Fahrbericht BMW 530i: Einstellungssache

Arne Roller

05 Okt. 2020

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Im Juli spendierte BMW seiner 5er-Reihe nach drei Jahren auf dem Markt ein erstes Facelift. Neue Motoren, größere Displays im Innenraum und eine leichte Überarbeitung des Außenkleides kamen hier zusammen. Wir sind den elektrifizierten 530i gefahren.

Im Juli spendierte BMW seiner 5er-Reihe nach drei Jahren auf dem Markt ein erstes Facelift. Neue Motoren, größere Displays im Innenraum und eine leichte Überarbeitung des Außenkleides kamen hier zusammen. Wir sind den elektrifizierten 530i gefahren.


(Foto: BMW)


Der Flottenliebling deutscher Unternehmen zeigt sich nach seinem Facelift äußerlich durch einige Detailveränderungen im Ganzen nochmal präsenter: Neben schmaleren Scheinwerfern sowie Rückleuchten änderte sich auch die Lichtsignatur. Der Stoßfänger am 5er ist komplett neu gestaltet, auch die Niere wuchs deutlich sichtbar und harmoniert besonders schön mit der vertikalen Signatur des Laserlichts, das für den 5er nun erhältlich ist.


Aufgefrischt: Mit dem jetzt optional verfügbaren BMW-Laserlicht kommt auch eine neu designte Lichtsignatur. (Foto: BMW)


Im Interieur ist das optionale, 12,3 Zoll große Infotainmentdisplay die größte Änderung. Die Serienausstattung besteht weiterhin aus jeweils 10,25 Zoll großen Instrumenten- und Infotainment-Screens. Eine neue Gestaltung erfuhren die Bedientasten auf der Mittelkonsole und im serienmäßigen Multifunktionslenkrad.


In unserem Testwagen ist das M-Sportpaket verbaut. Das beinhaltet neben der Außenfarbe Alpineweiß, unter anderem auch das M-Lederlenkrad, die 18-Zoll-Doppelspeichenfelgen und die hervorragenden M-Multifunktionssitze, die bisher dem M5 vorbehalten waren. Komfortabel und mit exzellentem Seitenhalt sind diese Sitze ein absolutes Highlight. Überhaupt ist der Innenraum des 5ers über fast jede Kritik erhaben. Einziger Angriffspunkt ist das etwas harte Material am oberen Ende der Türen, wo die Ellenbogen vieler Fahrer ihren Ruheplatz finden. Ein weicheres Material hätte hier gutgetan. Ansonsten sind alle Materialien hervorragend, das Design wohltuend und das Platzangebot an allen Stellen üppig.


Auch bei den Assistenzsystemen gibt es Neuerungen. Der 5er positioniert sich bei Stau selbstständig so, dass eine Rettungsgasse gebildet werden kann, bei aktiver Zielführung kann er selbst die Spur in Richtung Ausfahrt wechseln. Neben Apple CarPlay ist nun auch endlich Android Auto für alle Nicht-Apple-Jünger verfügbar.


Redakteur Arne Roller mit dem 530i: Der 5er ist so schick, da will man direkt Krawatte tragen.



BMW 530i: Nicht offensichtlich ein Hybrid


Der 530i trägt es nicht im Namen, aber auch er ist jetzt ein Mild-Hybrid mit 48-Volt-Starter-Generator. Im 530i unterstützen zusätzliche 11 PS den Verbrenner, eine Batterie speichert die beim Bremsen die gewonnene Energie. Zudem sorgt der Startergenerator für Extra-Power beim Beschleunigen und Anfahren. Im Segelmodus übernimmt die Zusatzbatterie die Versorgung des Bordnetzes. Der 292 PS leistende Zwei-Liter-Vierzylinder klingt natürlich nicht ganz so sanft und kultiviert wie die Sechszylinder, an die man seit jeher in einem 5er gewöhnt ist, hält sich aber soundtechnisch sehr zurück. Lediglich bei starken Leistungsabfragen im niedrigen Geschwindigkeitsbereich macht sich das Aggregat bemerkbar. In 6,4 Sekunden beschleunigt der 530i seine mindestens 1.625 Kilogramm auf Tempo 100.



BMW 530i: Gediegener Langstreckengleiter


Seine Kernaufgabe als Dienstwagen (lediglich 20% der 5er-Kunden sind Privatkäufer), selbständige Unternehmer und mittleres Management niveauvoll von A nach B zu bringen, beherrscht der 5er nach wie vor hervorragend. Die Sprintqualitäten des 530i mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ermöglichen ein gediegenes, aber überaus schnelles Vorankommen von Termin zu Termin. Mit der guten Geräuschdämmung, der komfortablen Federung und der enormen Spurtreue des Fahrzeugs gleitet man fast abgeschnitten von der Außenwelt in hohem Tempo dahin. Tempo 250 auf dem Tacho erreicht der 5er gefühlt mühelos. Der Motor ist dabei nicht zu vernehmen, so zurückhaltend zeigt er sich auch dank der 8-Gang-Automatik und der Geräuschdämmung bei hohen Geschwindigkeiten. Lediglich die Geräusche des Fahrtwindes und des Abriebs der Winterreifen erreichen die Ohren.


Wer den 5er aus diesen Gründen kauft, der braucht auch das Sport-Getriebe nicht. Wer aber am Wochenende gerne die Kurven auf der Landstraße aus purer Freude am Fahren etwas ruppiger nimmt, der sollte auf die Sport-Steptronic mit ihren Schaltwippen keinesfalls verzichten. Für ein direkteres Ansprechverhalten und erhöhtes Fahrvergnügen sind sie unabdingbar.



BMW 530i: Auf Wunsch zu haben – der Fahrspaß


Sowohl die Achtstufen-Automatik als auch die Gaspedalkennlinie des 5ers sind auf das Spritsparen und CO2-Vermeidung ausgelegt. Das Gaspedal vermittelt meist ein recht „weiches“ Gefühl, die Gaspedalkennlinie befinden sich weit hinten und die Gasannahme ist aus den genannten Gründen der Sparsamkeit in den Fahrmodi „Eco Plus“ und „Comfort“ nicht als direkt zu bezeichnen. Im Sportmodus zeigt sich das Pedal lebendiger, eine allgemein auf das Spritsparen ausgelegte Justierung ist aber nach wie vor nicht von der Hand zu weisen. Auch das Sport-Getriebe muss bei jeder heftigeren Leistungsabfrage erst einmal zurückschalten. Zum Glück kann der 530i aber auch anders: Die Abhilfe findet sich in Form der Schaltwippen und damit des manuellen Schaltmodus. Jetzt kommt Fahrspaß auf und der 5er zeigt seine Leistung auf Abfrage. Der 530i kann brüllen, wenn man ihn zwingt. Standardmäßig möchte er allerdings lieber mit der angebrachten Contenance dahingleiten.




Fazit


Für alle Langstreckenfreunde und „Linke-Spur-Abonnenten“ ist ein 530i ein veritables Fahrzeug. Allerdings wäre hier der Diesel anzuraten, oder – angesichts der aktuell verfügbaren Umweltprämie noch besser – einer der Plug-in-Hybride. So kostet der 292 PS starke 530e abzüglich 5.625 EuroKaufprämie aktuell nur 49.159 Euro. Immerhin knappe 2.500 Euro weniger als der 530i, dessen Preisliste bei 51.956 Euro startet.

Arne Roller

05 Okt. 2020