Fahrbericht Cupra Born: Volkswagens MEB in Cool

Attila Langhammer

05 Nov. 2021

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Der Cupra Born ist das erste Elektroauto von Seat und natürlich stammt die Technik von der Konzernmutter Volkswagen. So weit so gut – so langweilig? Zum Glück nicht. Denn der spanische Technikzwilling des VW ID.3 tut viel um sein Verwandtschaftsverhältnis zu verschleiern – insbesondere auf der dynamischen Seite

Die Marke Cupra wurde vor drei Jahre von Seat gegründet. Unter dem neuen Label verkauft Seat die eigenen Fahrzeuge mit hochwertigerer Ausstattung, stärkeren Motoren oder als Performance-Varianten – das erste eigene Cupra-Modell ist das 300-PS-SUV Formentor (Fahrbericht) und jetzt wird unter dem Logo der stilisierten Kupferpfeilspitze das erste spanische Elektroauto der Gegenwart angeboten: den Cupra Born.

Die Familienzugehörigkeit ist festgestellt – somit ist auch klar, das der Born nur auf das zugreifen, was Volkswagens Modularer Elektrobaukasten (MEB) hergibt. Und das ist im Kompaktsegment ein permanenterregter Synchronmotor mit 310 Newtonmeter Drehmoment und 110 oder 150 kW Leistung, verblockt mit einem Einganggetriebe und eingebaut vor der angetriebenen Hinterachse. Auch die Batteriepacks mit Kapazitäten von 45, 58 oder 77 kWh sind bekannt. Aber beim Zusammenbau des Born macht Cupra trotzdem einiges anders und vieles besser.


Hinterradantrieb - ESP = Powerslide + :-)


Um den generell bestehenden dynamischeren Anspruch gegenüber VW geltend zu machen, liegt der Cupra Born an der Vorderachse 15, an der Hinterachse zehn Millimeter tiefer als der ID.3. Und trotz des ohnehin tiefen Schwerpunkt fühlt er sich so beim zügigen Kurven tatsächlich noch einen Hauch verbindlicher an. Außerdem darf der Born ab Werk auch auf Reifen in 235er Breite rumstromern – wenn Du Dich für diesen Radsatz entscheidest, kannst Du das ESP vollständig deaktiveren. So geriert sich der Hinterradantrieb spürbar dynamischer, ohne allerdings aus dem Born ein Driftcar zu machen; höchstens auf losem oder nassem Grund kannst Du echte Hecklenkabenteuer mit ihm erleben. Zu erkennen sind die breiter bereiften Born-Modelle übrigens an den kleinen Kunststoff-Flaps an allen vier Radläufen.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem ID.3 wird die ab 2022 verfügbare E-Boost-Option sein. Mit diesem Extra stehen Dir im 150-kW-Born bei ausreichender Restkapazität der Batterie und passendem Temperaturfenster für maximal 30 Sekunden 170 kW zur Verfügung. In Verbindung mit der 58-kW-Batterie sprintet der E-Spanier so in 6,6 Sekunden von Null auf Hundert. Ohne den Extraschub sprintet das Modell – das bisher als einziges ab 37.220 Euro in der Preisliste steht – in 7,3 Sekunden auf Tempo Einhundert.

Gemein ist allen Leistungsstufen der E-Auto-typische ruhige Fahreindruck und dank des Hinterradantriebs bleibt das Lenkrad frei von Krafteinflüssen. Die serienmäßige Progressivlenkung, bei der mit zunehmender Geschwindigkeit die elektromechanische Servounterstützung reduziert wird, wirkt für meinen Geschmack etwas zu fest und schluckt in Anbetracht des sportlichen Gesamtanspruchs reichlich Rückmeldung. Trotzdem lässt sich der Cupra zielgenau und fahrspaßig dirigieren.


Saft verbrauchen, Strom tanken


Auf dieser ersten Fahrt mit dem 170-kW-Born, die keinerlei Anspruch an eine Verbrauchsrunde stellt, hat der Bordcomputer einen Durchschnitt von rund 18 kWh angezeigt, beim Rollen auf der spanischen Autobahn um 120 km/h lag der Momentankonsum bei etwa 13 kWh. Cupra gibt für die 150-kW-Variante einen kombinierten Verbrauch von mindestens 15,5 kWh an. Eine 100-Prozent-Ladung mit elf kW Wechselstrom soll für den 58-kW-Akku 6,25 Stunden und beim 77-kW-Akku 7,5 Stunden dauern. Am Gleichstromschnelllader liegt die Zeit für eine Aufladung von fünf auf 80 Prozent bei 35 beziehungsweise 38 Minuten, ab 2022 soll es für den großen Akku optional auch die Möglichkeit zum Strom tanken mit 170 kW geben. Der 45-kW-Akku braucht bei 110 kW 30 Minuten für die 75-prozentige Aufladung, am Wechselstromanschluss lädt er höchstens mit 7,2 kW – für 100 Prozent braucht er 6,75 Stunden.


Ein Blick in den Innenraum


Auch im Innenraum zeigt sich der Cupra-Faktor, denn was Seats Premiumableger hier auffährt, stellt den ziemlich billig wirkdenden ID.3 von VW locker in den Schatten. Alles wirkt hier deutlich feiner, obwohl der Aufbau des Innenraums strukturell klar an den ID.3 erinnert. Aber mit den petrolblauen Bezügen und den kupferfarbenen Akzenten macht er deutlich mehr her. Dazu sitzt Du im Born serienmäßig auf Integralsportsitzen, die zudem mit Seaqual bezogen sind – einer nachhaltigen Kunstfaser die aus recyceltem Meeresplastik gewonnen wird. Optional stehen auch Sitze aus der Ökofaser Dinamica (1710 Euro) zur Wahl.

Das Raumangebot ist quasi mit dem des ID.3 identisch. Allerdings wirkt der Fahrersitz hier leicht hockerartig, unsportiv. Die Sitzhöhe der Fondbank ist höher als in der ersten Reihe, trotzdem bleibt unterm Dach für mich mit 1,86 Meter ausreichend Platz. Erst in dem Modell mit Panoramadach (990 Euro) und entsprechendem Hilfsrahmen wird die Luft überm Scheitel dünn. Der Kofferraum fast identische 385 Liter.

Das Urteil zum Cupra Born

Der Cupra Born ist der bessere ID.3. Er macht mehr Spaß, er ist besser und wertiger ausgestattet, er ist mutiger gedacht – und er zeigt, was so alles in Volkswagens MEB drin steckt.


(Fotos: Cupra)

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Attila Langhammer

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