Batterie-Recycling: Status Quo und Zukunft

Arne Roller

23 Nov. 2021

Noch hinkt Europa beim Batterie-Recycling hinter Asien hinterher. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt die Potenziale der Sparte auf.

E-Autos liegen schwer im Trend. Durch ihre steigende Verbreitung entwickelt sich in Europa ein enormer Markt für Batteriezellen, wobei in der EU bis zum Jahr 2030 von etwa 2,5 Megatonnen neuer Batterien auszugehen ist. Dies führt zu Fragen nach dem ökologischen Fußabdruck von Fahrzeug-Akkus. Eine Lösung: Batterie-Recycling, das zu einer Kreislaufwirtschaft bei den Batterien beiträgt. Eine Studie des Fraunhofer ISI, die im Auftrag der IMPULS-Stiftung des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau) durchgeführt wurde, kommt zu dem Schluss, dass sich Europa zu einem Leitmarkt für ein grünes und hocheffizientes Batterie-Recycling und für die dazugehörigen Technologien entwickeln kann.



Fraunhofer ISI: Es braucht mehr Recyclingkapazitäten


Die Studienergebnisse zeigen: In Europa könnte das Volumen an zu recycelnden Lithium-Ionen-Altbatterien und Batteriekomponenten ab dem Jahr 2030 etwa 230 Kilotonnen pro Jahr und ab 2040 etwa 1.500 Kilotonnen pro Jahr ausmachen. Diese bereits um mögliche Fahrzeug- und Batterieexporte bereinigten Zahlen bedeuten ein jährliches Wachstum der Recyclingindustrie von über 30 Prozent in den nächsten Jahren. „Um derartige Recyclingmengen bewältigen zu können, müssen die Recyclingkapazitäten, die heute in Europa noch im niedrigen zweistelligen Kilotonnen-Bereich pro Jahr liegen, deutlich ausgebaut werden. Dafür wird in Europa Anlagentechnik benötigt, die je nach Geschwindigkeit des Marktwachstums und des globalen Anteils europäischer Recyclingkapazitäten Investitionen in Höhe von etwa 6,6 Mrd. € bis 2040 erfordern“, sagt Dr. Christoph Neef, der am Fraunhofer ISI zur Batterie-Thematik forscht und die Studie koordiniert hat.



Fraunhofer ISI: Deutschlands Maschinen- und Anlagebau-Infrastruktur bietet gute Voraussetzungen


Die guten Voraussetzungen des deutschen und europäischen Maschinen- und Anlagenbaus könnten dabei helfen, neue und effiziente Verfahren in den Markt zu bringen. Diese braucht es nicht zuletzt im Hinblick auf die jüngsten Regulierungsvorschläge der EU-Kommission: Zukünftige Recyclingprozesse und Anlagen sollen nicht nur ein sachgemäßes Recycling von Batteriekomponenten, sondern auch hohe Rückgewinnungsquoten wichtiger Batterierohstoffe garantieren. Gerade für Lithium stellt dies heute noch eine Herausforderung dar. Gelingt der Aufbau einer europäischen Recyclingindustrie mit hocheffizienter Prozess- und Anlagentechnik, so könnten gemäß der Studie bis zum Jahr 2040 recycelte Rohstoffe mehr als 40 Prozent der Kobalt- und über 15 Prozent der Lithium-, Nickel- und Kupfer-Bedarfe der Batterieproduktion in Europa decken.


„Ein effizientes Batterie-Recycling könnte entscheidend dazu beitragen, den CO₂-Fußabdruck von Batterien insgesamt zu reduzieren und langfristig die Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu reduzieren.“

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer



Fraunhofer ISI: Schnelle gesetzliche Klarheit und Investitionen


In Asien und besonders in China existieren bereits große Batterie-Recycling-Industrien. Zum Aufbau einer solchen Industrie bei uns braucht es laut Fraunhofer ISI vor allem schnell Klarheit bezüglich der geplanten Batterieregulierung. Zum anderen müssten entsprechende Anlagen aufgebaut und in Recycling-Technologien investiert werden. Nur dann könne Europa zu einem Leitmarkt für grünes und hocheffizientes Batterie-Recycling avancieren.



Weitere Informationen:


Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Es erforscht die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellt das Institut seinen Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung.


(Foto: DeepGreenMetals)

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Arne Roller

23 Nov. 2021