Beste Business-Limousine bleibt der BMW 5er

Mathias Keiber

22 Okt. 2020

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Es muss schon schwer sein, Perfektion zu verbessern. Sprich: die Aufgabe, der sich die BMW-Leute in weißen Kitteln jedes Mal stellen, wenn der 5er aktualisiert wird. Mehr oder weniger seit seiner Einführung sitzt der 5er im Business-Limousinen-Segment auf dem Chefsessel. Autos wie die Mercedes-Benz E-Klasse und der Audi A6 kommen natürlich nahe, aber die Zigarre raucht nach wie vor der BMW 5er.

Es muss schon schwer sein, Perfektion zu verbessern. Sprich: die Aufgabe, der sich die BMW-Leute in weißen Kitteln jedes Mal stellen, wenn der 5er aktualisiert wird. Mehr oder weniger seit seiner Einführung sitzt der 5er im Business-Limousinen-Segment auf dem Chefsessel. Autos wie die Mercedes-Benz E-Klasse und der Audi A6 kommen natürlich nahe, aber die Zigarre raucht nach wie vor der BMW 5er.


(Alle Abbildungen: BMW)


Für das Facelift des 5ers reichen kleinere Änderungen, um die Konkurrenz im Rückspiegel zu halten. Wie mittlerweile üblich, verfügen alle Vier- und Sechszylinder über ein Mild-Hybrid-System mit 48-V-Startergenerator – das erhöht die Leistung um nicht unerhebliche 11 PS, knabbert an den CO2-Emissionen und bietet einen willkommenen Boost im unteren Drehzahlbereich.


Beim Design muss man sich schon sehr konzentrieren, um die eher kosmetischen als chirurgischen Eingriffe überhaupt wahr zu nehmen. Das Nierengitter ist etwas breiter und höher geworden, insgesamt ist es um 20 Prozent gewachsen. Aber zum Glück ist es nicht zum Riesenhai-Mund des 4ers geworden. Jedenfalls noch nicht.


An den Lichtern wurde herumgebastelt, weil an den Lichtern für ein Facelift immer herumgebastelt wird. Sie sind vorne und hinten schlanker geworden, zudem sind für alle Varianten nun Laserscheinwerfer verfügbar. Abgerundet wird der neue Look durch trapezförmige Endrohrspitzen. Optional sind für den 5er neue „Air Performance“-Räder verfügbar, die den Luftwiderstand verringern, aber völlig bizarr aussehen, also kümmere ich mich nicht weiter darum.



Besonders stolz ist BMW auf die Integration von Apple CarKey, der das iPhone, korrekt, zu einem Schlüssel für den 5er macht. Zunächst klingt das wie eine völlig sinnlose Erfindung, aber die Funktion öffnet nicht nur das Fahrzeug. Man kann den Schlüssel mit bis zu fünf Personen teilen. Konkret kann man ihn sogar von überall auf der Welt an andere iPhone-Besitzer digital versenden.


Noch besser: Man kann das Verhalten des Fahrzeugs einstellen. Wenn man also dem 18-jährigen Sohnemann, der gerade erst den Führerschein gemacht hat, den 5er überlassen will, lässt sich zum Beispiel die Höchstgeschwindigkeit des Autos begrenzen. Allerdings sollte jeder, der einen 18-Jährigen einen 5er fahren lässt, meiner Meinung nach seinen geistigen Gesundheitszustand überprüfen lassen. Denn der 5er ist und bleibt kein Auto für Fahranfänger.



Im Inneren erhalten Kunden jetzt standardmäßig einen 10,25-Zoll-Touchscreen fürs Infotainment, optional ist das Display auch im Format 12,3 Zoll verfügbar. Abgesehen von minimalen Änderungen am Lenkrad und den Sitzen, konzentrieren sich die Updates auf den Technologie-Bereich – etwa den optionalen Lenkassistenten, der beim langsamen Manövrieren hilft. Eine Spurrückführungsfunktion und eine stylische, letztendlich aber wenig Gewinn bringende 3D-Grafik der Verkehrsteilnehmer ums Auto herum ist Teil des fortgeschrittenen Assistenzpakets, das jedoch gut 5.000 Euro Aufpreis kostet. Fahrer sollten sich also genau überlegen, was sie von ihrer BMW-Business-Limousine erwarten. Sonst wird es schnell richtig teuer!


