Die Automacher: Carlos Tavares

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Carlos Tavares schaffte die größte Fusion in der Autoindustrie. Wer ist der Manager im lässigen Look?

Wer Carlos Tavares, Chef des weltweit viertgrößten Autokonzerns Stellantis, am Wochenende treffen will, sollte in der Garage seines Pariser Wohnhauses vorbeischauen. In der Regel schraubt der leidenschaftliche Car Guy dort an einem seiner Oldtimer. Sollte er da nicht anzutreffen sein, findet man ihn sicher auf einer Rennstrecke.


Von Kindesbeinen an brannte der heute 62-Jährige für Autos. Besonders die ganz Schnellen haben es ihm angetan. Man erzählt sich, dass sich der Portugiese schon im Alter von 14 Jahren als Marshall für die Rennstrecke in Estoril beworben hatte. Doch das war nur der Start. Sobald er die Chance hatte, stieg Tavares ins Rennauto ein und fuhr unter anderem die Rallye Monte Carlo oder das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.


Was lag also näher, als dass sich Tavares für eine Karriere in der Autoindustrie entschied? Der Sohn eines Französisch-Lehrers studierte zunächst in Lissabon, dann in Toulouse Ingenieurwissenschaften, bevor er an die renommierte École Centrale Paris wechselte.

Tavares mit der damaligen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, 2017. (Fotos; PSA)


1981 debütierte er in der Autoindustrie und heuerte bei Renault an. Dort arbeitete er bis 2004 unter anderem im Team für den Renault Megane RS.Schnell legte Tavares eine Karriere hin, die seinesgleichen sucht. Es folgten Stationen bei Nissan, wo er als Executive Vice President, Vorsitzender des Management Committee Americas und Präsident von Nissan North America tätig war. 2009 wurde er zum Group Chief Operating Office von Renault ernannt. Tavares verhehlte nie, dass er eine Nummer 1 werden will. Dass er das Zeug dazu hat, bestätigte das ihm das „Wall Street Journal“, das ihn im Jahr 2012 als kommenden Auto-Boss feierte und zitierte dazu Tom LaSorda, Ex-Präsident von Chrysler: „Der Typ kann jede Autofirma in der Branche leiten."


So viel Lob für die Nummer 2 bei Renault-Nissan hörte sein damaliger Chef und Alfa-Tier Carlos Ghosn natürlich nicht gerne. Darum trennten sich die Wege der Allianz und Tavares. Der ging auf Stellensuche. Eine glückliche Fügung: Denn zu dieser Zeit suchte der damalige PSA-Chef Philippe Varin einen Nachfolger. 2014 nahm der dreifache Vater dann das Steuer beim französischen Konzern in die Hand. Was folgte, war ein schulbuchmäßiger Turnaround. Das Konzept, eine Mischung aus Synergiesuche und Kosten drücken, ist bis heute die Erfolgsformel. Dass sie funktioniert, zeigte er am Beispiel Opel, das PSA 2017 schluckte. Die deutsche Marke schrieb erstmals nach Jahrzehnten wieder schwarze Zahlen. Dafür gab es Applaus. Unter anderem wurde er von 86 Juroren der World Car Awards (WCA) aus 24 Ländern zur „World Car Person of the Year 2020“ gewählt.


Tavares will nun nach derselben Roadmap den Big Player Stellantis in die erste Reihe im Rennen um den erfolgreichsten Autohersteller fahren. Nach der gerade abgeschlossenen Fusion von PSA und FCA kann Tavares damit sein Meisterstück abliefern. Und hier, wie könnte es für einen Rennsportbegeisterten anders sein, drückt er kräftig aus Gas. Wenn der Ausnahmemanager genauso rasant den Sparkurs fährt wie bei der Eröffnungsrunde der letztjährigen 24 Stunden von Le Mans, wird er schon bald im Windschatten der ersten drei Hersteller, Toyota, Volkswagen und General Motors, auftauchen


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