Driftrekord-Taycan kommt 2021 nach Deutschland

Ralf Kund

27 Nov. 2020

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42,171 Kilometer innerhalb von 55 Minuten schaffte der Chef-Instruktor des Porsche Experience-Centers, Dennis Retera, am Hockenheimring im Porsche Taycan. Weltrekord! Wie bitte? Stimmt schon, denn Retera legte die Distanz im konstanten Drift in einem Elektroauto zurück. Respekt.

(Fotos: Porsche)


42,171 Kilometer innerhalb von 55 Minuten schaffte der Chef-Instruktor des Porsche Experience-Centers, Dennis Retera, am Hockenheimring im Porsche Taycan. Weltrekord! Wie bitte? Stimmt schon, denn Retera legte die Distanz im konstanten Drift in einem Elektroauto zurück. Respekt.

Das Arbeitsgerät des Niederländers, dessen Rekord von Guinness World Rekords und der Prüforganisation DEKRA dokumentiert und zertifiziert wurde, war ein Porsche Taycan mit einer Besonderheit: Der verwendete Viertürer mit dauerdriftfreundlich langem Radstand setzt, anders als seine hierzulande bekannten Brüder, ausschließlich auf Heckantrieb, verzichtet also komplett auf den vorderen Antriebstrang und eignet sich so ganz besonders gut für die quere Art der Fortbewegung.


Bislang ist diese Taycan-Spielart mit 408 (79,2 kWh-Batterie) oder 476 PS (93,4 kWh-Batterie) nur in China erhältlich, wird aber ab dem ersten Quartal 2021 auch in Deutschland und allen übrigen Märkten angeboten. Das Driftvermögen war aber natürlich nicht der Grund, warum die abgespeckte Variante zunächst ausschließlich in China angeboten wurde. Vielmehr handele es sich bei China um einen sehr preissensiblen Markt, wie ein Porsche-Sprecher erklärt. Rund 20 Prozent Preisunterschied liegen in der Volksrepublik zwischen dem Allrad-Basismodell 4S, das hierzulande für 105 607 Euro angeboten wird, und dem technisch schlichteren Hecktriebler. In Deutschland soll die Preisdifferenz allerdings weniger günstig ausfallen. Der genaue Preis wird noch nicht kommuniziert, soll aber weit im oberen, fünfstelligen Bereich liegen.

Der Rekord selbst ist, sagen wir, beachtlich, aber eben auch der erste seiner Art, denn bislang kam noch niemand auf die Idee, eine Drift-Bestmarke für E-Autos aufzustellen. Vergleicht man das Ergebnis mit früheren Bestmarken, die mit Verbrennern aufgestellt wurden, relativiert sich der Rekord sehr schnell. Und man stößt auf Skurrilitäten, die den, sagen wir, Eigensinn, dieser in den letzten Jahren regelrecht explodierten Rekordmanie zeigt. Beispiele gefällig?


2008 stellte Rallye-Ass Uwe Nittel auf der bewässerten Kreisbahn am Sachsenring gleich zwei Rekorde auf: Er driftete ganze zwei Stunden, 29 Minuten und 27 Sekunden mit einem Mitsubishi Lancer Evo X im Kreis herum, spürte nach eigenen Aussagen danach seinen rechten Fuß kaum mehr und hatte Krämpfe in den Fingern – aber einen neuen Weltrekord. Für 13 Minuten wurde Nittel zudem von Mitch Mitländer unterstützt, was beiden den zweiten Weltrekord im Paralleldrift einbrachte. Der alte Rekord in dieser eher unbekannten Disziplin lag bei annähernd sieben Minuten.


Dass es noch ein bißchen abgefahrener geht, zeigte Drift-Ass Werner Gusenbauer, der im Jahr 2012 auch schon die komplette Nordschleife quer gefahren ist. Mit 76 Gleichgesinnten stellte er in der Mühlenbachschleife auf der Grand Prix-Strecke des Nürburgrings einen neuen Rekord in der exotischen Disziplin des Massen-Dauerdrifts auf: Alle Fahrer schafften es, ihre Autos für ganze 25 Sekunden im Donut-Modus zu halten und egalisierten den ein paar Monate zuvor in Kalifornien aufgestellten Rekord mit 75 Teilnehmern, die nur 15 Sekunden ihre Donuts drehten.


Der Drift-Weltrekord für Verbrenner hält auch eine verrückte Besonderheit bereit. Ganze acht Stunden dauerte die bis heute gültige Rekordmarke über die längste Distanz im Drift, aufgestellt von Johan Schwartz 2018 in einem BMW M5. 374,2 Kilometer legte Schwartz im BMW Performance Center in South Carolina zurück, bekam für 79,3 Kilometer Unterstützung von einem zweiten Fahrer und pulverisierte damit den Rekord von Uwe Nittel im Paralleldrift. Der zweite Fahrer war auch nötig, da ein M5 keine 374,2 Kilometer im Drift ohne Nachtanken schafft. Das Problem löste BMW mit einer eigens entwickelten Tankanlage, die ein Nachtanken während der Fahrt erlaubte, inspiriert von den Systemen, mit denen Kampfjets während des Fluges versorgt werden. Wer eine Suchmaschine bemühen mag: Es gibt Fotos, die diesen Vorgang zeigen, bei dem sich der Beifahrer des Begleitfahrzeuges weit aus dem Seitenfenster lehnt und die Tankapparatur mit beiden Händen in den Einfüllstutzen des Rekordautos drückt.

Die Länge eines Rekord-Drifts ist also sehr stark von der Leidensfähigkeit des Fahrers abhängig. Und, ganz entscheidend, von der Reichweite des Autos. Ganz und gar unbestätigten Gerüchten zur Folge arbeitet Tesla-Chef Elon Musk bereits fieberhaft an einer mobilen Ladestation…

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Ralf Kund

27 Nov. 2020