Evergrande will E-Autos zum Hauptgeschäft machen

Arne Roller

13 Jan. 2022

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Der wankende Immobilien-Riese will in Zukunft vermehrt auf seine E-Auto-Sparte setzen. Die Produktion des ersten Modells namens Hengchi 5 hat bereits begonnen.

China hat sich inzwischen als größter Markt für und größter Hersteller von Elektrofahrzeugen etabliert. Während viele der Hersteller einen Hintergrund in der Automobilindustrie oder angrenzenden Industrien haben, stellt das Unternehmen Evergrande hier eine Ausnahme dar.


Der chinesische Konzern ist in erster Linie ein Immobilienentwickler – der zweitgrößte des Landes. Erst Ende 2018 unternahm das Unternehmen seinen ersten Ausflug in die Automobilwelt, als es sich in das angeschlagene EV-Startup Faraday Future einkaufte.



Evergrande: Erste Schritte mit Einstieg bei Faraday Future


Mit einer Investition von zwei Milliarden US-Dollar sicherte sich Evergrande 45 % am E-Auto-Hersteller. Doch die Beziehung zwischen Investor und Start-up trübten sich schnell, als beide wegen angeblicher Vertragsverletzungen gegeneinander prozessierten.


Nachdem der Ruf beider Unternehmen durch die Meinungsverschiedenheiten Schaden genommen hatte, stimmte Evergrande letztendlich zu, seinen Anteil an Faraday Future auf 32 % zu reduzieren – als Gegenleistung für die vollständige Kontrolle über das Geschäft in China.



Evergrande besitzt die Rechte an Saab


Zusätzlich zum Faraday Future-Deal stieg Evergrande beim schwedischen Unternehmen NEVS ein, das 2012 gegründet wurde, um die Konkursmasse von Saab zu übernehmen. 2019 erwarb der chinesische Konzern eine 51-%-Beteiligung und hatte sich NEVS bis Mitte 2020 komplett einverleibt.


Zuletzt allerdings war Evergrande vor allem wegen unbezahlter Schulden in den Nachrichten. Das Unternehmen ist aktuell der am höchsten verschuldete Bauträger der Welt und hat bereits mehrere Anleihezahlungen verpasst. Auf den globalen Märkten befürchten einige Experten bereits, dass ein Zusammenbruch von Evergrande einen ähnlichen Marktkollaps auslösen könnte wie die Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008.



Evergrande: Anfängliche Probleme beim Produktionsstart des Hengchi 5


Inmitten der schlechten Nachrichten um die Finanzlage des Mutterkonzerns gab die E-Auto-Sparte im Herbst 2021 bekannt, dass es Verzögerungen bei den Lieferanten seiner Elektrofahrzeugsparte gebe. Laut einigen Medienberichte erwägte Evergrande gar eine Veräußerung seiner Autosparte, um schnell an Geld zu kommen.


Das erste Modell von Evergrande Auto ist der Hengchi 5, ein elektrisches Kompakt-SUV.


Der Wind drehte sich dann aber schnell in eine ganz andere Richtung. Statt eines Verkaufs strebt der Konzern nun eine Umstrukturierung in Richtung der E-Auto-Sparte an. Evergrande-Chef Hui Ka Yan teilte bereits im Oktober 2021 mit, Elektrofahrzeuge binnen zehn Jahren zum Hauptgeschäft des Unternehmens machen zu wollen.



Evergrande: Erste Serienfahrzeuge vom Band gelaufen


Inzwischen trägt das „Unternehmen-E-Auto“ bei Evergrande Früchte. Erst gestern tauchte auf Twitter ein Bild auf, dass den ersten vom Band gelaufenen Hengchi 6 zeigen soll. Offiziell ist diese Meldung noch nicht.




Ganz offiziell hingegen präsentierte Evergrande ebenfalls gestern das erste Serienfahrzeug des Hengchi 5. Bei diesem ersten Modell handelt es sich um ein 4,73 Meter langes, rein elektrisches Kompakt-SUV mit 150 kW/204 PS. Details zu Batterie und Ladesystem sind noch nicht bekannt.


In der Fabrik im chinesischen Tianjin präsentieren Evergrande-Auto-Mitarbeiter den ersten Hengchi 5.


Die chinesische News-Seite CN EV Post nennt für den Hengchi 5 einen Einstiegspreis von 200.000 Yuan. Das entspricht umgerechnet 27.400 Euro.


(Fotos: China Evergrande New Energy Vehicle Group Ltd. / Weibo)

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Arne Roller

13 Jan. 2022