Studie: Wie Corona unsere Mobilität verändert

Arne Roller

04 Aug. 2021

Ist die Pandemie ein Impuls für neue Wege? Hat sie einen langfristigen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Deutschen? Oder bleibt alles beim Alten? Das Fraunhofer-Institut geht diesen Fragen auf den Grund.

Die Corona-Pandemie hat den Alltag und das Mobilitätsverhalten vieler Menschen stark verändert. Viele Menschen arbeiteten in den Lockdowns und auch heute noch aus dem Home-Office, andere sahen zumindest einen reduzierten Zeitaufwand beim täglichen Pendeln durch den Wegfall täglicher Staus. Urlaub im eigenen Land stand zudem plötzlich hoch im Kurs.


Wie stellt sich die Situation mehr als ein Jahr nach dem Beginn der Corona-Krise dar? Haben die Deutschen ihr Mobilitätsverhalten durch die Lockdowns grundlegend geändert? Sind sie dauerhaft auf nachhaltigere Verkehrsmittel umgestiegen oder planen sie, wieder zu alten Verhaltensmustern zurückzukehren? Mit einer aktuellen Studie setzte sich das Fraunhofer ISI (Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung) mit diesen Fragen auseinander. Dazu befragte das Institut im August 2020 sowie im April 2021 BundesbürgerInnen, wie sich ihr Mobilitätsverhalten (z. B. Dienstreisen, Freizeitwege etc.) und die Wahl der Verkehrsmittel nach den Corona-Beschränkungen ändern würden. Im Fokus der Untersuchung lagen deutsche Großstädte, da der Umstieg auf neue Verkehrsmittel hier besonders leicht fällt und die Potenziale für den Klimaschutz am größten sind.



Faunhofer ISI: Revolution in der Mobilität nicht festzustellen


Das Ergebnis: Die große Mobilitätsrevolution bleibt bisher aus. Im August 2020 lag der Anteil gaben 70% der befragten Personen an, keine Veränderungen ihrer arbeitsbezogenen Mobilität, also bei Fahrten zur Arbeit und Dienstreisen, zu erwarten. Dieser Anteil blieb auch für 2021 konstant. Immerhin planen dieses Jahr 18 Prozent der Befragten, mehr Wege zu Fuß zurückzulegen und mit dem Rad zu fahren.


Trotz einiger Bündelungserscheinungen, sowohl privat auch als im Beruf (Home-Office, Video-Konferenzen und die stärkere Nutzung von Naherholungsmöglichkeiten), scheinen die Menschen Nachholbedarf zu haben und planen, nach der Pandemie sogar noch mobiler zu sein als zuvor: Im April 2021 stehen den knapp 12 Prozent der Befragten, die in Zukunft weniger mobil sein möchten, 38 Prozent an Befragten gegenüber, die nun stärker mobil sein möchten.


Dr. Johannes Schuler, der am Fraunhofer ISI unter anderem zu Mobilitätsfragen forscht, äußert sich wie folgt zur Befragung:


"Bestand kurz nach Beginn der Krise noch vielerorts die Hoffnung, dass Corona unsere Mobilität in Deutschland grundlegend verändern könnte, so zeigen unsere Ergebnisse, dass diese Erwartungen vielleicht doch zu optimistisch waren. Die Einschätzungen der Befragten hinsichtlich ihres geplanten zukünftigen Verhaltens nach der Pandemie sind ohnehin optimistisch. Wenn bereits jetzt während der Pandemie so viele Menschen angeben, wieder zu alten Mustern zurückkehren zu wollen, ist das kein gutes Zeichen für die Mobilitätswende. Es wird weiter strenge Push-out-Maßnahmen brauchen, um die Mobilität in Großstädten zu verändern."


Laut Schuler haben viele Menschen vor allem Ausflüge und Fernreisen während der Pandemie vermisst. Immerhin 38 Prozent der Befragten gaben ein Jahr nach Beginn der Pandemie an, dass Mobilität sie einfach glücklich macht.

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Arne Roller

04 Aug. 2021