BMW 530d xDrive Touring: Effizienter Kraftmeier

Arne Roller

18 Okt. 2021

1/5
Mit seinem Facelift ist der aktuelle 5er bereit für seine zweite Lebenshälfte. Die Motoren kommen jetzt mit noch mehr Power und einem Mild-Hybrid-System. Der 530d im Fahrbericht.



Der Diesel-Kombi, einst das wohl unbestritten sinnvollste Familienauto, stand vielleicht noch nie so weit unten in der Gunst der KäuferInnen wie heute. Crossover und SUV haben ihm viel Marktanteile geraubt. E-Autos winken mit satten Prämien und steigenden Reichweiten. Und selbst bei der Trutzburg “Fuhrpark” hat der Diesel-Kombi jetzt große Konkurrenz – schließlich müssen Plug-in-Hybride nur halb so hoch versteuert werden. 


Kombi-Fans und Diesel-Freunde können sich aber freuen: noch sind sie nicht tot, die praktischen Kilometerfresser. Allen voran ein Fahrzeug wie der 530d. Wie alle 5er bekam er im letzten Jahr einen sogenannten LCI (Life Cycle Impulse), wie man bei BMW die Modellpflege betitelt. Dieser Lebenszyklus-Impuls also brachte neue Lichttechnik (BMW-Laserlicht), überarbeitete Schürzen und eine etwas breitere Niere. Aber, und das ist natürlich interessant, nicht die neue “Hochkant-Niere” von BMW. Neu müsste man dabei eigentlich in Anführungszeichen schreiben, schließlich war die BMW-Niere auch in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts schon hochkant gestaltet. Aber eben kleiner. Ach, lassen wir das. Über Geschmack kann man eben stundenlang sinnlos streiten. 


Zu erkennen ist das neue Laserlicht an den blauen “Augenbrauen”, es sei denn der Kunde werkelt am erstmals individualisierbaren Scheinwerfer-Innenleben herum. Was es alles gibt. Zur ellenlangen Aufpreisliste kommen wir aber später. Für den 530d bedeutete das LCI ein Leistungsplus von 21 PS und die Mild-Hybridisierung. Zeit für eine Ausfahrt. 



BMW 530d xDrive Touring: Innenraum


Vorneweg: Trotz allem Komfort, den ein 5er bietet, hatte ich in vielen Versionen so meine Probleme, die perfekte Sitzposition zu finden. Die im neuen 5er verfügbaren Komfortsitze hingegen machen ihrem Namen alle Ehre. Die Lordosenstütze ist in vier Richtungen verstellbar und auch die Kopfstützen lassen sich elektrisch nach oben und unten fahren. Zusätzlich kann ich sie, natürlich auch elektrisch nach vorne neigen. Ebenfalls per Knopfdruck ist der obere Teil der Rückenlehne unabhängig vom Rest nach vorne und hinten neigbar. Hier finde zumindest ich diesmal die wirklich perfekte Sitzposition. Ansonsten war das Wohlfühlen in einem 5er immer eine äußerst einfache Angelegenheit. "Mei, is des schee" hier drin. Viel Hochglanz-Schwarz und schönes Aluminium, dazu weiche Materialien allerorten. Auf den ersten Blick konnte ich kein Hartplastik finden. Auf den zweiten Blick finde ich ein sehr kleines Panel im unteren Bereich der Tür. Geschenkt. 


Ein 10,25"-Infotainment-Bildschirm war vor dem LCI optional, jetzt ist er Serie. Hier im Testwagen ist aber das noch größere Display mit 12,3" verbaut.


Mein Handy habe ich schnell und kabellos via Apple CarPlay verbunden, es wird mir nun auf dem 12,3-Zoll großen Infotainment-Bildschirm (10,25” serienmäßig) angezeigt. Los geht’s.



BMW 530d xDrive Touring: Fahrverhalten


In der Mittelklasse jagen sie alle fahrdynamisch den 3er-BMW. Beim 5er wirkt es diesmal so, als habe BMW etwas den Komfort einer E-Klasse gejagt. Ergo fährt man den bequemsten und luxuriösesten Fünfer aller Zeiten. Das heißt aber nicht, dass Abstriche gemacht werden müssen. Alles eine Frage der Spreizung des Fahrwerks. Bei BMW wissen sie traditionell besonders gut, wie man ein Auto dynamisch um die Kurve bringt. Das Plus an Komfort kommt jetzt noch obendrauf.


Richtig gut ist bei diesem Fünfer ist auch die exzellente Geräuschdämmung: Wind- oder Abrollgeräusche dringen auch bei hohen Reisegeschwindigkeiten nur sehr gedämpft in den Innenraum. Der 530d ist dabei besonders sanft und leise, gleichzeitig weiß man bei diesem Motor immer um seine Unmengen an Kraftreserven. Der Dreiliter-Reihensechszylinder des 530d leistet jetzt 286 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 650 Newtonmeter, das bereits ab 1.500 Umdrehungen anliegt. Derart stark motorisiert, beschleunigt der Premium-Kombi in 5,6 Sekunden auf Tempo 100. Die bewährte 8-Gang-Automatik von ZF leistet sich beim Vorschub keine Fehler und arbeitet wunderbar mit dem kraftvollen Aggregat zusammen. Der 530d zeigt sein Potenzial, wenn ich schnell unterwegs bin. Und ist unglaublich entspannend, wenn ich es ruhig angehen lasse. 


