Brennstoffzelle: Unter Dampf

Noch gibt es nicht viele Autos, die Wasserstoff tanken. Doch das ändert sich schon bald.

Eigentlich fast schon abgeschrieben, ist aktuell in der Autobranche wieder Auftrieb für das Thema Wasserstoff zu vernehmen. Zwar beharrt Herbert Diess, Chef von Europas größtem Autobauer Volkswagen, auf dem Standpunkt, Wasserstoff gehöre nicht ins Auto. Aber das sieht mancher Wettbewerber anders. Der aktuell weltgrößte Autohersteller Toyota zum Beispiel. Auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm empfiehlt im Interview mit der dpa den deutschen Herstellern nicht nur ausschließlich auf Batteriefahrzeuge, sondern auch auf Wasserstoff bzw. auf die Brennstoffzelle zu setzen.


Die Verbände ziehen mit einem Plädoyer für Wasserstoff an die Regierenden nach. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA), der Automobilclub ADAC und der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) fordern in einem Positionspapier eine Mindestquote für den Antrieb festzuschreiben. „Allein mit der Elektromobilität können wir die klimaneutrale Mobilität der Zukunft nicht erreichen. Den anderen Teil müssen der Einsatz erneuerbarer grüner Kraftstoffe und die Wasserstofftechnologie beitragen“, sagt ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk.


Das bislang magere Angebot hat zwei Gründe: Zum einen ist die Technik noch sehr teuer. Doch ziehen Hyundai, Geely oder Toyota ihre Volumenansagen von mehreren Hunderttausenden jährlich durch, wird die Brennstoffzelle massentauglich. Die Preise würden unweigerlich sinken. Zum anderen steckt die Infrastruktur noch in den Kinderschuhen. Laut ADAC soll es hierzulande bis Ende des Jahres 130 Wasserstofftankstellen geben, immerhin. Doch in den Nachbarländern bewegt sich deren Anzahl mitunter im einstelligen Bereich. Beispiel Frankreich: drei gibt es in Paris, zwei weitere tief im Süden – das war’s.


Auf dem europäischen Markt sind aktuell nur zwei Autos zu haben, die Wasserstoff tanken (und damit per Elektrolyse durch eine Brennstoffzelle elektrische Energie erzeugen): der Mirai von Toyota und der Nexo von Hyundai (im Bild / Quelle: Hyundai). Ein Bestseller ist keiner der beiden. Hyundai verkaufte von seinem Brennstoffzellen-SUV letztes Jahr europaweit nur 1000 Exemplare. Allerdings wird das Angebot schon bald Zeit größer. Bis Ende des Jahres will Renault drei Brennstoffzellenfahrzeuge im Segment der leichten Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen. Ab kommendem Jahr will BMW den X5 Hydrogen anbieten.


Doch was ist mit den Fahrzeugen, die mit traditionellen Antrieben auf der Straße fahren? Lassen die sich umrüsten? Toyota sucht nach einer Lösung: Bei den Japanern laufen Versuche, bei Verbrennern kein Benzin einzuspeisen, sondern Wasserstoff. „Wir denken, dass die Umrüstung bestehender Automotoren auf Wasserstoff, ein mächtiges Werkzeug im Streben nach CO2-Neutralität darstellt“, sagte Toyota-Entwickler Naoak Ito jüngst gegenüber dem „Stern“. Man kann ihm nur zustimmen.


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