Elektro oder nicht Elektro: Der Glaubenskrieg 

Der Disput um die Antriebsart der Zukunft ist voll entbrannt. Das Lager pro Elektro wird von Volkswagen-Chef Herbert Diess angeführt. Er setzt strategisch alles auf die Elektrokarte. Doch das andere Lager, dass für die Brennstoffzelle steht, hat auch gute Argumente.


Volvo und Volkswagen sind die einzigen Autohersteller, die laut IHS Markit auf dem richtigen Weg sind, die Klimaziele der Europäischen Union (EU) zu erfüllen. Die beiden Hersteller hätten „offensive und glaubwürdige Strategien“, um von Autos mit fossilen Brennstoffen auf Elektrofahrzeuge umzusteigen, heißt es in der Studie. Volkswagen plant in den kommenden neun Jahren einen Anteil von 55 Prozent Elektro-Verkäufe in Europa. Ab dem Jahr 2030 will auch Volvo, das Teil des chinesischen Geely-Konzerns ist, nur noch reine Elektroautos anbieten. GM strebt dasselbe in 20 Jahren an. Honda bereitet sich ebenfalls auf den Ausstieg aus den Verbrennern vor. Audi will sogar schon ab 2026 keine mehr fertigen.


Andere wie Ford hätten sich zwar ehrgeizige Ziele gesetzt, „aber es fehlt ein fundierter Plan, um dorthin zu gelangen“, so die Studie. Die Analyse gibt den Herstellern BMW, Jaguar Land Rover, Daimler und Toyota schlechte Noten. Die Gruppe setze zu stark auf Hybrid-Modelle. „BMW und Daimler kündigten bislang keine konkreten Fristen für die Abschaffung von Autos mit fossilen Brennstoffen an“, wird in dem Papier kritisiert.„Es ist zu früh, um sich auf eine Option zu konzentrieren", sagte Toyota-Direktor Shigeki Terashi auf die Frage eines Investors, warum der weltgrößte Autohersteller einen so zögerlichen E-Kurs fährt.


Aus dem Toyota-Headquarter heißt es, dass in den Jahren bis 2050 verschiedene Optionen, darunter Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge, miteinander konkurrieren müssen, damit der Hersteller am Ende die Karte ziehen kann, die der Käufer wünscht. „Einige Leute lieben batterieelektrische Fahrzeuge, aber andere sehen die aktuellen Technologien nicht als praktisch an", erklärt Toyotas Chief Technology Officer Masahiko Maeda. „Am Ende kommt es darauf an, wofür sich die Kunden entscheiden.“ Darüber hinaus führt man bei Toyota die Energiebilanz von E-Autos über den gesamten Lebenszyklus an, die noch nicht sauber ist.


Die Asiaten setzen allgemein stark auf die Brennstoffzelle, etwa mit dem Modell Mirai (Im Bild). Neben Toyota will Hyundai in den kommenden Jahren wesentliche Volumen der Wasserstoff-Antriebe auf den Markt bringen. Auch in Deutschland formiert sich das Lager der Brennstoffzellenbefürworter. BMW beispielsweise startet aktuell erste Straßentests mit der Brennstoffzelle.


In der Debatte um klimaschonende Antriebe hat sich nun auch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger eingeschaltet und die Elektromobilität als Übergangstechnologie eingestuft: „Ganz ehrlich, ich habe Zweifel daran, dass die Technik von immer wieder aufzuladenden Fahrzeugen die Technik der Zukunft ist. Ich halte das für einen Übergang“, zitierte ihn die „Rhein-Neckar-Zeitung“. Dulger glaubt langfristig eher an Wasserstoff.


Wie auch immer: Die Hersteller müssen die Ziele der EU einhalten, die diese in diesem Sommer endgültig festlegen will. Es wird erwartet, dass das Staatenbündnis bis 2030 die Regularien verschärft und vorschreibt, dass die CO2-Emissionen von Neuwagen 50 Prozent unter dem Niveau von 2021 liegen sollen. Das wären 12,5 Prozent weniger, als bislang festgesetzt sind.

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