Fahrbericht: Opel muckt mit neuem Mokka auf

Mathias Keiber

08 Feb. 2021

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Zum Monatsende kommt der neue Mokka zu den Händlern. YesAuto durfte das Lifestyle-SUV jetzt schon Probe fahren, als Stromer und als Verbrenner. Unser Matze berichtet.

Mit dem neuen Mokka will sich Opel so richtig freischwimmen. Die Marke mit dem Blitz soll endlich wieder begehrenswert wirken, ja, sie will hip sein. Und wenn man sich den Mokka so anschaut, dann kommt man unweigerlich zum Schluss: Das dürfte gelingen. Denn nicht nur lässt der neue Mokka die etwas pummelig geratene Vorgängergeneration alt aussehen, er wirkt auch deutlich frischer, frecher und frohlockender als sein natürlicher Rivale, der VW T-Roc. Das liegt zum einem am Vizor, dem neuen Markengesicht Opels, das sich schlank über die Fahrzeugfront erstreckt und Scheinwerfer, Tagfahrlichter sowie zentral das Logo umrahmt. Zum anderen liegt es an der Formensprache, die – ungewöhnlich für ein SUV – tatsächlich „dynamisch“ wirkt. Nimmt man die kräftige Basis, das niedrige, coupéhaft abfallende Dach in Augenschein, könnte man fast den Eindruck bekommen, der Mokka kenne einen gewissen Zuffenhausener Karosserie-Genossen nicht nur vom Hörensagen.


Die dynamische Zeichnung zeigt sich auch an den Dimensionen: Im Vergleich zur vorherigen Generation fällt der neue Mokka mit einer Höhe von 1,53 Meter um mehr als 12 Zentimeter niedriger aus, während er um 1 Zentimeter auf 1,79 Meter in die Breite gewachsen ist. Außerdem ist er um 12,5 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger. Mit einer Länge von damit nur noch 4,15 Meter grenzt er sich vom etwas längeren Crossland ab, der im Portfolio gewissermaßen die Rolle des alten Mokka übernimmt – also die des kleinen, gemütlichen SUV.

Automobiler Augenschmaus fürs urbane Umfeld: der Mokka-e Ultimate. (Foto: Mathias Keiber)


Der neue Mokka nimmt derweil eine Rolle ein, die es vorher bei Opel so nicht gab: die des Markenhipsters, des urbanen Lifestylers. „Weniger normal, mehr Mokka“, sagt man in Rüsselheim. Das ist automobiles Marketing-Sprech, aber es trifft den Nagel durchaus auf den Kopf. Denn gestalterisch ist das kleine SUV der größte Wurf von Opel seit gut 20 Jahren. Wie immer liegt das natürlich im Auge des Betrachters. Doch merkt man bei der Probefahrt der batterieelektrischen Version durch die Mainzer Innenstadt, dass es dieser Betrachter ganz schön viele gibt. Beispiele gefällig? Aber gerne!


Gestikuliert mir auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums jemand zu: „Darf ich ein Foto machen?“ Daumen hoch. Vom Parkplatz runter an die rote Ampel: Zwei Rentner, einer davon mit Rollator, überqueren die Straße, sehen den giftgrünen Opel mit schwarzem Dach, bleiben stehen und fuchteln mit den Fingern: „Das ist doch der neue Mokka!“ Kurzum: Der Mokka ist ein echter Hingucker. Und das Innenstadt-Publikum kam erst noch.

Auch von hinten kann sich der Mokka-e Ultimate sehen lassen. (Foto: Mathias Keiber)


Gerade dort, in der City, im dichten Stop-&-Go-Verkehr, zeigt der Mokka-e im Eco-Modus als angemessen behagliches Vehikel: er ist wendig, bietet als SUV naturgemäß einen guten Überblick und die lasche Gasannahme im auf 60 kW Leistung begrenzten Eco-Modus bringt auch nervöse Gasfüße nicht in die Bredouille. 20 kW mehr Leistung gibt’s im „Normal“-Modus, nochmal 20 kW mehr im spaßigen „Sport“-Modus mit 100 kW, der insbesondere beim Auffahren auf die Autobahn Freude bereitet.


