Fahrbericht Cupra Formentor: Sportlich aber nicht Spitze

Attila Langhammer

12 Mai. 2021

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Der Formentor ist das erste eigenständige Modell von Seats junger Markenausgründung Cupra. Grund genug, sich das Sport-SUV im Kompaktsegment vorzuknöpfen

(Fotos: YesAuto)

Der Cupra Formentor ist aus mehreren Gründen ein besonderes Fahrzeug – und hier erfährst Du warum. Die junge Marke zu der das Modell gehört – Cupra

wurde Ende 2018 von Seat gegründet. Unter dem eigenständigen Markennamen Cupra vermarktet Seat jetzt unter anderem die Topmodelle, die vorher das Cupra nachgestellte getragen haben; außerdem werden auch sämtliche motorsportlichen Aktivitäten des Unternehmens – ETCR, Extreme E, TCR – unter dem neuen Markennamen abgewickelt.

Im Oktober 2020 hat Cupra dann das erste eigene Modell, den Formentor, präsentiert. Denn während die anderen Fahrzeuge im Cupra-Programm unter gleichem Modellnamen auch bei Seat angeboten werden, gibt es zu diesem sportlich getrimmten SUV kein Seat-Pendant. Trotzdem bedient sich auch der Formentor konsequent am Modularen Querbaukasten MQB, dem Gleichteilevorrat, den VW seinen Tochtergesellschaften zur Verfügung stellt. Das wird spätestens beim Blick auf die Motorenpalette klar: die Benziner (sechs Leistungsstufen von 150 bis 390 PS) hören auf den Namen TSI, der 150-PS-Selbstzünder ist ein TDI und der technisch relativ alte Hybrid mit 204 beziehungsweise 245 PS Systemleistung heißt 1.4 e-Hybrid.

Bei dem 390 PS starken Topmotor handelt es sich um eine weitere der angekündigten Besonderheiten: das Modell heißt Formentor VZ5 und beherbergt unter der Motorhaube den aufgeladenen Reihenfünfzylinder von Audi, der auch in RS3 und TT RS zum Einsatz kommt. Damit ist der Formentor das erste Fahrzeug außerhalb der Audi-Palette, dass ebenfalls von diesem krassen Vollaluminiumaggregat angetrieben wird.


So fährt der Cupra Formentor VZ 2.0 TSI mit 310 PS


In diesem Fahrbericht geht es aber nicht um das limitierte Topmodell sondern um den regulären Leistungsträger mit 310 PS: auch diese Zahl klingt bekannt, klar das ist eine der vielen Ausbaustufen des Reihenvierzylinders EA888, mit dem VW ganz viel Sport macht. Den Formentor beschleunigt das Aggregat in Verbindung mit dem semipermanenten Allradantrieb in 4,9 Sekunden auf Tempo Hundert, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Damit ist der Formentor genau so schnell, wie die vier Kilo leichtere Kombiversion des Cupra Leon. Und die Beschleunigung geht dem Formentor gut von den vier Rädern.

Das einzige was dabei lästig fällt, ist der Cupra-Modus – so heißt hier das, was andere Hersteller als Sport Plus definieren – zwar agiert der Formentor so am schärfsten, aber der Aktuator, der für kernigen Sound im Innenraum die Frontscheibe anregt, nervt mit seinem linearen Synthieknurren und karikiert damit den zurecht sportlichen Anspruch dieses SUV. Der Aktuator lässt sich übrigens deaktivieren, aber das solltest Du aus Garantiegründen von einem Profi machen lassen. Oder Du stimmst das Verhalten des Formentor im individuellen Modus ab – dann kannst Du auch das beim 310 PS starken Formentor serienmäßige Adaptivfahrwerk in sechzehn Stufen nach Deinem Geschmack anpassen.

