Fahrbericht BMW 320d Touring: Zurück zu den Wurzeln

Arne Roller

22 Apr. 2021

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BMW, das steht seit jeher für Premium. Aber auch für sportlichen Anspruch in jedem Fahrzeug. Mit der aktuellen G20-Baureihe des BMW 3er zeigt BMW, das man das in München nicht vergessen hat.

(Fotos: YesAuto)


BMW gegen Mercedes, das ist ein ewiger Zweikampf. Jede Seite hat ihre Fans, ihre Anhänger – und ihre Vorzüge. Witze, Memes und Vorurteile gibt es en masse. Und das ist ok so. Die Rivalität ist Teil der deutschen Autokultur. Und eine Sache hat sich bis heute in den Köpfen der Menschen durchgesetzt. Mercedes ist komfortabler, BMW sportlicher. Dass das nicht für alle Fahrzeuge gilt, ist klar. Vor allem die AMG- und M-Modelle muss man da außen vor lassen. Spricht man über die Brot-und-Butter-Produkte wie BMW 3er/Mercedes-Benz C-Klasse und BMW 5er/Mercedes-Benz E-Klasse, dann ist dieser feine Unterschied immer greifbar geblieben.


Seit seiner Existenz ist der 3er der Wagen, an dem man BMW den Puls messen kann. Die Mittelklasse – das Volumenmodell. Bei der letzten Generation des BMW 3er – dem F30 – hatten nun viele behauptet, BMW habe seinen angestammten Weg verlassen, sich im Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit verloren. Den Vorwurf, man verliere sein Alleinstellungsmerkmal – den will man sich in München nicht anhören müssen.


Und so bin ich sehr gespannt, wie sich der aktuelle BMW 3er in dieser Hinsicht schlägt, als wir ihn für eine Ausfahrt mitnehmen.


"Mei, is der scheee!": der BMW 320d Touring in der Variante M-Sport


Das Äußere? Heidewitzka! Wir bekommen die M-Sport-Version vor die Nase gestellt: Breite Niere, schmale Scheinwerfer, auffällige Lufteinlässe und blaue Bremssättel hinter den schmucken 19-Zöllern – mir gefällt der G20 richtig gut. Hier zeigt sich im Besonderen: BMWs Designkompetenz beim 3er (wie auch beim 5er) ist immer auf hohem Niveau. Hier liefern sie ab. Meine persönliche Ausnahme datiert Jahrzehnte zurück: die Compact-Modelle des E36. Aber das sind alte Kamellen.

Das einzige, was ich am G20 ändern würde? Die silberne Umrandung der Niere fällt für mich etwas aus dem Rahmen ob der vielen, in Schwarz gehaltenen Zierelemente. Der Konsistenz wegen dürfte sie gerne auch Schwarz sein. Aber dafür muss man den M3 kaufen. Ansonsten hilft der Aftermarket weiter.


Die Sportsitze mit den verstellbaren Seitenwangen sind überaus empfehlenswert!


Verarbeitung und Design im Innenraum sind wertig und gutaussehend. Check! Zack, zack weiter zum nächsten Punkt! Das Fahrverhalten: Fahrwerk, Lenkung und Motor. Schließlich heißt es „Fahrbericht“.



Das Fahrwerk: Ein BMW, wie er sein soll


In einem kleinen Dorf nördlich von Garching machen mein Kollege Attila Langhammer (Attilas Kaufberatung zum G20 gibt's hier) und ich den fliegenden Wechsel. Ich setze mich hinter das dicke, griffige Lenkrad und los geht’s auf die Landstraße.


Eine Erkenntnis kommt prompt: dieses Fahrwerk! Die Sicherheit, Festigkeit und absolute Kontrolle, die es vermittelt, sind hervorragend. BMW zeigt sich hier in absoluter Topform. Kaum Wank, keine Aufbaubewegungen, einfach nur Grip. Präzises Fahren wie auf Schienen.


Es sind die altbekannten BMW-Stärken in Reinkultur. Freude am Fahren, das gewisse Extra an Sportlichkeit, ohne dabei den Komfort außen vorzulassen. Dieses Fahrwerk kann das. Es ist straff, und wendig, dabei gleichzeitig äußerst komfortabel.



BMW 320d touring: Motor und Getriebe


Unter der Haube des 320d arbeitet ein Zweiliter-Vierzylinder mit 190 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern. In 7,1 Sekunden erreicht der Kombi Tempo 100 und bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.


Man hört bei diesem Motor von Verbräuchen unter vier Litern als erreichbarem Bestwert. Bestätigen oder widerlegen kann ich das auf meiner kurzen Ausfahrt nicht. Ich finde getestete Angaben von 4,1 bis 6,1 Litern – ein ziemlich breites Feld. Fünf Liter scheinen hier der durchaus sparsame Median zu sein. Die Spreizung von Leistung und Effizienz bewegt sich auf hohem Niveau. Der 320d macht hier wenig Kompromisse. Wer einen richtigen Punch in den Rücken haben will und auf Sechszylinder-Bollern steht, der greift im Motorenregal eine Stufe Höhe zum 330d.


Das Getriebe im 320d gibt sich kaum eine Blöße. Bis auf leichte Ruckler beim Runterschalten in niedrigen Geschwindigkeiten arbeitet es sauber. Wirklich sportlich konfiguriert ist es nicht: Auch im Sportmodus schaltet es früh. Und selbst im manuellen Betrieb schiebt es dem Gusto des Fahrenden bei 4.000 Umdrehungen bevormundend einen Riegel vor und schaltet hoch. Ein bisschen dreist.



BMW 320d: Fazit


Diese Ausfahrt hat Spaß gemacht. Die Losung: Ein großes Hurra für dieses Fahrwerk! In Zusammenarbeit mit einer griffigen, direkten Lenkung und den 190 Pferden ist der BMW 320 ein Alltagsauto im Geiste von BMWs allseits bekanntem Mantra. Fahrwerk und Lenkung sind dabei für mehr Action ausgelegt, als sie das Aggregat des 320d bieten kann. Kein Problem, die stärkeren Motoren gibt es ja. Als Familien- oder Dienstwagen ist der 320d aber das richtige Auto. „Geht gut“ und ist abgesehen vom Premium-Preis ein fast schon „vernünftiges“ Auto. Allein für Vernunft steht ein BMW aber nie. Und das ist auch gut so.



BMW 320d Touring – Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziger Kombi mit Hinterradantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.709 mm/1.827 mm/1.440 mm

Radstand: 2.851 mm

Kofferraumvolumen: 500 bis 1.510 Liter

Motor: 2,0-Liter-Reihenvierzylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS bei 4.000 U/min, maximales Drehmoment: 400 Newtonmeter bei 1.750 – 2.500 U/min,

Motorposition: Frontmotor, längs verbaut

Antrieb: Hinterradantrieb

Getriebe: 8-Gang-Steptronic-Getriebe

Leergewicht nach DIN/EU: 1.630/1.705 Kilogramm

0-100 km/h: 7,1 s

Vmax: 230 km/h

Durchschnittsverbrauch (WLTP): 5,6-4,9 l/100 km

CO2-Ausstoß (WLTP): 146-128 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Versicherungseinstufung KH/VK/TK: 17/26/26

Preis: ab 45.700 Euro


Arne Roller

22 Apr. 2021