Fahrbericht Fiat 500e: So fährt der Mini-Stromer

Arne Roller

24 Nov. 2020

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Mit seiner dritten Auflage kehrt der neue Fiat 500 zurück nach Hause, nämlich nach Turin. In einer der traditionsreichsten Fabriken Italiens, Fiats legendärem Mirafiori, baut man jetzt stolz den 500e. Ist der Umstieg auf Elektro mit der dritten Generation gelungen?

YesAuto Bewertung:

/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

(Fotos: Fiat)




Eines ist ganz schnell klar, als ich den neuen Fiat 500e vor mir sehe. Er hat kein Stück seines Charmes verloren. Da haben die italienischen Designer aus dem Centro Stile wieder ganze Arbeit dabei geleistet, Tradition, Moderne und Knuffigkeit in Blech zu formen. Ganz unverwechselbar ein 500, der mit Garantie den Geschmack seiner Kundschaft voll trifft. Ein kleiner Styler mit Extravaganz. Einer der wenigen Kleinstwagen, mit dem man sich überall sehen lassen kann, weil er Lifestyle und Coolness quasi aus allen Poren schwitzt.


Die drei Reiter einer neuen Zeit: Fiat 500e, Fiat 500e Cabrio und Fiat 500e 3+1


Über die technischen Daten, die Reichweite etc. habt ihr auf YesAuto.de schon gelesen. Heute soll es um die Design-Clues und das Fahrverhalten gehen. Starten wir mit dem Design: Es ist wieder die typische Liebe der Italiener zum Detail, die einem bei diesem Wagen sofort auffällt. Ob das 500e-Logo in den Heckleuchten, der "Made in Torino"-Schriftzug im Türgriff samt des Profils eines kleinen, originären 500ers, oder die Silhouette von Turin im Fach für das induktive Laden. Es sind diese Kleinigkeiten und die Detailverliebtheit bei italienischen Autos, die den Stolz der Italiener zeigen und für das gewisse Etwas sorgen. Es macht Freude, diese kleinen "Easter Eggs" zu sehen.


Wieder zu Hause: Der neue Fiat 500 ist "Made in Italy"


Das Fach für das Laden des Smartphones ist übrigens genau dort positioniert, wo schon der erste Cinquecento von 1957 sein gänzlich unelektrisiertes Ablagefach hatte. Auch das neue Infotainment-System thront oben auf dem Dashboard, wo beim ersten 500er der Rückspiegel verbaut war. Genau, der war dann nicht oben angeflanscht, sondern am Armaturenbrett befestigt. Natürlich haben auch andere Hersteller ihre Bildschirme so verbaut – hier ist es Teil eines Konzepts: der bedachten Verwendung von Ähnlichkeiten mit der ersten Generation.



Schönes Detail: Im Fach für das induktive Laden findet sich die Silhouette von Turin.



Fiat 500e: Der Innenraum – fast gänzlich durchgestylt


Neben dem Exterieur ist auch das Interieur im neuen Fiat 500e gut gelungen. Klar, ein bisschen Hartplastik fällt an. Das bleibt nicht aus im A-Segment. Aber schnöde ist hier fast nichts. Bis auf die etwas lieblose Mittelkonsole vielleicht. Die fühlt sich nicht besonders hochwertig an und auch die Armlehne ist recht klein geraten. "Besser als nichts", möchte man da sagen.


Aber dann kommt mir ein Gedanke: Eine durchgehende Vorderbank, das wäre doch auch mal was. Dann bekommt die Bezeichnung Knutschkugel gleich wieder Auftrieb. Schließlich hatten Autokinos im Sommer coronabedingt Hochkonjunktur. "Bei durchgehender Vorderbank mangelt es aber am Seitenhalt und das kreidet ihr Journalisten uns dann wieder an", entgegnet man mir bei Fiat auf meine laut ausgesprochenen Gedanken. Stimmt. Aber wer weiß, vielleicht erfindet jemand irgendwann integrierte, ein- und ausklappbare Seitenwangen ... träumen muss erlaubt sein.


So aber bleibt es bei den Einzelsitzen und einer wenig begeisternden Mittelkonsole. Ansonsten aber begeistert den Innenraum des neuen 500e. Ob das gute, neue U-Connect-System, das schöne Tastenband gleich darunter für die Steuerung der Klimatik oder die Tasten für die Gänge – das sieht alles edel aus und fühlt sich wertig an. Selbiges gilt auch für die Verkleidung des Dashboards: Weiche Materialien in Holzoptik sind eine sehr schicke Option, Kunststoff in Wagenfarbe eine andere. Klasse aussehen tut beides. Das Volant hat nun nur noch zwei Streben und ist unten abgeflacht. Mit seinem Design vermittelt es einen sportlichen Touch.


Die Türen im 500e öffnen jetzt übrigens elektrisch per Knopfdruck. Das funktioniert wunderbar. Und sollte es das mal nicht, ist die mechanische Öffnung zur Sicherheit unten im Ablagefach der Tür zu finden. Das ist sehr schön gelöst.


