Schmutziges DTM-Finale: "Schande für den Sport"

Frederik Hackbarth

12 Okt. 2021

1/5
Zwei Rennen, zweimal Mercedes als Sieger: Bei der DTM am Norisring geht es dabei dreckig zu, bei der Formel 1 in der Türkei vor allem nass

Streiten sich zwei, freut sich der Dritte: So geschehen beim großen DTM-Finale am Norisring. Maxi Götz, nur mit krassen Außenseiterchancen in die beiden letzten Läufe des Jahres gestartet, darf sich am Ende DTM-Meister 2021 nennen. Weil sich die beiden Titelfavoriten mehrfach in die Quere kommen, profitiert der 35 Jahre alte Deutsche und holt im Mercedes seinen ersten Titel.

Das Top-Thema in Nürnberg ist aber die unfaire Fahrweise von Audis Titelanwärter Kelvin van der Linde. Schon beim ersten Rennen am Samstag kommt es am Start nach einem Harakiri-Manöver zwischen ihm und dem bis dato Gesamtführenden Liam Lawson in Kurve eins zur Berührung. Die Folgen für beide sind da noch überschaubar, hinter Sieger Götz und dessen Markenkollege Arjun Maini wird Lawson Dritter, direkt vor Rivale Van der Linde.

Weil Lawson zudem für beide Rennen die Pole-Position und die damit verbundenen Extrapunkte holt, geht er mit einem komfortablen Vorsprung und von der Spitze aus in das Finalrennen am Sonntag. Doch es kommt, wie es kommen muss: In Kurve eins versucht sich Van der Linde, obwohl beim Anbremsen klar hinter Lawson, erneut mit einem verzweifelten Manöver am Führenden vorbeizuschieben. Der Südafrikaner kürzt sogar innen über die Kerbs ab, trifft Lawson dabei entscheidend.

Der Top-Favorit, für dessen Titel als jüngster DTM-Champion aller Zeiten mit 19 Jahren bereits alles angerichtet schien, fällt mit beschädigter Lenkung anschließend weit zurück, muss chancenlos mit ansehen wie sich Götz die Meisterschaft schnappt. Nachdem auch Van der Linde mit einem Reifenschaden zurückfällt, hat der Mercedes-Pilot freie Bahn und erhält Hilfe von seinen Markenkollegen, die ihn allesamt passieren lassen, um mit dem Sieg die nötigen Punkte einzufahren: "Nicht schön, aber das gehört beim Motorsport leider dazu", verteidigt Serien-Boss Gerhard Berger die Stallregie.

Bei den Fans auf den Tribünen und vor allem in den Sozialen Netzwerken kommt die Aktion weniger gut an. Von "großer Unsportlichkeit" bis zu "Schande für den Sport" ist dort alles zu lesen. Eine Meinung, der sich im Wortlaut auch Lawson und sein AF-Corse-Ferrari-Team anschließen, vor allem mit Blick auf den Rempler am Start: "Er ist der dreckigste Fahrer, gegen den ich je gefahren bin. Ich bin natürlich unglaublich enttäuscht", schimpft Lawson nach dem geraubten Titel gegen Rivale Van der Linde.

Formel 1-Grand-Prix in der Türkei


Deutlich sauberer, aber nicht weniger spannend geht es am Sonntag auch bei der Formel 1 in Istanbul zu, wo einmal mehr der Regen das Rennen aufpeppt. Valtteri Bottas gewinnt den Türkei-Grand-Prix von der geerbten Pole aus – diese hatte ihm Teamkollege Lewis Hamilton wegen seiner Rückversetzung in der Startaufstellung um zehn Plätze für den Wechsel des Verbrennungsmotors abtreten müssen. Bottas' nutzt die Abwesenheit von Mercedes' Nummer eins an der Spitze und schnappt sich seinen ersten Saisonsieg.

Zweiter wird Max Verstappen, der damit die WM-Führung zurückerobert. Sechs Läufe vor Schluss liegt der Niederländer in der WM nun sechs Zähler vor Hamilton. Der Rekordweltmeister kommt bei seiner Aufholjagd von Startrang elf immerhin noch auf die fünfte Position nach vorne. Hamilton ist zwischenzeitlich sogar schon Dritter, muss wegen einer suboptimalen Strategie mit einem späten Reifenwechsel am Ende aber dem zweiten Red Bull von Sergio Perez und Ferrari-Mann Charles Leclerc den Vortritt lassen.

Auf dem dritt- und vorletzten Platz im Klassement finden sich beim Türkei-GP die Deutschen wieder: Sebastian Vettel pokert im Kampf um einen Punkt für Platz zehn beim Boxenstopp mit seinem Aston-Martin-Team, zieht als einziger Pilot auf der noch nassen Strecke Slicks auf. Das Wagnis geht nicht auf, Vettel kreiselt mehrfach von der Piste, muss erneut zum Service und fällt weit zurück.

Landsmann Mick Schumacher lässt indes am Samstag mit einer tollen Quali-Performance aufhorchen, zieht im lahmen Haas als 14. überraschend in Q2 ein. Am Sonntag wirft ihn die Pace seines Autos aber wieder ans Ende des Feldes – genauso wie Fernando Alonso, der Schumacher bei einem Manöver in Runde zwei umdreht. Der Altmeister bekommt fünf Strafsekunden, entschuldigt sich später. Zuvor wird Alonso von Pierre Galsy am Start selbst um die eigene Achse gedreht. Der AlphaTauri-Pilot kassiert die gleiche Strafe, wird aber trotzdem Sechster.

Fernando Alonso entschuldigt sich bei Mick Schumacher


Neuigkeiten gibt es im hinteren Feld auch von Alfa Romeo. Das ehemalige Sauber-Team steht kurz vorm Verkauf, Interesse bekundet Ex-Formel-1-Pilot Michael Andretti. Der Amerikaner führt bereits sehr erfolgreich Teams in der Formel E und der IndyCar, könnte aus Letzterer auch gleich Top-Talent Colton Herta als Fahrer mitbringen. Bereits unter Dach und Fach ist für 2022 Alfa Romeos Verpflichtung von Valtteri Bottas, dem großen Sieger vom Sonntag.


(Fotos: DTM, Haas, Mercedes)

360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.

Frederik Hackbarth

12 Okt. 2021