E-Auto als Zugmaschine: Das Angebot wächst

Arne Roller

30 Aug. 2021

Das Fahren mit einem Gespann stand bei E-Autos bisher nicht besonders im Fokus. Jetzt aber kommen immer mehr für die Nutzung von Anhängern zugelassene E-Fahrzeuge auf den Markt. Welche es schon gibt und wie sehr die Reichweite im Zugbetrieb leidet, hat der ADAC recherchiert.

Bisher dachte man bei E-Autos eher weniger an Zugmaschinen für Wohnwagen und Co. Weitestgehend waren Stromer nicht mit Anhängerkupplung zu haben. Das Ziehen eines Anhängers will sich nicht so recht mit der Reichweitenmaximierung vereinen lassen. Doch die Hersteller reagieren vermehrt auf die Nachfrage der Kunden und bieten für eine steigende Anzahl von Modellen die Option einer Anhängerkupplung an. Mit besserer Akkus und steigenden Reichweiten macht dieser Schritt auch zunehmend mehr Sinn.



ADAC: Anhängerbetrieb kann Reichweite halbieren


Klar ist dabei: Im Anhängerbetrieb leidet die Reichweite. Das ist nicht anders als beim Verbrenner, fällt beim E-Auto aktuell aufgrund der kürzeren Reichweite und längeren "Tankdauer" allerdings stärker ins Gewicht. Laut ADAC kann man mit einem schweren Wohnwagen am Haken davon ausgehen, dass sich auf der Autobahn die Reichweite etwa halbiert. Mit einer effektiven Reichweite von 150 bis 200 Kilometern ist fraglich, ob wir in den nächsten ein bis zwei Jahren viele E-Autos mit Campern sehen werden. Für all diejenigen, die den Schritt wagen, rät der ADAC, möglichst vorausschauend zu fahren, einen windschnittigen Hänger zu wählen und auf der Autobahn eher eine Geschwindigkeit von 80 km/h als 100 km/h anzupeilen.



Modelle und ihre Anhängelast: Je schwerer, desto mehr


Grundsätzlich gilt bei der Anhängelast das alte Prinzip: je schwerer und größer ein Fahrzeug ist, desto mehr darf es ziehen. Die besten Werte bieten daher aktuell zwei SUV: Der BMW iX und das Tesla Model X können mit 2,5 Tonnen respektive 2269 Kilogramm am meisten an den haken nehmen.


Im Mittelfeld finden sich Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6 mit jeweils 1600 wieder. Auf diesem Niveau bewegen sich auch das Tesla Model Y und der BMW i4. Das SUV Polestar 2 schafft 1500 Kilogramm. VW ID.4 und Škoda Enyaq ziehen in der Allradversion bis 1200 Kilo, sonst nur 1000 wie auch das Tesla Model 3. PS-starke Modelle wie der Ford Mustang Mach-E oder das Mittelklasse-SUV BMW iX3 kommen auf überraschend niedrige 750 Kilo Anhängelast, was einen Kauf für Gespannfahrer uninteressant machen dürfte.


Diverse Modelle in der Klasse bis 750 Kilogramm kommen zwar noch für leichtere Zugaufgaben oder Fahrradtransport infrage, bleiben dabei aber von den Anhängemöglichkeiten vergleichbarer Verbrenner weit entfernt. Verkaufsschlager wie der Renault Zoe und der VW ID.3 sind aktuell nicht mit einer Anhängerkupplung zu haben. Bei den Kleintransportern packen die Modelle Peugeot e-Expert, Citroen e-Jumpy, Opel Vivaro-e, Toyota Proace maximal 1.000 Kilogramm Anhängelast. Auch das dürfte den Ansprüchen aus der Zielgruppe „Handwerker“ kaum Genüge tun.



Anhängerbetrieb beim E-Auto: Ladesäulen nicht für Gespanne ausgelegt


Ein Problem für den Anhängerbetrieb beim E-Auto stellt auch der aktuelle Zustand der Ladeinfrastruktur dar. Fast alle Ladesäulen sind an der Stirnseite von Parkplätzen aufgebaut. Gespannfahrer müss(t)en hier den Anhänger abkuppeln, um laden zu können. Tun sie das nicht, blockieren sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Parkplätze und Ladesäulen. Allen voran auf Autobahnraststationen sollten nach Ansicht des ADAC deshalb künftig vermehrt „Durchfahrladestationen“ errichtet werden.


(Foto: Volkswagen)

Arne Roller

30 Aug. 2021