Fahrbericht Mitsubishi Eclipse Cross PHEV: Strom als Glücksbringer

Thomas Flehmer

06 Apr. 2021

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Mitsubishi setzt sein jüngstes Modell Eclipse Cross unter Strom. Nicht nur der Sprung in die elektrische Zukunft gelingt, mit dem Plugin-Hybrid-Antrieb verschwand das zuvor verunstaltete Heck

(Fotos: Mitsubishi)

Es scheint, als würden viele asiatische Hersteller die Fertigstellung eines kompletten Autos mit großen Feierlichkeiten begehen. Bei diesen innerbetrieblichen Events wird dann zumeist noch die bis dahin vergessene Gestaltung der Heckpartie nachgeholt, sodass zahlreiche Hinterteile aus Japan oder Korea doch häufiger – sagen wir es neutral – befremdlich für unsere Breitengrade wirken. Auch bei Mitsubishi musste die Feier beim ersten Eclipse Cross einen ziemlich ausschweifenden Charakter gehabt haben angesichts einer durch einen thekenähnlichen Spoiler geteilten Heckscheibe.


Sicher sollte der Spoiler am Ende des Eclipse Cross an die dynamische Gene des von 1990 bis 2021 gefertigten Sportcoupés Eclipse erinnern, erwies sich aber für die Übersicht nach hinten als recht unpraktikabel. Nun hat Mitsubishi das Kompakt-SUV auf Teilzeitstrom umgestellt und das bei Outlander Plugin-Hybrid erfolgreiche Modell eine Stufe tiefer umgesetzt. Mit der Einführung des unweit wichtigeren Antriebs ist zugleich das geteilte Heck verschwunden, das die Erstauflage verunzierte. Außerdem ist die Front des bei der Überarbeitung um 14 Zentimeter in der Länge auf 4,54 Meter gewachsenen Eclipse Cross modernisiert worden.


Bekannte Antriebseinheit


An den vorher schon geräumigen Platzverhältnissen ändert der Längenzuwachs kaum etwas. Verbessert wurde die Sicht nach hinten. Aber auch im übersichtlich gestalteten Innenraum sind die Komponenten wichtiger, die den Kontakt zu den Einheiten unterhalb der Motorhaube herstellen. Wie der kompakte Gangwahlhebel für das Eingang-Getriebe, der nicht irgendeinem stark angestrengt dröhnenden CVT-Getriebe die Befehle erteilt, sondern den immerhin knapp zwei Tonnen schweren Teilzeitstromer leise vom Parkplatz pilotiert.

Die aus dem Outlander Plugin-Hybrid bekannte Antriebseinheit des 2,4 Liter großen Vierzylinder-Benziner mit in Relation zum Hubraum kargen 98 PS vereinigt sich mit einem 82 PS starken Elektromotor auf der Vorderachse sowie einem 95 PS starken Aggregat auf der hinteren Achse zu einer Systemeinheit über 188 PS. Bis zu 61 Kilometer kann damit das rein elektrische Fahren genossen werden, das den Eclipse Cross PHEV nach dem Ampelstart ganz leise in die Pole Position bringt, um sich anschließend ganz entschleunigend dem urbanen Alltagsverkehr anzupassen und womöglich noch den einen oder anderen Kilometer dem Akku per Rekuperation neuen Strom zuträgt. Laut WLTP reicht der Akku für 45 Kilometer.


Besonders für Pendelverkehr geeignet


Und damit kommen wir zum Einsatzgebiet des Eclipse Cross, das sich wie bei allen anderen Fahrzeugen mit Plugin-Hybrid auf den Pendelverkehr beschränkt. Eine überschaubare Kilometeranzahl innerhalb des zweistelligen Bereichs bringt den Benziner vielleicht noch auf den letzten Kilometern zum Schwitzen, ansonsten unterstützt der Verbrenner bei zu großer Last oder der Beschleunigung die beiden elektrischen Aggregate.

