Fahrbericht: Ford Mustang Mach 1 / Mach-E

Mathias Keiber

23 Juni. 2021

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Es ist ein Treffen nicht nur zweier Generationen, es ist eines zweier automobiler Zeitalter: Hier der Mach 1 als Paradebeispiel für die alte Autowelt, da der Mach-E aus dem Zeitalter der Elektromobilität. Ein bockstarkes Muscle Car, das lautstark aus allen Zylindern feuert, trifft auf einen hochgebockten Crossover, still wie ein Lämmchen, aber trotzdem durchzugsstark wie ein echtes Wildpferd.

Ein Tupfer Gelb im Grün: So sieht ein Muscle Car aus. (Foto: Mathias Keiber)


Mit dem Mach 1 geht Ford sprichwörtlich „Zurück in die Zukunft“. Der Vierzylinder ist verbannt, weil nur wenige Käufer die Wörter „Vierzylinder“ und „Muscle Car“ in einen sinnvollen Zusammenhang bringen konnten. Außerdem hätte man, so Ford, viel Geld in die Entwicklung stecken müssen, um den 2,3-Liter-Motor konform mit den jüngsten EU-Schadstoffnormen zu machen. Der Mach 1 kocht also mit acht Töpfen – und zwar „naturally aspirated“ per Saugmotor.


Es feuert ein Sauger aus acht Zylindern


Der 5 Liter großer Voll-Aluminium-V8 vereint ein hochleistungsfähiges Open-Air-Induktionssystem mit einem speziellen Ansaugkrümmer, 87 Millimeter großen Drosselklappen und einer Kombination aus Niedrigdruck-Zentralrohr- und Hochdruck-Direkteinspritzung. Das Ergebnis sind 460 PS, die bei 7.250 Touren bereitstehen, und ein maximales Drehmoment von 529 Newtonmetern bei 4.900 Umdrehungen. „Mit dem Mach 1 erreicht die Performance dieser Baureihe ein neues Level“, betont Matthias Tonn, Chefingenieur des Mustang Mach 1-Programms in Europa. „Es ist der leistungsfähigste Mustang, den wir je nach Europa gebracht haben.“

Unter der Haube: Keine zweite Haube, sondern ein Motor. (Foto: Ford)


Erstmals für einen Serien-Mustang in Europa kommt die manuelle 6-Gang-Schaltbox mit Schaltwegverkürzung und besonders belastbarer Zweischeibenkupplung zum Einsatz. Alternativ steht ein 10-Gang-Automatikgetriebe mit verstärktem Drehmomentwandler zur Verfügung – aber nicht in unserem Testexemplar.


Und jetzt heißt es: einsteigen und abfahren...


Der Spaß beginnt beim Anlassen: Es b-b-b-blubbert so gierig, dass meine Pumpe schon vor dem Druck aufs Gaspedal eine höhere Schlagzahl fährt. Behilflich dabei ist natürlich auch das 1000-Watt-Soundsystem des dänischen Premium-Herstellers Bang & Olufsen, das den Motorsound in den Innenraum transportiert. Dann der Griff an den einer Billardkugel nachempfundenen Schaltknauf und mal vorsichtig das Gaspedal streicheln – mein Grinsen nimmt Joker-ähnliche Ausmaße an.

Sportlich: Sitze, Lenkrad und Billardkugel-Knauf. (Foto: Ford)


Sechs Kolben für ein Halleluja


Auf den kurvenreichen Landstraßen des Nordschwarzwalds sorgt die Handschaltung dank Drehzahl-Angleichungs- und Direktschaltfunktion auch bei leicht bleifüßiger Fahrweise für verhältnismäßig sanfte Gangwechsel. Der Mustang lässt sich über die Landstraßen peitschen, ohne dass dabei auch nur ein Wunsch offen bleibt: Die Sechs-Kolben-Bremssättel von Brembo samt Bremskraftverstärker packen zu wie Bud Spencer in allerbesten Tagen, die elektro-mechanischen Servolenkung ermöglicht präzises Einsteuern in Kurven und der Hinterradantrieb beschleunigt mit einem saftigen Tritt in den Allerwertesten brachial wieder heraus. Und wie der Mach 1 dabei tönt – Leute, Leute! In gewissen Kreisen wird dieses gutturale Röhren ohne jeden Zweifel als „Ohrgasmus“ wahrgenommen werden. Dank Sport-Abgasanlage mit aktiver Klappensteuerung vielleicht sogar vom Fahrer des gerade überholten – erm, was für ein Auto war das nochmal? – Fahrzeugs.