Das Angebot an Motoren ist wie immer breit, angefangen mit dem 181 PS starken 2-Liter-Benziner im 520i, einer Vielzahl von Dieseln, bis hin zum umwerfenden M550i, der aus einem 4,4-Liter-V8 523 PS leistet. Mein Testfahrzeug war der 540i xDrive. Und davon erzähle ich Euch jetzt.



Der 5er wurde sozusagen auf bayerischen Autobahnen geboren und das merkt man ihm an. Seine Komfortzone ist die Schnellstraße. Wo die meisten Autos zittrige Knie bekommen, dort ist der 5er zuhause. Beim 110 km/h kommt er nicht mal annähernd ins Schwitzen: Er gleitet geradezu und als Fahrer fühle ich mich in einem wohlig-warmen Cocon, geschützt vor Windgeräuschen und jeder Unebenheit des Straßenbelags – in etwa so stelle ich mir einen fliegenden Teppich vor.


Ebenso zuhause ist der 5er auf kurvigen Landstraßen, wobei zweifellos der Allradantrieb seinen Beitrag leistet. Die nach starken Regenfällen mit aufgeweichtem Herbstlaub bedeckten Straßen ließen sich passieren, als sei es trocken. Selbst beim Bremsen: Kein spürbarer Grip-Verlust. Hätte es einen Unterschied gegeben, ich würde an dieser Stelle im Text darüber schreiben.


Zwar fährt er sich nicht so sportlich wie frühere 5er, bei der Entwicklung scheint maximaler Komfort im Vordergrund gestanden zu haben. Trotzdem spürt man als Fahrer nach wie vor die BMW-DNA, die Freude am Fahren. Doch sei die Frage gestattet: Ist das 5er-Facelift ein so tolles Fahrerauto wie der Jaguar XF? Antwort: Wahrscheinlich nicht ganz, den A6 und die E-Klasse steckt er aber in die Tasche.



Der 3-Liter-Sechszylinder des 540i mit kernigem Drehmoment von 450 Nm und 328 PS erweist sich als überaus spurtfreudig und ist an eine geschmeidige 8-Gang-Automatik gekoppelt, die man anscheinend nicht im falschen Gang erwischen kann. Die Kombination macht sich auch akustisch sehr zu meiner Freude bemerkbar: das unterschwellig-schöne Knurren gibt’s bei den Vierzylindern garantiert nicht. Zudem gestalten die adaptiven Dämpfer den Übergang von der glatten Schnellstraße zu innerstädtischen Schlagloch-Piste überaus angenehm.


Innen ist der 5er hervorragend ausgestattet. Und obwohl alles fahrerorientiert und logisch gestaltet ist, ist es im Vergleich zum Audi A6 eine wärmere, weniger steife Umgebung. Eigentlich unnötig, das zu erwähnen, ich sag’s trotzdem: Alles, was die Finger berühren, ist entweder weich oder glatt, wie in einem High-End-Möbelgeschäft. Und die Sitze sind bequem genug, um darin zu schlafen.



Das „iDrive“-Infotainment-System von BMW ist so gut, dass es fast zum Klischee geworden ist, noch darauf hinzuweisen. Aber in Bezug auf Reaktionsfähigkeit und Grafik hat BMW ganz einfach den Klassenprimus im Auto. Die Kombination aus mechanischen Tasten, Touchscreen-Funktionen und einem Drehknopf lässt keine Wünsche offen.


Ernsthaft: Ich hätte gerne etwas gefunden, das ich am neuen 5er bemängeln könnte. Ich würde es tun, denn das macht mir Spaß! Aber BMW hat wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet. Für wen Fahrspaß weit über allem steht, der sollte den Jaguar XF zumindest in Betracht ziehen. Allerdings enttäuscht auch der 5er in diesem Bereich nicht. Und insgesamt bietet er ganz einfach klar das beste Paket. Kurzum: Der Chefsessel unter den Business-Limousinen gehört nach wie vor dem 5er.


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Mathias Keiber

22 Okt. 2020