C-Klasse im Rückspiegel: vom Baby-Benz zur Baureihe 205

Mathias Keiber

24 Feb. 2021

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Die C-Klasse steht bei Mercedes-Benz für die Mittelklasse und die gibt es bei der Marke mit dem Stern seit 1982. Damals hoben die Stuttgarter den „Baby-Benz“ aus der Taufe, der intern W 201 hieß und extern offiziell als Mercedes-Benz 190 vermarktet wurde. Diese Woche hieß es Vorhang auf für die C-Klasse der Baureihe W 206. Wir blicken zurück auf die fünf Generationen davor.

Baureihe 201: der Baby-Benz


Man kennt das ja von den deutschen Premium-Platzhirschen: Wenn einer was Neues macht, zieht ein anderer nach. So ist das auch 1982, als Mercedes seine Reaktion auf den BMW 3er auf den Markt bringt. Doch ist das Modell weit mehr als eine Reaktion, es ist auch Innovation: Zum Beispiel ist der W 201 der erste Mercedes mit Raumlenker-Hinterachse. Statt zwei übereinanderliegenden Dreieckslenkern hat diese pro Rad fünf Lenker. Der Clou dabei: Die Räder rollen immer senkrecht auf der Fahrbahn. Entwickler der „Stängelesachse“ genannten Konstruktion ist Manfred von der Ohe.


Auch beim Design geht Mercedes neue Wege, insbesondere mit dem kurzen, hohen und nach innen abfallenden Heck. Chrom gibt’s erstmals nur am Kühlergrill. Ein Höhepunkt der Modellpflege 1988 ist der 190 E 2.5-16 mit 195 PS. Er dient auch als Basis für erfolgreiche DTM-Rennwagen.

Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution II der Baureihe W 201 mit 173 kW (235 PS) Leistung (Produktionszeitraum 1990). (Fotos: Mercedes-Benz)


Heutzutage bezeichnet man die C-Klasse gerne als kleine S-Klasse, da sie gewisse Design-Elemente vom Flaggschiff übernimmt. Damals ist es umgekehrt: Elemente des W 201 finden sich nicht nur in der oberen Mittelklasse wieder (W 124, ab 1984), sondern auch in der Oberklasse (W 140, ab 1991).


Nach anfänglichen Startschwierigkeiten verkauft sich der Baby-Benz wie geschnitten Brot: Bis August 1993 fahren mehr als 1,8 Millionen Exemplare vom Band – noch heute sieht man sie regelmäßig im Straßenverkehr. In der Tat ist das Design damals so erfolgreich, dass Mercedes es für den Nachfolger in Grundzügen übernimmt.


Baureihe 202: Der Baby-Benz wird mit T-Modell erwachsen

Mercedes-Benz C-Klasse Limousine der Baureihe 202 (Produktionszeitraum 1993 bis 2000).


Der 1993 vorgestellte W 202 ist die erste C-Klasse, die Mercedes auch unter diesem Namen vermarktet. Was vom W 201 bleibt, sind nicht nur weite Teile des Außendesigns, sondern auch die bewährte Stängeleachse. Neues gibt’s an der Vorderachse: Eine sogenannte „Doppelquerlenkerradaufhängung“ mit voneinander getrennten Stoßdämpfern und Federn kommt zum Einsatz. Sie sorgt für mehr Abrollkomfort, da der Stoßdämpfer nicht die Feder führen und keine Biegemomente übertragen muss.


Ansonsten bietet die C-Klasse bei ähnlichem Design und Abmessungen innen mehr Raum und Komfort als der Baby-Benz. Serienmäßig lassen sich etwa die anatomisch angepassten Vordersitze längs und in der Höhe verstellen. Die vorderen Kopfstützen haben ihre Schwenkachse oben – was Fahrer-Nacken insbesondere nach langen Strecken zu schätzen wissen.

Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell der Baureihe 202 (Produktionszeitraum 1996 bis 2001).


Die augenscheinlichste Neuerung ist jedoch, dass Mercedes ab 1996 eine Kombiversion der C-Klasse anbietet – oder, wie man in Stuttgart sagt, ein T-Modell (S 202). Ein Paukenschlag ist ebenfalls 1997 das Debüt des C 220 CDI, dem ersten Mercedes mit Direkteinspritzer-Dieselmotor nach Common-Rail-Prinzip. Spitzenmodell ist ab September 1993 der C 36 AMG mit 280 PS. 1997 folgt der 306 PS starke C 43 AMG als erste C-Klasse mit V8-Motor. Ihn übertrifft bereits im folgenden Jahr der C 55 AMG mit 347 PS. Bis 2001 baut Mercedes insgesamt 1.626.383 Limousinen und 243.871 T-Modelle der Baureihe 202.

Mercedes-Benz C 43 AMG Limousine der Baureihe 202 mit 225 kW (306 PS) Leistung (Produktionszeitraum 1997 bis 2000).


Baureihe 203: Vier-Augen-Gesicht und Rost


Mit der dritten Generation expandiert die Mercedes-Mittelklasse zum neuen Jahrtausend um eine weitere Variante: Zu Limousine und T-Modell gesellt sich ein dreitüriges Sportcoupé mit Zentralstern in der Kühlermaske und Heckspoiler. Besonders auffallend – und nicht minder umstritten – ist bei allen Varianten das Vier-Augen-Gesicht. Zu den Innovationen gehören Windowbags, Multifunktionslenkrad, Zentraldisplay und die Dreilenker-Vorderachse. Die Limousine glänzt obendrein mit einem Luftwiderstandsbeiwert von cW = 0,26, was der aerodynamischen Champions League entspricht.

