Fahrbericht MG ZS EV: Gelungene Premiere mit Luft nach oben

Attila Langhammer

17 Juni. 2021

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Die britische Marke MG ist mit chinesischer Technik zurück. Für den ersten Aufschlag auf dem deutschen Markt muss das vollelektrische Klein-SUV ZS EV herhalten. Hier erfährst Du, welche Stärken – und Schwächen – der kleine Kerl hat

YesAuto Bewertung:

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Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

(Fotos: YesAuto)


MG ist das Kürzel für Morris Garages, einer ehemals britischen Automarke, die vor allem bei Oldtimerfans einen guten Ruf genießt. Insbesondere die Roadster und Sportwagen der Typen MGA, MGB und MGC haben Kultstatus – allerdings stammen diese erinnerungswerten Modelle aus den Fünfzigern und Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts. Und weil danach immer weniger Bemerkenswertes kam, wars 2005 mit der Marke aus. Der Markenname wurde nach China verkauft und landete etwa 2007 oder 2008 in den Händen der ebenfalls chinesischen SAIC Motor Corporation.

Und jetzt kommt die britische Marke in chinesischer Hand wieder nach Europa. Hier startet der Hersteller mit dem B-Segment-SUV ZS EV und dem kompakten SUV EHS. Hier geht es um das kleine vollelektrische Modell ZS EV.


Was ist ein MG ZS EV?


Soviel vorweg: Mit dem ZS EV – Electric Vehicle – ist den Chinesen ein guter Einstand gelungen. Der MG ZS ist ein Klein-SUV mit einem Radstand von 2,58 Meter, seine Konkurrenten heißen beispielsweise Ford Puma, Hyundai Kona oder Jeep Renegade. Über diesem Radstand trägt der ZS eine 4,31 Meter lange und 1,64 hohe Karosse, die ein ordentliches Raumangebot liefert. Der Kofferraum fasst mindestens 446 und mit umgeklappter Rückbank maximal 1116 Liter, außerdem verfügt er über einen doppelten Ladeboden, so dass auf der Innenseiten keine Ladekante entsteht. Ein weiteres cleveres Karosseriedetail ist der Ladeanschluss in der Mitte der Fahrzeugfront: einmal auf das Markenlogo getippt und der Deckel schwenkt hoch und gibt den Anschluss frei. Nicht ganz so durchdacht erscheint hingegen der Umstand, dass der ZS nur lädt, wenn das Fahrzeug verriegelt ist, das bedeutet nämlich auch, das der Ladevorgang unter- oder abgebrochen wird, wenn das Auto zwischenzeitlich aufgesperrt wird. Also besser nix im Auto vergessen...


... denn laden musst Du die 44,5-kWh-Batterie des ZS relativ häufig. MG gibt den WLTP-Verbrauch mit 13,8 kWh Stunden und die entsprechende Reichweite mit 263 Kilometer an. Ich habe auf Autobahn und Landstraße im Bereich um 110 km/h laut Bordcomputer durchschnittlich 17 kWh auf 100 Kilometer verbraucht und damit bin ich eher 200 bis 220 Kilometer weit gekommen verschieben. Aber: beim Überland-Fahren fällt das für die Reichweite von E-Autos wichtige Rekuperieren, also das Erzeugen und Speichern elektrischer Energie während des Bremsens eher gering aus.