Ist richtig schön geworden: Der Innenraum im neuen Fiat 500e.


Jetzt aber ans Eingemachte: wie fährt er, der Neue? Um das herauszufinden, setzte ich mich in einen 500er in der Ausstattungsvariante Icon: 118 PS, eine Reichweite von bis zu 303 Kilometern und 195er-„Schlappen“ auf den Rädern. In neun Sekunden beschleunigt er auf Tempo 100 und erreicht in der Spitze 150 Sachen. Die spannendere Zahl: In nur 3,1 Sekunden geht es auf Tempo 50 – der Kleine hat richtig Zunder! In der Stadt geht hier alles zack-zack. Da gucken sie in ihren schweren SUV an der Ampel schonmal verdutzt. Das sieht man dann im Rückspiegel.


Und auch wenn ich bei Tempo 50 das Gaspedal durchtrete, wird mir noch ganz anders. Weil ich schlicht noch nicht daran gewöhnt bin, wie direkt und ohne jede Verzögerung das volle Drehmoment anliegt und die unverzügliche Beschleunigung mir den Kopf gegen die Kopfstütze schnellen lässt. Doch ich lerne draus und lege beim nächsten Mal zur Sicherheit den Kopf an, bevor mein Fuß das Gas durchdrückt. Ganz ehrlich: Die Elastizität zwischen Tempo 50 und Tempo 70 ist wirklich bemerkenswert! Auch darüber hinaus ist noch Saft da, aber nicht mehr ganz so viel.

Da kommt Freude auf: Nicht nur fahrtechnisch ist der neue Fiat 500e eine Bereicherung für die Baureihe.


Im Normal-Modus ist das Fahrverhalten wie man es von einem Benziner kennt, im Range-Modus allerdings lässt sich der 500er komplett mit dem Gaspedal fahren. Die Rekuperation und Verzögerung ist dann so stark, dass der Wagen von alleine zum Stehen kommt. Bremsen überflüssig. Natürlich dauert es ein bisschen, bis man das Auto kennt und das Bremsverhalten richtig einschätzen kann. Anfangs bremst man noch etwas nach oder kommt mit etwas viel Sicherheitsabstand zum Vordermann zum Stehen. Aber das ist alles Gewöhnungssache. Sicher ist, das „One-Pedal-Driving“ macht mir richtig Laune. Wer das anders sieht, bleibt einfach im Normal-Modus. Übrigens: Ein Sensor erkennt, wie stark der 500e durch die Rekuperation verzögert. Über einem gewissen Wert geht das Bremslicht an, auch ohne das Betätigen der eigentlichen Bremse. Also keine Angst, die Hinterherfahrenden bekommen das „Langsamerwerden“ wie gewohnt signalisiert.


Das Fahrwerk und der niedrige Schwerpunkt (dank der Batterie) geben dem neuen Fiat 500e eine ungewohnte Sportlichkeit. Satt liegt er in den Kurven, ist dabei aber keine brettharte Rennsemmel. Das würde die Kundschaft auch nicht wollen. Als Langstreckenfahrzeug ist der Fiat 500e mit seiner Maximalgeschwindigkeit von 150 km/h nicht konzipiert. Etwas laut waren Windgeräusche, die von der Heckscheibe zu kommen schienen und schon ab rund 60 km/h deutlich vernehmbar waren. Die Sitze sind hingegen komfortabel und bieten fürs Segment einen überdurchschnittlich guten Seitenhalt, was bei der Straßenlage auch nötig ist. Und da der 500e das autonome Fahren der Stufe zwei beherrscht, sind auch lange Trips sicher keine Bürde. Mein Arm ruht bei langen Strecken abwechselnd auf der Armlehne oder auf dem mit Stoff bezogenen und daher weichen Teil der Türverkleidung. Da sammelt der neue 500e bei mir dicke Pluspunkte.



Der neue Fiat 500e: Ein großer Wurf


Es spricht vieles dafür, dass der neue Fiat 500ewie die Generationen davor zum Kassenschlager wird. Seinem Charme werden auch diesmal wieder die Massen erliegen, dafür muss man kein Prophet sein. Und dann ist da ja noch diese Umweltprämie. 9000 Euro. Bei einem Einstiegspreis von 23.560 Euro. Man kann also ab 14.560 Euro ein knatschneues, absolut stylisches E-Auto fahren. Dem Erfolg der dritten Generation in Deutschland steht damit nichts mehr im Weg.


Eine Frage bleibt mir aber noch: "Gibt es dann auch bald die ersten vollelektrischen Abarths?", frage ich bei Fiat nach. Und merke schnell: So richtig was dazu sagen, will man offenbar noch nicht. Außer: "Abarth-Fans mögen den Krach" und "da gibt es noch keine Entscheidung". Muss ja auch nicht, hat ja noch Zeit. Schließlich bekamen auch die Abarths gerade erst ganz neue Sondermodelle.




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