Betriebssysteme: VW gibt gegenüber Google und Apple nicht klein bei

Mathias Keiber

09 Nov. 2020

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Im Interview mit der „Automobilwoche“ betont Audi-Chef Markus Duesmann, der VW-Konzern sei groß genug, um ein eigenes Betriebssystem zu etablieren. Auch Daimler-Chef Källenius setzt auf eine Eigen-Entwicklung.

(Fotos: Audi / Daimler)


Im Interview mit der „Automobilwoche“ betont Audi-Chef Markus Duesmann, der VW-Konzern sei groß genug, um ein eigenes Betriebssystem zu etablieren. Auch Daimler-Chef Källenius setzt auf eine Eigen-Entwicklung.


Für die Autohersteller geht es beim Betriebssystem der Zukunft um viel, sehr viel. Sie drohen, zum Hardware-Lieferanten für Konzerne wie Alphabet (Google) oder Apple zu werden. Denn mit den Daten, die Fahrer und Passagiere im Auto hinterlassen, gilt es, Geld zu verdienen. Und sobald Autos vollautomatisiert fahren können, sitzen darin Menschen, die es zu beschäftigen gilt.


Apple Carplay und Android Auto sind noch keine vollwertigen Betriebssysteme, eher verlängerte Arme von Smartphones. Allerdings kommt das erste vollwertige Betriebssystem von Google, Android Automotive, bereits bei Polestar und beim vollelektrischen Volvo XC40 Recharge zum Einsatz. Für Nutzer von Android-Smartphones hat das den Vorteil, dass sie das Betriebssystem nicht wirklich erlernen müssen. Mit den Google-Designs ist man ja bereits vertraut. Um dieses Gefühl zu verstärken, kommt im XC40 Recharge deshalb auch ein hochformatiger Touchscreen zum Einsatz.


Derweil gehen Daimler und der Volkswagen-Konzern einen anderen Weg. Sie wollen eigenständige Betriebssysteme entwickeln. Bei Volkswagen dafür zuständig ist Audi-Chef Markus Duesmann. Die von ihm geleitete Einheit Car.Software entwickelt das Betriebssystem „VW.OS“. Es soll erstmals 2024 zum Einsatz kommen.


Im Interview mit der „Automobilwoche“ verriet Duesmann am Wochenende, warum das für den Konzern der richtige Weg sei: „Wir sind als Volkswagen-Konzern groß genug, um das etablieren zu können – vielleicht auch für den gesamten Markt. Ich gehe davon aus, dass sich die Zahl der Betriebssysteme irgendwann wieder konsolidieren wird. Und eines der Betriebssysteme, die sich durchsetzen, soll dann unseres sein.“ Ob das Betriebssystem auch für andere Hersteller geöffnet werde, wolle man zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.


Es habe sich um eine Grundsatzentscheidung gehandelt, sagte Duesmann. „Wir wollen die Schnittstelle zu unseren Kunden selbst bestimmen. Das wollen wir nicht aus der Hand geben. Die Software spielt künftig DIE entscheidende Rolle im Auto.“



Ähnlich sieht das bei Daimler mit dem System „MB.OS“ aus. CEO Ola Källenius hält es im „Rennen um die Mobilität der Zukunft“ für eminent wichtig, eine eigene Softwareplattform zu entwickeln. Nur so behalte man die Hoheit über „das Hirn und das zentrale Nervensystem der Fahrzeuge der Zukunft“, sagte er dem „Handelsblatt“ kürzlich im Interview.


In Sachen Offenheit des Betriebssystems wagt sich Källenius schon weiter nach vorne als Duesmann. Konkret kann der Daimler-Chef sich Kooperationen mit Google und Apple vorstellen. Allerdings muss hierbei auch bedacht werden, dass der Daimler-Konzern deutlich kleiner ist als der VW-Konzern, der mit seiner Kernmarke, Audi, Škoda und Seat jeweils zwischen 6 Millionen und 500.000 Autos pro Jahr absetzt. Dazu kommen die Luxus-Marken Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini.


Bis Ende des Jahres werden laut Duesmann rund 5.000 Mitarbeiter für die Organisation „Car.Software“ tätig sein. Weitere Expertise hole man sich aktuell durch den Zukauf der Bildverarbeitung von Hella.


Man mag Duesmann zustimmen: Der VW-Konzern kämpft einen Kampf, der zwar sehr schwer zu gewinnen ist. Anders als etwa für die zum Geely-Konzern gehörenden Marken Volvo und Polestar, die jetzt schon auf Android Automotive setzen, ist der Kampf jedoch nicht ganz so aussichtslos.


Klar jedenfalls ist: Die deutschen Autokonzerne haben kein Interesse daran, für die oft bemühte Metapher vom „Smartphone auf Rädern“ zum Software-Lieferanten zu werden.



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Mathias Keiber

09 Nov. 2020