19-Zoll-Leichtmetallräder mit "Pilot Sport 4"- Schlappen von Michelin. (Foto: Ford)


Ermöglicht wird das grandiose Handling durch Radaufhängungs-Komponenten aus dem Mustang Shelby GT350 und GT500 sowie das elektronisch geregelte, verstellbare MagneRide-Fahrwerk. Es wurde für den Einsatz im Mach 1 neu justiert und um straffere Federraten sowie größere Querstabilisatoren ergänzt. Fünf Fahrprogramme gibt es: „Normal“, „Sport+“, „Rennstrecke“, „Drag Strip Mode“ sowie „Schnee/Nässe“.


Die Höchstgeschwindigkeit von 267 Stundenkilometern ist im Schwarzwald natürlich nicht zu machen, auch nicht auf der viel zu dicht befahrenen A5 südlich von Karlsruhe. Aber dafür gibt’s den Genuss der Beschleunigung aus der Landstraßen-Haltebucht auf Tempo 100 in (etwa) 4,8 Sekunden – und das gleich mehrmals. Der Mach 1 mit automatischer 10-Gang-Schaltung schafft den Sprint sogar in 4,4, Sekunden, dafür ist bei Tempo 250 Schluss mit Beschleunigung.

Oben: Stromleitung: Darunter: stromlinienförmiger Mach 1. (Foto: Mathias Keiber)


Und damit rein in den Mach-E…


Manche – und es sind nicht wenige, die Mehrheit vermutlich sogar – mögen es als Sakrileg empfinden, einem Elektroauto, einem Crossover noch dazu, das Label „Mustang“ zu verpassen. Auch ich hadere damit. Doch wie dem auch sei, Ford hat sich dazu entschlossen. Und dafür gibt es auch gute Gründe. Der Ford Mustang ist der meistverkaufte Sportwagen der Welt und die Markenikone Fords. Somit muss der Mustang irgendwie ins elektro-mobile Zeitalter. Da sich unter den Stromern bislang aber vor allem SUV und Crossover gut verkaufen und der Mach-E aus unternehmerischer Perspektive eben auch Geld in die Kassen spülen soll, tritt er jetzt entsprechend auf. Und das auch eher als Familienwagen denn als Sportcoupé.

Macht eine gute Figur: der Mustang Mach-E. (Foto: Mathias Keiber)


Der Mustang Mach-E ist ein echter Brocken: 4,71 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,62 Meter hoch. Obendrein bietet er anders als sein Namensvetter eine vollwertige, wenn auch nicht unbedingt von vorbildlichen Platzverhältnissen geprägte Rückbank und fast schon reisetauglichen Stauraum: 402 bis 1420 Liter sind es hinten, weitere 100 Liter vorn. Positioniert ist er in etwa zwischen dem VW ID.4 und Audi e-tron. Man könnte ihn auch als günstigeren Jäger des Tesla Model Y (ab 58.620 Euro) bezeichnen. Und obwohl er auf den ersten Blick kaum etwas mit dem echten Mustang gemeinsam hat, auf den zweiten Blick gibt’s da doch das ein oder andere: die superlange Haube zum Beispiel, die vom Fahrersitz aus mit ihren vier Wölbungen die Sicht prägt und die durchaus ein gewisses „King of the Road“-Feeling aufkommen lässt. Oder die ausgestellten Kotflügel. Oder die nahezu identisch Heckleuchten. Etwas ungewöhnlich – um nicht zu sagen: gewöhnungsbedürftig – sind die Sensoren, mit denen sich die Türen öffnen lässen. Griffe gibt es keine, was der Aerodynamik dient, der Praktikabilität aber weniger.


