Fahrbericht Opel Grandland: Mehr Kicks ohne X

Thomas Flehmer

30 Aug. 2021

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Opel hat dem Grandland ein üppiges Facelift zukommen lassen. Der Wegfall des Namenszusatzes fällt dabei nicht ins Gewicht

(Fotos: Opel)

Opels Erfolgsmodell Mokka gilt als Vorreiter. Das kleine SUV verlor als erster Geländegänger sein X, das den Hauch von Tauglichkeit abseits des Asphalts darstellen sollte. Nun hat die nominelle Sparmaßnahme auch den Grandland erreicht, der künftig auf den Appendix verzichten muss. Dass sich die Trauer dabei in Grenzen hält, hat der Grandland seinen Ingenieuren zu verdanken, die den 4,48 Meter langen Erfolgstypen, der seit 2018 rund 300.000 Mal verkauft wurde, kräftig aufpeppten.

Und auch dabei steht der Mokka Pate. Denn wie der Mokka hat auch der Grandland die neue, Vizor genannte, Kühlerfront erhalten, die das zuvor eher altbackene Gesicht in eine hochmoderne Frontmaske verwandelt, mit dem sich der Grandland von seinen französischen Geschwistern Peugeot 3008 und Citroen C5 Aircross absetzt.


Neben dem modischen Schick haben auch die Licht-Spezialisten ihre Visitenkarte hinterlassen. Das adaptive Intellilux-LED-Licht, das aus dem Insignia stammt, leuchtet mit insgesamt 168 LED-Elementen die Umgebung aus ohne dabei die anderen Verkehrsteilnehmer zu blenden. Darüber hinaus zieht mit dem Night-Vision-System ein Nachtsichtgerät in das Fahrzeug ein, das Du bisher eher höheren Segmenten kennen könntest. Per Wärmebild-Kamera erkennt das System bis zu 100 Meter weit entfernte Menschen und Tiere in der Dunkelheit und warnt den Fahrer vor. Natürlich gibt es beide Helfer nicht kostenlos, sie sind für 1350 beziehungsweise 1000 Euro extra zu haben.

Und natürlich sind es nicht die einzigen Utilities, die Aufpreis kosten. Auch die Sitze mit dem Gütesiegel „Aktion Gesunder Rücken“ sowie diverse Pakete oder spezielles Infotainment treiben die Preise in die Höhe beginnend bei 27.250 Euro für die Basisvariante bis hin zur fast doppelt so teuren Topvariante Ultimate, die bei 54.460 Euro startet, dann aber schon diverse – ansonsten aufpreispflichtige – Systeme an Bord hat.


Dabei bietet der in der höchsten Ausstattungsvariante Ultimate topbestückte Grandland Hybrid4 von Haus aus weiteres Sparpotenzial. Knappe 7200 Euro werden als Umweltprämie gleich beim Kauf vom Preis abgezogen, sodass der Plugin-Hybride schon unter 50.000 liegt – und wie gesagt: Es ist die am besten ausgestattete Variante, die mit einem 1,6 Liter großen Benziner mit 147 kW/200 PS sowie einem 81 kW/110 PS starken Elektromotor auf der Vorderachse sowie einem 83 kW/113 PS starken E-Motor hinten auf eine Systemleistung über 221kW/300 PS kommt.

Damit erreicht der 1,8 Tonnen schwere Grandland Hybrid4 bereits nach 6,1 Sekunden Tempo 100, doch ist die Sprintzeit ebenso vernachlässigbar wie die Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h mit Verbrennerunterstützung. Die rein elektrische Spitzengeschwindigkeit endet bei 135 km/h. Auf der Autobahn hält der Grandland also lange mit.


Und gerade der mitgelieferte Elektrostecker gibt dem Hybrid4 den tieferen Sinn. Hier haben die Ingenieure nachgelegt und die rein elektrische Reichweite auf bis zu 65 Kilometer gesteigert, sodass die meisten Fahrten im Alltag emissionsfrei abgespult werden können. Zwei Stunden beträgt die Ladezeit, wenn die Energie über einen Onboardcharger mit 7,4 kW an einer 22-kW-Ladesäule oder Wallbox in den Akku fließt. An einer haushaltüblichen Steckdose sind siebeneinhalb Stunden Geduld gefragt. Belohnt wird die Geduld mit einer lautlosen Fahrt dank des E-Antriebs, die zu einer entspannten Fahrweise beiträgt.

Und an eines sollte bei einem Plugin-Hybriden, für den sich rund 36 Prozent aller Grandland-Kunden entscheiden, gedacht werden: Wenn es keine Möglichkeiten zum Aufladen gibt, sollte auf die Anschaffung des alternativen Antriebs verzichtet werden, da der Benziner dann allein die Last der schweren Batterie stemmen muss. Das ergibt keinen Sinn.


Dann bietet sich der 1.2 Direct Injektion Turbo an. Der Dreizylinder-Benziner verfügt wie der 1,5 Liter große Diesel über 96 kW/130 PS und ist somit kräftig ausgestattet. Als Handschalter mit sechs Gängen, die sich sehr flüssig einlegen lassen, dringt der Benziner, für den sich laut Opel knapp die Hälfte der Käufer entscheiden, innerhalb von 10,1 Sekunden in den dreistelligen km/h-Bereich, mit der Acht-Stufen-Automatik dauert es zwei Zehntel länger. Mit dem Benziner endet der Fahrspaß allerdings schon bei 188 km/h.

In beiden Versionen, die am 16. Oktober auf den Markt kommen, arbeitet in dem ebenfalls aufgepeppten Innenraum das so genannte Pure Panel mit, das aus einer zwölf Zoll großen Instrumententafel sowie einem Touchscreen mit einer Größe über zehn Zoll besteht. Das Innenleben stammt dabei nicht aus dem neuen Astra, bei dem die Instrumente ganz auf modern getrimmt wurden. Der Genspender bleibt auch in diesem Bereich derselbe und heißt – wie soll es anders sein - Mokka.

Thomas Flehmer

30 Aug. 2021