CEO Alliance: Ladestrom für E-Autos künftig kostenlos?

Mathias Keiber

19 Apr. 2021

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Der CEO von Volkswagen übt den Schulterschluss mit anderen europäischen Konzernchefs. Ziel des Top-Manager-Bündnisses: Den Green Deal der EU puschen – und die EU selbst.

Elektroautos sind europaweit immer gefragter, doch mangelt es landein landaus an Ladeinfrastruktur und obendrein an grün produziertem Strom. Ob eine städtische Ladesäule funktioniert, ist nicht selten ein Glücksspiel, dazu bedürfen Langstreckenfahrten penibler Vorausplanung. Und wenn der Ladestrom aus Kohlekraft kommt, ist der Umwelt verglichen mit effizienten Verbrennern auch nicht geholfen. Es muss sich also noch einiges ändern. Damit das passiert, haben VW-Chef Herbert Diess und Francesco Starace, CEO des italienischen Stromkonzerns Enel, mit acht weiteren Vorstandsvorsitzenden großer europäischer Unternehmen die sogenannte „CEO Alliance“ ins Leben gerufen.

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns (Foto / Titelfoto: Volkswagen)


„Elektrifizierung ist der einzige Weg, um die CO2-Emissionen beim Auto wirklich nachhaltig nach unten zu bringen. Aber auch in der Energieerzeugung muss sich etwas ändern: Mit Strom aus Kohlekraftwerken werden unsere Autos nicht sauberer, das geht nur mit erneuerbarer Energie.“ Das sagt der VW-Chef im „Handelsblatt“-Interview (Montagsausgabe) zusammen mit Starace.


Der von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ins Leben gerufene „Green Deal“ sei unverzichtbar und eine große Chance für die EU, so Diess. Deshalb wolle die CEO Alliance Brüssel bei der Umsetzung von Großprojekten unterstützen. „Wenn jede Branche ihre eigenen Vorstellungen hat, funktioniert das nicht“, meint der VW-Chef.


Ein Ansatz für effektive Kooperation zwischen Auto- und Energie-Industrie ist die Nutzung von Elektroautos als Zwischenspeicher von überschüssigem Strom im Netz – was das Netz stabiler macht. Vor diesem Hintergrund frohlockt Diess auch: „Strom für das Autofahren gibt es künftig vielleicht sogar kostenlos, weil der Besitzer mit der Stromspeicherung einen viel größeren Nutzen erzeugt.“

Francesco Starace, Chef des italienischen Energiekonzerns Enel. (Foto: Enel)


Um solche Ziele zu erreichen, liegt in der EU jedoch noch einiges im Argen, finanziell wie organisatorisch. Ein Blick über den großen Teich zeigt nach Ansicht von Diess und Starace wie es besser geht: „Wenn ich mir das ambitionierte Klima- und Aufbauprogramm von US-Präsident Biden ansehe, sollte die EU dringend darüber nachdenken, auch ihren eigenen Wiederaufbaufonds aufzustocken“, so Diess. Starace mahnt zudem die „langwierigen bürokratischen Prozesse und Genehmigungsverfahren in der EU“ an. Auch hier seien die Vereinigten Staaten klar im Vorteil.


Volkswagen und Enel arbeiten in Italien und anderen südeuropäischen Ländern an der Vergrößerung des Ladenetzes für Elektroautos. Wie viele Ladestationen die zwei Unternehmen dort bauen und wie viel sie dafür investieren wollen, verraten die Manager jedoch noch nicht. Jedoch lässt Starace durchblicken: Allein in Italien sollen es deutlich mehr als 1000 Ladepunkte sein. Ein weiteres Projekt der deutsch-italienischen Kooperation zielt auf den ÖPNV ab. In zehn europäischen Städten wollen Volkswagen und Enel alte Diesel- gegen neue Elektrobusse austauschen.


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Mathias Keiber

19 Apr. 2021