Fahrbericht: Hyundai Tucson 1.6 T-GDI Plugin-Hybrid

Mathias Keiber

14 Okt. 2021

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Das koreanische Kompakt-SUV meldet unterhalb des Premiumsegments kredible Klassenprimus-Ansprüche an.

Es war im Jahr 2011 auf der IAA in Frankfurt. Der damalige VW-Chef Martin Winterkorn machte eine Sitzprobe im Hyundai i30 und stellte legendär fest: „Da scheppert nix.“ Zehn Jahre später hat das von der Chipkrise weniger betroffene Hyundai der VW-Tochter Skoda zwei Monate infolge den Titel der in Deutschland beliebtesten Import-Automarke abgeknöpft – und schickt sich mit dem schicken Tucson genauso an, dem VW-Bestseller Tiguan Käufer abzuknöpfen.

Megaschick: der Grill. (Foto: Mathias Keiber)


Menschen schaut man in die Augen, sagt man, und wer das beim Tucson macht, bekommt einen Augenaufschlag, der sich wahrlich gewaschen hat: Aus dem Büffelkopf-förmigen Grill kristallisieren sich links und rechts jeweils fünf dreieckige Tagfahrlichter heraus, die im geparkten Zustand wohl kaum jemand erwarten würde. Auch beim Santa Fe ist Hyundai eine überaus beeindruckende Front gelungen, doch der Tucson darf diesbezüglich unter den SUV gut und gerne als Schönheitskönig gelten. Nicht minder beeindruckend ist das Lichtspiel am Heck: zwei nach innen zeigende Zacken links und rechts, verbunden durch ein kerzengerades Lichtband. Kurzum: Ob er einem entgegen kommt, oder ob man hinter ihm fährt, man erkennt den Tucson sofort.

Heck mit hohem Wiedererkennungswert (Foto: Mathias Keiber)


Doch hat er natürlich nicht nur Alleinstellungsmerkmale. Für den Antrieb in der Plugin-Hybrid-Variante sorgt das gleiche System wie im teilelektrischen Santa Fe: ein 180 PS starker Vierzylinder-Turbobenziner mit 1,6 Litern Hubraum in Kombination mit einem Elektromotor mit 67 kW oder 91 PS. Zusammen kommen die Beiden auf eine Systemleistung von 265 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment – die stärkste Motorvariante, die es für den Tucson gibt.


Für die Kraftübertragung auf alle vier Räder sorgt eine Sechsgang-Automatik; rein elektrisch kann der Teilzeit-Stromer mit seinem 13,8-kWh-Akkupaket bis zu 74 Kilometer nach WLTP fahren. Damit ist er auch noch in den kommenden Jahren förderbar: Ab 2022 müssen es dafür bei Plugin-Hybriden mindestens 60 rein elektrische Kilometer nach WLTP sein, ab 2025 mindestens 80.

Blick unter die Motorhaube. (Foto: Hyundai)


Der Bruttoeinstiegspreis von 42.350 Euro fällt unter die Nettopreisgrenze von 40.000 Euro, womit der Tucson Plugin-Hybrid mit 6750 Euro förderfähig ist. Platz für das eine oder andere optionale Extra ist auch noch, bevor man in die geringere Förderklasse zwischen 40.000 und 65.000 Euro netto rutscht. Serienmäßig sind 19 Zoll große Leichtmetallräder, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Digitalradio DAB+, ein 8-Zoll-Touchscreen, ein 10,25-Zoll-Instrumenten-Display, dazu Tempomat, Rückfahrkamera, elektrisch anklappbare Rückspiegel, Einparkhilfe hinten und Regensensor. Apple CarPlay und Android Auto sind auch immer mit an Bord.


Unser Testwagen ist in der Linie „Trend“ (plus 3.700 Euro) ausgestattet, die unter anderem einen autonomen Notbremsassistenten, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und ein Navigationssystem mit 10,25 Zoll großem Touchscreen beinhaltet. Darüber rangieren die „N Line“ (sportlich) und „Prime“ (luxuriös), beide sind für 7.250 Euro Aufpreis erhältlich.

Da passt ordentlich was rein. (Foto: Hyundai)


Für die Kompakt-SUV-Klasse bietet das 4,50 Meter lange, 1,87 Meter breite und 1,65 Meter hohe Auto (Radstand: 2,68 Meter) innen sehr viel Platz, auch auf der Rückbank. Der Kofferraum ist mit 558 Litern Ladevolumen voll familientauglich, mit komplett umgeklappter Rückbank sind es sogar bis zu 1721 Liter. Auch toll: Die Neigung der Rücksitzlehnen ist verstellbar.


Im Kofferraumboden lassen sich die Ladekabel verstauen. Verbindet man diese mit dem 7,2-kW-Onboard-Lader und einer entsprechenden Wallbox, ist die leere Batterie laut Herstellerangaben in rund zwei Stunden wieder aufgeladen. An der Haushaltssteckdose dürften es zwischen fünf und sechs Stunden sein. 

Im Cockpit dominiert Sensorik. (Foto: Mathias Keiber)


Im Zeitalter von Elektrifizierung und Digitalisierung angekommen ist auch das Cockpit, denn auf mechanische Bedienelemente wird weitgehend verzichtet. Dass Sensortasten mit akustischer Rückmeldung die bessere Wahl sind, gerade unter Sicherheitsaspekten, darf allerdings durchaus bezweifelt werden. Aber sie sind halt moderner und treffen damit den Geschmack junger Leute. Ältere Semester, die mit eingreifenden Fahrassistenzsystemen fremdeln, begrüßen jedoch die Taste am Lenkrad zum direkten Abschalten des Spurhalters. Absolut alle Altersklassen dürfen sich derweil über den hohen Sitzkomfort auf allen Plätzen freuen – nur der mittlere Rücksitz ist nicht viel mehr als eine gepolsterte Trennung zwischen den äußeren Sitzen. Ebenfalls angenehm: Geräuschdämmung und Federung schlucken sehr vieles von dem weg, was den Komfort im Innenraum potenziell leiden lässt.

Fahrspaß kommt nicht zu kurz. (Foto: Hyundai)


Nun kommt es innen aber nicht nur auf Komfort an, sondern auch auf Fahrspaß – und davon bietet der Tucson Plugin-Hybrid an SUV-Maßstäben gemessen doch einiges. Trotz zwei Tonnen Gewicht fährt sich das Auto verhältnismäßig spritzig und vergnügt, insbesondere im Sportmodus. Darin sind Tempo 100 aus dem Stand in 8,6 Sekunden erreicht, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 191 Stundenkilometer. Fahrdynamik wie bei den N-Modellen von Hyundai darf man freilich nicht erwarten.


Fazit: Der teilelektrische Tucson ist nicht nur ein schönes, sondern auch ein überaus brauchbares Kompakt-SUV – beim Kurzstreckenpendeln zur Arbeit genauso wie bei der Fahrt in den Urlaub mit Familie. Tiguan-Interessenten dürfen zurecht ins Grübeln kommen. 

Mathias Keiber

14 Okt. 2021