19-Zoll-Leichtmetallräder sind beim Formentor VZ mit 310 PS Standard


Der Dämpfungskomfort spreizt sich spürbar zwischen der komfortabelsten und der sportlichsten Einstellung, aber egal wie Du das Fahrwerk einstellst, so richtig kompetent wirkt es leider nur in längsdynamische Richtung. Das heißt: schnell beschleunigen und schnell gerade aus fahren, langgestreckte Autobahnkurven – das sind die Fahrübungen, die der Formentor gern unter die Räder nimmt. Landstraßenkurven gehen auch noch, wenn sie sich nicht allzu sehr schlängeln und wenn der Fahrbahnbelag schön glatt ist. Verdichtet sich die Anzahl der Richtungswechsel unterm Fahrwerk, kommt es zu leichten Wankbewegungen und wenn die Fahrbahn dann noch pockig ist, ist jede sportliche Souveränität dahin weil der Aufbau dann nur noch schaukelt.

Immerhin versorgt die Lenkung Dich bei all diesem Rumgekurve mit einem guten Maß an Rückmeldung, bedauerlich erscheint aber, dass sie aus der Mittellage etwas verzögert anspricht. Daran ändert sich auch in den verschiedenen Fahrmodi nichts, mit zunehmender Sportlichkeit erhöht sich hier nur der Lenkwiderstand.


Neben guter Leistung auch üppige Ausstattung im Formentor


Alle Formentor-Varianten ab 245 PS kommen automatisch mit der zweiten Ausstattungslinie VZ – von veloz, spanisch für "schnell". Beim 310-PS-Formentor heißt das, er rollt auf 19-Zoll-Rädern, hat ein beheizbares Sportlenkrad mit Fahrmodusschalter, die noch etwas stärker konturierten Sportschalensitze – die aber immer noch recht komfortabel sind, dazu das riesig wirkende Infotainment mit 12-Zoll-Diagonale und Navigation sowie die sehr hilfreiche Rückfahrkamera. Dreizonenklimaautomatik und Komfortschlüssel sind immer Standard.

Dazu ist auch die Verarbeitungsqualität gut, Seat-Niveau eben. Aber unser Testwagen mit den petrolblauen Ledersitzen (1545 Euro) verleiht dem Interieur einen ganz besonderen Touch. Dazu passen auch die kupferfarbenen Akzente, die an vielerlei Stellen im Interieur gesetzt wurden. So gelingt es Seat für die neue Marke einen ganz eigenen Auftritt zu kreieren. Und mit zwei optischen Kniffen, gelingt es den Cupra-Designern auch noch, Dir ein ganz besonderes Premiumgefühl unterzuschieben, wenn Du im Formentor sitzt: der Blick auf die Straße fließt über die sehr großflächig wirkende Motorhaube und in den Außenspiegeln siehst Du links wie rechts die üppig ausladenden Kotfügel über den Hinterrädern – beide Maßnahmen vermitteln immer wieder das Gefühl, Du würdest in einem Fahrzeug einer größeren Klasse sitzen.

Das Raumangebot des Formentor ist angemessen, aber nur die Basismodelle verfügen über das maximale Ladevolumen von 450-1505 Liter. Die Modelle mit Allrad – 4Drive – laden 30 Liter weniger und wenn Du Dich für einen der beiden Hybride entscheidest, dann packt der Formentor nur noch 345-1415 Liter. Da möchte ich nochmal den Leon-Kombi bemühen, der immerhin 470-1450 Liter einlädt (Hybrid: 380-1301 l).


Der erste eigenständige Cupra ist nicht das beste Auto der Marke

Als Basispreis für den 310-PS-Formentor ruft Cupra zur Zeit 45.090 Euro auf. In Anbetracht der sehr umfangreichen Ausstattung ist der Preis fair, wenn Du den zunächst 1410 Euro günstigeren Cupra Leon Kombi auf ungefähr das gleich Ausstattungsniveau anheben wolltest, würdest Du den Cupra-Formentor-Preis schnell reißen. Aber: der Leon fährt soviel besser, dass er den dynamischen Anspruch den ich mit der Marke Cupra verbinde, deutlich besser auf die Straße bringt.


PS: Der Name Formentor ist von einer landschaftlich sehr reizvollen Halbinsel im Norden der Insel Mallorca entlehnt.

Display mit 12-Zoll-Diagonale ist bei der Ausstattung VZ ebenfalls Serie


Das Interieur bereitet einfach Freude. Den Petrolfarbton gibt's aber nur gegen Aufpreis – 1545 Euro

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Attila Langhammer

12 Mai. 2021