Vor Ort wird dem PHEV wieder Strom zugefügt – was an der Haushaltssteckdose mit 3,7 Kilowatt sechs Stunden dauert, an einer Chademo-Ladesäule lediglich 25 Minuten bis 80 Prozent Batteriekapazität – um dann wieder elektrisch oder den größten Teil elektrisch die Heimfahrt anzutreten. Wer viel und lange auf Landstraßen oder Autobahnen unterwegs ist, sollte sich mit einem anderen Fahrzeug beschäftigen. Und das liegt nicht an der limitierten Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h im rein elektrischen und 162 km/h im Hybrid-Modus.


230 Volt-Steckdose im Kofferraum


Ist dann daheim das eigene Haus mit einer Photovoltaik-Anlage bestückt, könnte sich das Laden je nach Sonnenschein äußerst günstig auswirken. Sollte die Sonne noch sehr kräftig wirken, könnte der Eclipse Cross dank einer im Kofferraum rechts angebrachten 230 Volt-Steckdose noch als günstiger Zwischenspeicher zu Nutze sein. Dort können Geräte mit bis zu 1500 Watt Leistung angeschlossen werden – theoretisch also eine Waschmaschine neuerer Bauart.

Der Eclipse Cross ist also mehr als nur ein Auto und zeigt damit auch eine hilfreiche Richtung an, in die die (teil-) elektrische Mobilität der Zukunft gehen könnte. Das Auto selbst soll sich mit 19,3 kW/h Strom und 1,7 Litern auf den ersten 100 Kilometern ohne Nachladung zufriedengeben, was ihm bei der Effizienzklasse ein A+ und lediglich einen CO2-Ausstoß von 41 Gramm pro Kilometer einbringen soll. Auch hier ist aber – wie bei den reinen Verbrennern – der rechte Fuß das ausschlaggebende Maß.


9000 Euro finanzielle Unterstützung


Wenn Du gerne dem Ampelstart frönst und Dich schnell von Deinen anderen Verkehrsteilnehmern absetzen möchtest, was der Eclipse Cross PHEV auch gut kann, schnellt der E-Verbrauch in die Höhe und gleichzeitig sinkt die Reichweite. Fährst Du ruhiger durch die City und nutzt die Rekuperation, wächst die rein elektrische Fahrtstrecke an. Aber das Spezielle an der elektrischen Fahrweise sorgt schon automatisch dafür, dass der Spagat zwischen sportlichem Sprint und vorausschauender Mittelstrecke mit Einsparpotenzial sich einpendelt.

Und Einsparpotenzial wird benötigt. Immerhin 30.890 Euro kostet die Basisversion – und da sind die Förderungen durch Staat und Hersteller schon eingerechnet. Die Version mit dem Namen Top kostet vollausgestattet 48.500 Euro – also nach Abzug der Förderung knapp unter 40.000 Euro. Mitsubishi setzt aber auf das neue Pferd. Rund 10.000 Einheiten sollen noch in diesem Jahr in Deutschland verkauft werden, rund ein Viertel aller Verkäufe des japanischen Importeurs in Deutschland. Der Plugin-Hybrid-Antrieb spielt dabei eine große Rolle. Auch das neu gestaltete Heck könnte sich als verkaufsfördernd herausstellen.


Fazit


Mit dem Eclipse Cross Plugin-Hybrid setzt Mitsubishi seinen bisher erfolgreichen teilelektrischen Weg mit dem Outlander eine Klasse tiefer fort. Das Kompakt-SUV lässt sich komfortabel fahren und ist innen übersichtlich und praktikabel eingerichtet. Für Pendler mit übersichtlichen Strecken eignet sich Mitsubishis Neuer gut, wer zudem eine Photovoltaik-Anlage sein eigen nennt, kann weiteres Sparpotenzial abrufen. Der Teilzeitstromer hat das Potenzial, dem kleinen Importeur wieder mehr Renommée zu verschaffen und kann sich als Glücksbringer für das Unternehmen erweisen.

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Thomas Flehmer

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