Der Röhrl und die Turbo-Elfer: Was die Motorsport-Legende über die sieben Generationen der Sportwagen-Ikone denkt

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Der Porsche 911 Turbo ist eine Ikone des Automobilbaus und keiner lenkt den schwäbischen Sportwagen so wie Walter Röhrl, Markenbotschafter der Zuffenhausener und Legende des Motorsports. Im Porsche Experience Center am Hockenheimring ließ er kürzlich sieben Generationen des Topmodells Revue passieren.

Erste Etappe war die Generation 930, produziert von 1974 bis 1989. Seine Begeisterung für das G-Modell konnte Röhrl nicht verbergen. „Der Urvater aller Turbos war eine technische Revolution im Serienautomobilbau. Die erste Variante mit 260 PS und Viergang-Getriebe war in ihrer Leistungsentfaltung noch sehr spitz, aber gerade deshalb für Könner eine wunderbare Herausforderung“, sagte der ehemalige Weltklasse-Fahrer – wobei man sich „ehemalig“ in Röhrls Fall wohl schenken kann, denn Weltklasse ist der mittlerweile 73-Jährige immer noch. Auch optisch sei der 930 ein Traum für ihn gewesen: „Die ausgestellten Kotflügel in Kombination mit den Fuchsfelgen, dazu der große Heckspoiler. Keine vier Jahre nach dem Marktstart habe ich mir 1979 diesen ganz persönlichen Traum erfüllt und meinen ersten eigenen 911 Turbo gekauft.“

Als Nachfolger des G-Modells kam 1989 die Baureihe 964 auf den Markt: „Optisch war er weiterhin wunderschön, die breiten Kotflügel mit den hohen Scheinwerfern und dem mächtigen Flügel“, so Röhrl. Auch habe es in Sachen Sicherheit durch ABS und Servolenkung Fortschritte gegeben. Doch kritisiert Röhrl im Rückblick die „etwas angestaubten“ Motoren der ersten Varianten: „Längsdynamisch war es kein großer Schritt zum Vorgänger, weshalb die frühen Modelle heute eher zu den unbeliebteren Modellen gehören“. Doch Porsche wäre nicht Porsche, hätte es nicht mit dem Turbo 3.6 nachgelegt. „Die 360 PS starke Variante mit dem grundlegend neu konstruierten Motor ist auch heute noch ein Traumauto“, sagte der mehrfache FIA-Fahrerweltmeister.

Mit der Baureihe 993 habe Porsche 1993 dann den „nächsten großen Schritt“ gemacht, erinnerte sich Röhrl an den ersten Allrad-Elfer – und an seine Rolle dabei: „Ich glaube, dass ich hier nicht unwesentlich beteiligt war mit meinem Spruch: ,Ein Auto ohne Allrad ist eine Notlösung.‘“ Die echte Lösung: eine Viscokupplung in Kombination mit neuer Weissach-Hinterachse. Das habe für eine harmonische Kraftentfaltung des Biturbo-Motors gesorgt und den Sportwagen „wunderbar zu fahren und fahrdynamisch kaum zu schlagen“ gemacht.

Doch ließ die nächste Generation nicht lange auf sich warten, der 996 kam 1997. Den gemeinhin nicht ganz so beliebten Porsche mit den „Spiegelei-Augen“ sieht Röhrl natürlich mit ganz anderen Augen: „Mit der neuen Generation kam der nächste Meilenstein in der Entwicklung: die Wasserkühlung. Technisch war das Auto hervorragend, selbst die aus dem Rennsport stammende PCCB Keramikbremsanlage war nun in Serie erhältlich.“ Dass das Modell wegen seiner Scheinwerfer auf vergleichsweise wenig Gegenliebe stößt, hält ein motorsportliches Großkaliber wie Röhrl für „völlig unberechtigt“: „Für mich ist der 996 Turbo gerade auch aus heutiger Sicht vielleicht der Geheimtipp.“ Kein Wunder: der 996 ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt mitunter schon ab 20.000 Euro zu haben ist.

Das nächste Kapitel schlug man in Zuffenhausen 2004 mit dem 997 auf, der in der Version 997.2 Turbo erstmals die 500-PS-Marke durchbrach. Auch sonst zeigte sich Röhrl nach wie vor zufrieden mit der Baureihe: „Ich kann bis heute nichts Negatives finden und sitze immer wieder gerne am Lenkrad eines 997 Turbo. Das Gefühl in der Abstimmung von Lenkung, Fahrwerk und Bremse ist herrlich analog.“

„Back to the roots“ ging Porsche ab 2011 mit der Baureihe 991: „Die nochmals breiteren Kotflügel erinnern fast schon an die Ur-Turbos“, so Röhrl. „Dazu die verfeinerte Kraftverteilung des Allradantriebs, die Einführung der Hinterachslenkung und natürlich die nochmals gestiegene Leistung: Die 991 Turbo-Modelle legen die fahrdynamische Messlatte so hoch, dass man kaum glauben kann, hier noch etwas verbessern zu können. Das Ansprechverhalten, die Balance und dazu die unbändige Kraft der Motoren, es ist ein Wahnsinn.“

Die aktuelle Evolutionsstufe des Elfers stellt der 992 dar. „Hier bin ich ganz ehrlich: Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie man das Erlebnis der vorangegangenen Generation noch steigern wollte. Doch wenn ich heute in Hockenheim mit dem 992 Turbo fahre, dann ist es einfach unglaublich. Er hat noch einmal in so vielen Dimensionen zugelegt, dass es mich fast sprachlos macht. Der 992 Turbo bewegt sich auf Supersportwagenniveau und doch kannst Du jeden ans Lenkrad setzen, ohne Angst zu haben. Es gibt weder Übersteuern noch Untersteuern. Du bist einfach nur unfassbar schnell. Ich ziehe meinen Hut vor der Entwicklungsabteilung, denn die Talente, die das neue Auto vereint, waren noch vor ein paar Jahren schlicht unvorstellbar. Auch für mich.“




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