Crash-Labor von Volvo feiert Zwanzigsten

Mathias Keiber

07 Dez. 2020

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Zu Sicherheitszwecken lässt Volvo täglich einen Neuwagen an die Wand fahren.

Weit über 7.000 Volvos sind hier schon kaputt gemacht worden. Denn im Durchschnitt wird hier jeden Tag mindestens ein nagelneuer Volvo gecrasht. Doch wo ist „hier“? Gemeint ist das Crash-Labor des Volvo Cars Safety Centres, das diesen Dezember 20-jähriges Bestehen feiert. Eröffnet wurde es im Jahr 2000 in Anwesenheit des schwedischen Königs Carl Gustaf XVI.


Das Crash-Labor des Safety Centre am Firmenstammsitz in Göteborg-Torslanda spielt eine ganz wesentliche Rolle dabei, „dass künftig niemand mehr in einem neuen Volvo bei einem Unfall getötet oder schwer verletzt wird“, heißt es vom Unternehmen zum Jubiläum.


„Beim Thema Sicherheit geht es für uns nicht darum, einen Test zu bestehen oder eine bestimmte Bewertung zu erhalten“, sagt Thomas Broberg, der seit zwei Jahrzehnten für Volvo arbeitet und einer der führenden Sicherheitsingenieure des Unternehmens ist. „Wir wollen herausfinden, wie und warum Unfälle und Verletzungen passieren, um sie in Zukunft mit Hilfe technischer Lösungen zu verhindern.“


Das Crash-Labor ist eine multifunktionale Einrichtung, in der zahlreiche Verkehrs- und Unfallsituationen nachgestellt und Tests durchgeführt werden. Im Labor befinden sich zwei baulich voll geschlossene Testbahnen mit 108 beziehungsweise 154 Metern Länge. Die kürzere ist beweglich und kann – ausgehend von der Haupt-Crashhalle – zwischen null und 90 Grad verschoben werden, um Unfälle bei verschiedenen Winkeln und Geschwindigkeiten sowie Zusammenstöße zwischen zwei fahrenden Fahrzeugen zu simulieren. Fahrzeuge können mit Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h gecrasht werden. Das sind nur 60km/h weniger als die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h, mit der alle neuen Volvo-Modelle seit kurzem ab Werk ausgeliefert werden.


Überschlagtests und Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn werden auf dem Außengelände simuliert; dabei werden Autos aus einer der Crashbahnen heraus ins Freie beschleunigt und mit hohem Tempo in einen Graben gesteuert. Zudem bietet Volvo hier Rettungsdiensten die Möglichkeit, lebensrettende Maßnahmen zu erproben: Vor kurzem ließ das Unternehmen beispielsweise neue Fahrzeuge von einem Kran aus 30 Metern Höhe in die Tiefe stürzen, um Schäden zu simulieren, die bei besonders schweren Unfällen verursacht werden.


In der Crash-Haupthalle wird eine 850 Tonnen schwere Crashbarriere, die sich bei Bedarf mit Hilfe von Luftkissen verschieben lässt, für Front-, Heck- und Seitenkollisionen genutzt. Zusätzlich gibt es rund zwei Dutzend weitere feste und bewegliche Hindernisse, darunter eine Elch-artige Struktur, um Kollisionen mit großen Tieren zu simulieren – und in Schweden begegnet man ja durchaus dem ein oder anderen Elch.



Das gesamte Unfallgeschehen wird mit Sensoren an Auto, Crash-Test-Dummys und Hindernissen erfasst und kann im Detail nachvollzogen werden. Zudem wird der Crashtest von Dutzenden ultrahochauflösenden Kameras aus allen Blickwinkeln gefilmt, einschließlich Kameras, die in einem Schacht unterhalb der Crashbarriere untergebracht sind und durch dicke Glasscheiben den Crash filmen. Hinzu kommen die Ergebnisse aus Tausenden von Computer-simulierten Tests, die das jeweilige Fahrzeugmodell bereits vor einem physischen Crashtest absolviert hat. Alle dabei gewonnenen Daten werden dann von Ingenieuren für die Entwicklung sichererer Fahrzeuge genutzt.


„Welches Unfallszenario auch immer, hier im Volvo Cars Safety Centre können wir es reproduzieren und im Detail analysieren“, sagt Thomas Broberg. „Mich beeindruckt es ganz besonders, dass wir mit jeder Stunde, die wir mit dem Testen und Analysieren verbringen, unserem Ziel näherkommen, dass niemand mehr in einem neuen Volvo getötet oder schwer verletzt wird.“


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Mathias Keiber

07 Dez. 2020