Zwei echte Rohre am heck und ein von "göttlicher Musik" untermalter, kraftvoller Durchzug: Der 530d auf der Landstraße.


Aufgrund steuerlicher Vorteile für Plug-ins und der Umweltprämie für die E-Autos hat der Diesel heute einen schweren Stand. Was aber die Laufkultur des Motors und das Fahren als Genuss angeht, hat sich nichts geändert: Ein Reihensechszylinder-Diesel vermittelt dir absolute, kultivierte Kraft. Er ist zivilisiert, erhaben, stark und gleichzeitig effizient. Ein solcher Motor klingt nie angestrengt und ist jeder Aufgabe gewachsen. Das wirkt beruhigend. Vierzylinder kennt man da teilweise ganz anders. Wir kommen hier aber wieder zum Thema "Geschmackssache". Ganz nüchtern gesehen ist die Reichweite eines Diesels aktuell noch immer unschlagbar. Und Fakt bleibt auch: Der Sound eines Sechszylinders betört noch immer die Herzen vieler Autofans. Und ist als Diesel im Alltag effizient zu bewegen.


Dabei hat der 530d fast schon zu viel Power. Vernunft ist hier nicht der Kaufgrund. Viel eher stellt er eine perfekte Kombination aus Fahrmaschine und Sparpotenzial dar. Er kann die beiden, im Interessenten arbeitenden Gemüter den Motoren-Liebhaber und den Geizkragen versöhnen. 


Wem der Motorsound weniger wichtig ist und wer keinen inneren Tempel für Sechszylindermotoren pflegt (im Gegensatz zum mir), der kann auch zum 520d greifen. Denn der ist ebenfalls als Kombi satte 6.100 Euro günstiger. Womit wir zu den Preisen kommen. 



BMW 5er Touring (G31) als Diesel: Meine persönliche Mini-Kaufberatung


Der Basispreis für den 5er liegt heute bei 50.700 Euro für den 520i als Limousine. Wohlgemerkt ist das heutzutage ein Vierzylinder. Den Touring gibt’s ab 52.900 Euro und der von uns getestete 530d xDrive Touring kostet mindestens 64.300 Euro. Der Aufpreis des Allradantriebs liegt also gegenüber dem 530d Touring (61.700 Euro) bei 2.600 Euro. Unser Testwagen ist so voll gepackt, dass er mit seiner Konfiguration bei knapp über 91.000 Euro landet. Stellt sich also die Frage: Was brauche ich wirklich? 


Was ist immer an Bord? 


  • 17-Zoll-Alufelgen
  • Leder-Sportlenkrad
  • elektrische Sitzverstellung
  • Fahrmodiauswahl (Comfort, Eco Pro, Sport)
  • LED-Scheinwerfer
  • Klimaautomatik
  • Schlüsselloser Motorstart
  • 10,25-Zoll-Infotainment-Screen mit Navigation
  • kabellose Smartphone-Integration



17-Zoll-Alufelgen, also bitte. Da kriegt man von den KollegInnen doch nur hämische Kommentare. Das muss an einem 5er anders. Allerdings, die fetten 20-Zöller lässt sich BMW mit 4.200 Euro Euro bezahlen. Autsch. Dann doch lieber Aftermarket. 

Ähnliches gilt für die zugegebenermaßen unfassbar guten Sitze. Die gibt’s nämlich nur zusammen mit der Lederausstattung für mindestens 2.150 Euro. So kostet die edle Kombination 4.450 Euro. Als Alternative bietet sich hier das Sensatec-Kunstleder (800 Euro) mit den M-Sportsitzen (650 Euro) an. Eine attraktive "Sport- und Sparversion", wenn man so will. 



BMW 530d xDrive Touring: M-Sportfahrwerk für nur 450 Euro


Apropos sportlich. Das M-Sportfahrwerk für den 5er kostet lediglich 450 Euro. Ein echter Schnapper im Vergleich zu den adaptiven Dämpfern (1.100 Euro) oder gar dem ausgeklügeltem “Adaptive-Drive”-Fahrwerk, das mit 3.350 Euro zu Buche schlägt. Stellt sich noch die Frage: Aktivlenkung ja oder nein? Definitiv eine coole Sache, wie die Hinterachse mitlenkt und für das gewisse Extra an Wendigkeit sorgt. Kostet aber auch 1.250 Euro. Ob man die unbedingt ausgeben will? Wie oft werde ich meinen Familienkombi so sportlich bewegen? Ich erfreue mich mehr an seinen Langstreckenqualitäten sowie dem allgemeinen Luxus & Komfort. In meiner Konfiguration bleibt sie weg,


Das neue Laserlicht lässt sich BMW im Innovations-Paket samt Komfortzugang und Head-up-Display 4.700 Euro kosten. Adaptive Matrix-LED-Scheinwerfer, die den Gegenverkehr automatisch ausblenden, gibt's hingegen schon für 1.000 Euro. Empfehlung! 