Mercedes-Benz C 270 CDI T-Modell der Baureihe 203 (Produktionszeitraum 2001 bis 2005), Ausstattungslinie Elegance.


Allerdings macht die Baureihe die gleichen Negativschlagzeilen wie zuvor schon die E-Klasse der Baureihe 210: Rost. Insbesondere Exemplare der ersten Produktionsjahre sind von Korrosion an den Türen, Radläufen, Motorhaube und Kofferraum betroffen. Nichtsdestoweniger übertraf die Baureihe 203 absatzmäßig beide ihrer Vorgänger: 2006 lief der zweimillionste 203er vom Band.


Von 2000 bis 2007 produziert Mercedes-Benz von der Baureihe 203 insgesamt 1.529.921 Limousinen (W 203) und 373.873 T-Modelle (S 203), bis 2008 zudem rund 310.709 Sportcoupés (CL 203). Der Zweitürer ist bei jungen Zielgruppen und Mercedes-Benz Neukunden besonders erfolgreich. Er läuft nach einer umfassenden Überarbeitung als CLC-Klasse bis 2010 weiter.

Mercedes-Benz C-Klasse Sportcoupé der Baureihe 203 (Produktionszeitraum 2000 bis 2011 – ab 2008 als CLC).


Topmodell ist ab Frühjahr 2001 der C 32 AMG mit 354 PS und Kompressor-V6-Motor. 2004 erscheint die modellgepflegte Baureihe 203. Zu den neuen Motorisierungen gehört der C 55 AMG mit 367 PS als erstes Achtzylindermodell der Baureihe. 2005 folgt der erste V6-Motor mit vierfacher Nockenwellenverstellung von Mercedes-Benz in drei Leistungsvarianten.


Baureihen 204 und 205: in die Moderne


Die C-Klasse der Baureihe 204 hat im Januar 2007 Premiere. Auf die Limousine folgt im Herbst 2007 das T-Modell. Ein verkürztes Coupé auf gleicher Basis wie beim Vorgänger gibt es nicht mehr. Im Juni 2011 kommt jedoch ein neues Coupé, das nun etwa gleich groß wie die Limousine ist.

Mercedes-Benz C-Klasse Coupé der Baureihe 204 (Produktionszeitraum 2011 bis 2015).


Die C-Klasse der Baureihe 204 führt einige technische Neuerungen ein, wie ein neues „Linguatronic“-System, das ganze Sätze verstehen soll – wobei die Betonung auf soll liegt, denn Sprachsteuerung ist 2007 noch nicht ausgereift. Das optionale Bedien- und Anzeigesystem „Comand APS NTG 4“ gibt es erstmals mit großem Bildschirm. Bei Aktivierung fährt es elektrisch aus dem oberen Teil der Mittelkonsole heraus.

Mercedes-Benz C-Klasse Limousine der Baureihe 204 (Produktionszeit 2007 bis 2014), Ausstattungslinie Elegance.


Erstmals bietet Mercedes-Benz zwei Fahrzeuggesichter: Die Ausstattungslinie „Avantgarde“ mit mittig im Kühlergrill platzierten Mercedes-Stern ist sportlicher ausgerichtet, „Elegance“ und „Classic“ tragen den Stern auf der Motorhaube.


Ab 2007 ist der C 63 AMG mit 457 PS und V8-Motor das Topmodell. 2008 erscheint der C 350 CGI Blue Efficiency mit weltweit erstem Benzinmotor mit strahlgeführter Direkteinspritzung. Ein Highlight ist das Mitte 2011 präsentierte Coupé C 63 AMG Black Series mit 517 PS. Für Limousine und T-Modell ist die C 63 AMG Edition 507 mit 507 PS ab 2013 die leistungsstärkste C-Klasse.


Wiederum übertrifft die Baureihe 204 die Vorgängergeneration beim Absatz: Von der Baureihe 204 werden bis Ende 2013 in den Werken Sindelfingen, Bremen, East London (Südafrika) und Peking insgesamt 2.417.117 Fahrzeuge produziert. Darunter sind 1.836.349 Limousinen, 429.939 T-Modelle und 150.829 Coupés.

Mercedes-Benz C 300 Bluetec Hybrid T-Modell und C 250 Bluetec T-Modell der Baureihe 205 (Produktionszeitraum ab 2014).


Im Januar 2014 hat die Mercedes-Benz C-Klasse der Baureihe 205 Premiere, zunächst als Limousine. Weiteren Karosserievarianten erscheinen in dichter Folge: das T-Modell im Mai 2014, die Langversion der Limousine für China im August 2014, das Coupé im August 2015 und erstmals ein Cabriolet im Februar 2016.


Ultrahochfeste Stähle und Aluminiumstrangpressprofile machen die Karosseriestruktur der Limousine um 50 Kilogramm leichter als bei reiner Stahlbauweise.


Im März 2018 wurde eine ungewöhnlich umfangreiche Modellpflege – mit 6.500 Teilen wurden über 50 Prozent aller Teile geändert oder ausgetauscht. Bis zur Präsentation des Nachfolgemodells als Limousine und Kombi im Februar 2021 wurden 2,5 Millionen Fahrzeuge dieses Typs hergestellt.


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Mathias Keiber

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