirm fernsehen, DVDs schauen oder nach der gewünschten Zieladresse suchen und der Hersteller haftet für entstehende Schäden.



Kommt das System an seine Grenzen bzw. wenn der Fahrer wieder übernehmen soll, kommuniziert das System über Kontrollleuchten und über das 12,3-Zoll LCD-Display mit dem Fahrer. Fordert das System den Fahrer auf, die Fahrzeugkontrolle zu übernehmen, wechselt die Farbe sämtlicher Kontrollleuchten auf Orange und sie beginnen zu blinken, um dem Fahrer ein unmissverständliches Signal zu senden. Außerdem ertönen Warnsignale und der Gurt beginnt zu vibrieren.



Wenn der Fahrer die Aufforderung des Systems zur Übergabe der Kontrolle zurück an den Fahrer bei Deaktivierung des Staupiloten/der „Hands-off“-Funktion wiederholt missachtet bzw. nicht reagiert, leitet das System einen Bremsvorgang ein und steuert das Fahrzeug auf den Seitenstreifen.

Der Honda Legend Hybrid EX ist damit das erste Serienfahrzeug mit automatisiertem Fahren der Stufe 3. Das Modell wird ab 5. März in Japan zum Leasing angeboten.

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Lukas Schmidt

09 März. 2021