Erhältlich ist der Mache-E mit zwei verschiedenen Akkus: Die Version mit 68 KWh Kapazität kommt nach WLTP auf eine Reichweite von 400 Kilometern, die mit 99 kWh-Batterie kommt auf bis zu 540 Kilometer. Außerdem gibt es das Modell in verschiedenen Leistungsstufen: Von 269 PS als Basismotorisierung bis zur für Ende des Jahres angekündigten GT-Version mit 487 PS und 860 Nm maximalem Drehmoment. Damit soll es in 3,7 Sekunden von Tempo 0 auf 100 gehen.


Ungezähmte Beschleunigung


Doch auch der Testwagen kann sich leistungsmäßig sehen lassen: mit 351 PS und 580 Nm schafft der Zweieinviertel-Tonner den Sprint von Tempo 0 auf 100 in 5,1 Sekunden – genauso schnell wie ein Audi SQ5. Dabei ist es egal, aus welcher Geschwindigkeit man lossprintet: Das Drehmoment steht immer augenblicklich zur Verfügung, die Kräfte werden auf alle Viere verteilt. Und dass der Mach-E Kraft hat, das macht jeder Kickdown unmissverständlich klar – insbesondere im Fahrmodus „Untamed“, dem des ungezähmten Pferdes also. Wäre da nicht das gigantisch große Touchdisplay im Hochformat (Tesla lässt grüßen) und die Stille beim Tritt aufs Gaspedal, man könnte fast schon meinen, man säße in einem klassischen Mustang.

Aufgeräumter Innenraum. (Foto: Ford)


Meinen könnte man das aber natürlich nur bis zur Höchstgeschwindigkeit des Mach-E, die für einen reinen Stromer aber immer noch recht großzügig ist: der Stromer schafft Tempo 180 und damit genau so viel wie Volvo-Modelle mit Verbrennungsmotor dieser Tage – und immerhin 20 km/h mehr als zum Beispiel ein VW ID.4. Dank der im Unterboden untergebrachten Batterie ist der Mach-E auch nicht so wankanfällig, wie er von außen erstmal erscheinen mag. Ein echter Mustang also?


Nein, ein echter Mustang hat einen 5-Liter-V8, aber so rein gefühlsmäßig hat sich der Stromer von Ford den Namen „Mustang Mach-E“ – mit der Betonung auf „E“ – schon verdient. Ja, man sitzt höher und man hört nix, trotzdem geht das Ding ab wie Schmidts Katze. Das einzig echte Wildpferd aber ist der Mustang mit 5 Litern Hubraum. Und den gibt es in Deutschland als GT mit gerade mal 11 PS weniger als beim Mach 1 schon ab 49.300 Euro, den limitierten Mach 1 ab 60.800 Euro. Wer einen vollwertigen Sportwagen fahren will, kann auch deutlich mehr blechen. Viel mehr klassisch-muskulöser Fahrspaß als im Mustang Mach 1 ist aber kaum möglich.


Typ: Ford Mustang Mach 1

Karosserie: Coupé

Motor: V8-Benziner

Hubraum: 5038 ccm

Leistung: 338 kW/460 PS

Drehmoment: 529 Nm

Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe

Antrieb: Hinterradantrieb

0-100 km/h: 4,8 s

Vmax: 267 km/h

Verbrauch (WLTP): 12,4 l/100 km

CO2-Ausstoß: 248 g/km

Gewicht: 1.839 kg

Länge/Breite/Höhe: 4797/1916/1403

Kofferraumvolumen: 408 Liter

Preis: 60.800 Euro (Grundpreis 49.300 Euro)


Typ: Ford Mustang Mach-E

Karosserie: SUV / Crossover

Motor: zwei Elektromotoren

Leistung: 258 kW / 351 PS

Drehmoment: 580 Nm

Getriebe: Eingang-Automatik

Antrieb: Allradantrieb

Von 0 auf 100: 5,1 s

Vmax: 180 km/h

Akku: 99 kWh

Ladegeschwindigkeit: bis zu 150 kW

Verbrauch (WLTP): 18,7 kWh/100 km

Gewicht: 2218 kg

Länge/Breite/Höhe: 4713/1881/1624

Kofferraum hinten: 402 bis 1420 Liter

Kofferraum vorn: 100 Liter

Preis: 62.900 Euro (Grundpreis: 46.900 Euro)

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Mathias Keiber

23 Juni. 2021