Was immer dabei sein sollte: eine der nützlichsten Erfindungen der letzten Jahre das Head-up-Display. Bei BMW ist es besonders groß und besonders gut. Der Kopf bleibt oben, die Bedienung von Radiostationen und Medien via der Lenkradtasten funktioniert hervorragend. 1.250 Euro, die man in die Hand nehmen sollte. 



BMW 530d XDrive Touring: Meine Tipps für die Aufpreisliste


Lass' ich weg:

  • Ledersitze + Komfortsitze (4.450 Euro)
  • Laserlicht (4.700 Euro im Paket)
  • Aktivlenkung (1.250 Euro)
  • Adaptives Fahrwerk (1.200 Euro) / Adaptive Drive (3.350 Euro)



Gönn' ich mir: 

  • Kunstleder + M-Sportsitze (1.450 Euro)
  • M-Lederlenkrad (200 Euro)
  • M-Sportfahrwerk (450 Euro)
  • Head-up-Display (1.250 Euro)
  • Adaptive Scheinwerfer (1.000 Euro)
  • M-Dachimmel-Anthrazit (400 Euro; sieht einfach besser aus!)
  • Sonnenschutzverglasung (460 Euro; nicht teurer als im Aftermarket und für meine Augen ein Muss in Sachen Optik)


So konfiguriert, steht da am Ende ein schmucker 530d Touring ohne xDrive für 67.310 Euro. Nicht ins Aufgebot geschafft haben es folgende, für manche(n) dennoch nützliche Optionen:  Lenkradheizung (300 Euro), Massageoption vorn (1.100 Euro), Komfortzugang (900 Euro) oder ein Panorama-Glasdach (1.700 Euro) für mehr Licht im Innenraum. Ein letzter, heißer Tipp für alle, die es sportlich mögen: Für 550 Euro bringt die “M Hochglanz Shadow Line” viele schwarze Elemente ans Exterieur. Das sieht hübsch aus und ist allemal günstiger als das M Sportpaket, das gleich 5.600 Euro teurer ist als die Basisvariante



BMW 530d xDrive Touring: Verbrauch


Bei einer kleinen Testrunde lassen Kollege Attila Langhammer und ich den 530d im Verbrauchsvergleich gegen den Plug-in-Hybriden 520e antreten. Zugegeben, ein unfairer Vergleich, da der 520e mit seinen 204 PS eher ein Konkurrent des 520d ist. Am Ende tanke ich nach 102 Kilometern 7,1 Liter nach. Auf 100 Kilometer gerechnet sind das summa summarum noch ganz knapp unter sieben Litern.


Wir haben gut lachen: Kollege Attila Langhammer (rechts) und ich beim Fachsimpeln nach der Vebrauchsrunde .


Dabei ist zu bedenken, dass wir auf der Bahn für rund 2-3 Kilometer einmal ordentlich gesprintet sind. Mittlere Verbräuche mit einer sechs vor dem Komma sind bei genügsamer Fahrweise drin. Wie der 520e im Vergleich abgeschnitten hat, lest ihr hier: BMW G30 520e: Auch der dickste Fünfer kann noch flitzen.

Wer lieber das Video anschaut, bitteschön: Diesel vs PHEV: BMWs Schwergewichte 520e und 530d im Trinkduell.



BMW 530d xDrive Touring: Fazit


Alles, was kein SUV oder Crossover ist, hat es aktuell nicht einfach. Als Selbstzünder schon doppelt nicht. Die Kombination von Kombi und dem effizienten Kraftstoff jedoch – sie gehört zu den praktischsten Alltagsbegleitern, die man fahren kann. Einen 5er muss man sich leisten können. Noch dazu einen mit sechs Töpfen, in denen Diesel zündelt. Wer allerdings einen hohen Anspruch an Fahrkultur hat, liegt hier nach wie vor goldrichtig.



BMW 530d xDrive Touring: Technische Daten

 

Fünftürer, fünfsitziger Kombi mit Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.963 mm/1.868 mm/1.498 mm

Radstand: 2.975 mm  

Motor: 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbodiesel, 210 kW/286 PS bei 4.000 U/min, maximales Drehmoment: 650 Newtonmeter bei 1.500 – 2.500 U/min

Motorposition: Frontmotor, längs verbaut

Getriebe: 8-Gang-Automatikgetriebe

Leergewicht: 2.000 Kilogramm

0-100 km/h: 5,6 s

Vmax: 250 km/h

Durchschnittsverbrauch (WLTP): 6,5-5,9 l/100 km

CO2-Ausstoß (WLTP): 169-151 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Effizienzklasse: A/A+

Tankinhalt: 66 Liter

Kofferraumvolumen: 560 bis 1.700 Liter

Zuladung: 685 Kilogramm

Anhängelast gebremst/ungebremst: 2000/750 Kilogramm

Stützlast: 90 Kilogramm

Preis: ab 64.300 Euro


Arne Roller

18 Okt. 2021