Die Energie aus der Batterie fließt an eine permanenterregte Synchronmaschine mit 105 kW (142 PS) und 353 Newtonmeter, angetrieben werden die Vorderräder. Und weil das Drehmoment E-Motor-typisch schon bei Drehzahl Null anliegt, spurtet der mindestens 1416 Kilo schwere ZS EV energisch los. Und anders als beim mit 395 Nm nur geringfügig stärkeren Kia E-Niro beherrscht das ESP die Vorderräder hier ganz klar, verhindert auch bei starkem Lenkwinkel und kräftigem Gasbefehl, dass die Vorderachse versucht Dir das Lenkrad aus den Händen zu reißen. Dafür hat die Vorderachse des ZS ein anderes Problem: im Bereich zwischen 120 und 140 km/h – der Höchstgeschwindigkeit – wirkt sie leicht taumelig, nicht allzu souverän geführt. Kommt dann noch Seitenwind ins Spiel gerät der ansonsten gute und komfortable Fahreindruck ins Wanken. Die Lenkung selbst ist ausreichend direkt aber nicht sportlich, lediglich um die Mittellage wirkt sie etwas taub.


Was bietet Dir der MG ZS EV an Ausstattung?


Wenn Du Dich mit Importmarken auskennst, dann weißt Du sicher, dass sich die freien Konfigurationsmöglichkeiten bei einem Import-Neuwagen stark in Grenzen halten. MG hebt diese Maßnahme auf ein neues Niveau: Für den den ZS stehen fünf Außenfarben und zwei Ausstattungen zur Wahl – Comfort ab 28.420 beziehungsweise Luxus ab 30.420 Euro.

Zum allgemeinen Serienumfang gehören sowohl ein Typ-1- als auch ein Typ-2-Ladekabel – letzteres lassen sich andere Hersteller gern extra bezahlen. Komfortschlüssel und Startknopf haben alle ZS an Bord, das lob ich mir. Auch Parkpiepser am Heck sind Standard und das macht bei der Karosse mit lediglich zeitgenössischer Übersichtlichkeit Sinn. Ebenso ist das androidbasierte Infotainment mit Acht-Zoll-Touchscreen immer an Bord, allerdings ist das Display reaktionsträge und die Menüführung nicht gerade intuitiv – immerhin kannst Du darauf gleich Android Auto und Apple Carplay nutzen. Passend zum Infotainment sind auch drei USB-Buchsen an Bord, zwei vorn und eine im Fond. Und eine Klimaanlage gehört zur Serienausstattung – diese wirkt aber ein bisschen unterdimensioniert. Um an einem 30-Grad-Tag etwas Erfrischung zu spüren, musst Du das Gebläse fast voll aufdrehen und selbst dann wird es vor allem laut aber nur mäßig frisch.

Mit der Maximalausstattung Luxus gibt's dann auch das schicke Panoramadach – aber im Sommer wird's damit noch wärmer im Innenraum und daher ist das vielleicht zu viel des Guten. Andererseits gibt's nur mit Luxus auch eine Rückfahrkamera und das Upgrade von 16- auf 17-Zoll-Felgen. Um das Maximum aus dem mit der E-Auto-Förderung günstigen ZS EV rauszuholen, solltest Du Dir meiner Meinung nach den Aufpreis für Luxus sparen – so macht das Auto mehr Sinn.

Denn auch die günstigere Variante hat bereits allerlei Assistenten an Bord: Fernlicht-, Notbrems-, Spurhalte-, Stau-Assi, Adaptivtempomat und Verkehrszeichenerkennung. Ein ganz erstaunliches Repertoire für einen, zumindest in Europa, recht jungen Hersteller.


Starkes Debüt mit kleinen Schwächen


Für einen Erstling präsentiert sich der MG ZS EV ganz gut: akzeptabler Fahreindruck, prima Raumangebot, netter Ausstattungsumfang und vor – mit der staatlichen Förderung – eub echter Kampfpreis. Aber es gibt auch ein paar offensichtliche Schwachstellen, an denen der Hersteller noch feilen muss: die reale Reichweite macht den ZS EV vor allem als Zweitwagen und für Pendler mit definiertem Fahrweg interessant; die Klimaanlage braucht ein Powerupdate – aber das würde am Akku nagen; und das Infotainment könnte manch verwöhntem deutschen Kunden die Lust am MG verleiden.



Attila Langhammer

17 Juni. 2021