260 Nm maximales Drehmoment bedeuten jedoch auch, dass der Spaß bei höheren Geschwindigkeiten schnell an seine Grenzen kommt. Mehr als 150 km/h sind im Mokka-e eh nicht drin. Sonst wäre die Batterie mit 50 kWh Speicherkapazität ziemlich schnell leer. Doch sind mit ihr nach WLTP immerhin 324 Kilometer Reichweite drin – und nach 30 Minuten an einer Gleichstrom-Ladesäule ist die Batterie auch wieder zu 80 Prozent voll. Das kann sich durchaus sehen lassen.

Robust und mit schwarzem Blitz zeigt sich der Mokka GS Line. (Foto: Mathias Keiber)


Zünftigen Fahrspaß auf Landstraßen bereitet auch die Verbrenner-Variante, jedenfalls in der Top-Motorisierung mit 130 PS. Sobald der Dreizylinder aus dem Turboloch raus ist, goutiert er einen gepflegten Kickdown auch akustisch. Tatsächlich ist im Innenraum bei nicht zu lauter Radio-Beschallung ein brunftiges Brüllen zu vernehmen. Auf hügeligen, kurvenreichen Landstraßen im Taunus wird die Probefahrt bei Kaiserwetter selbst mit Frontantrieb (Allrad gibt’s nicht) zum echten Genuss: Geschmeidig und mit ausreichend Druck auf dem Kessel geht’s hinauf und hinab, um Kurven und Spitzkehren, während der Anfang Februar seltene Sonnenschein den laublosen Wald gold färbt.

18-Zoll-Leichtmetallräder mit schwarz-roten Akzenten kennzeichnen die GS Line. (Foto: Mathias Keiber)


Alles töfte also? Nö, nicht ganz. Der neue Mokka ist ein Lifestyle-SUV und wie bei den meisten dieser Autos geht der Stil etwas zulasten der Substanz. Konkret heißt das: Als Langstreckenauto taugt der Mokka trotz Opel-typisch bequemer Sitze eher nicht, jedenfalls nicht für Fahrer oder Beifahrer jenseits 1,90 Meter. Der Mitteltunnel etwa erhebt sich fast schon zur Grenzmauer. Das hilft zwar bei der Bedienung, pfercht aber die Beine ein. Auf der Rückbank haben Menschen über 1,80 Meter nichts verloren. Bei etwas über 1,90 Meter ist aufrechtes Sitzen im Fond längst nicht mehr möglich; Ein- und insbesondere Aussteigen wird zum Abenteuer.


Doch muss man sich an dieser Stelle eben auch die Frage stellen: Wer nutzt ein Lifestyle-SUV schon als Familienkutsche? Opel beantwortet diese Frage im Grunde genommen so wie die Konkurrenz auch: nicht viele. Wer eh meist allein oder nur mit einem Beifahrer unterwegs ist, der kann die Rückbank umlegen, so dass das Kofferraumvolumen von 350 auf respektable 1.105 Liter wächst (Mokka-e: 310-1.060 Liter). Dank eines Zwischenbodens entsteht dabei eine ebene Ladefläche auf Höhe der Ladekante. Das ist praktisch und praktisch ist gut.

Das Kofferraumvolumen von 350 Litern wächst bei umgelegter Rückbank auf über 1000 Liter. (Foto: Opel)


Praktisch zeigt sich der neue Mokka auch bei der Bedienung. Das „Pure Panel“ genannte Armaturenbrett etwa lässt einem Navigation, Infotainment und Fahrmodi weitgehend über mechanische Schalter regeln. Das ist sehr schön, denn es sind genügend volldigitale Fehlentscheidungen auf den Straßen unterwegs.


Für die Probefahrt zur Verfügung standen Mokka und Mokka-e in den Top-Ausstattungen „GS Line“ (sportlich) bzw. „Ultimate“ (komfortabel). Äußerlich trifft die Marke mit dem Blitz mit beiden Varianten voll ins Schwarze. Ja, der neue Mokka ginge bei einer Sendung namens „Germany’s Next Subcompact SUV Top Model“ als klarer Favorit ins Rennen.

Modern und digital, ohne auf analoge Schalter zu verzichten: das Cockpit des Mokka-e Ultimate. (Foto: Opel)


Zur Wahrheit gehört aber auch: Blickt man innen über das 12 Zoll große Instrumenten-Display und den Navi-Touchscreen im 10-Zoll-Format hinaus, macht sich der Ruf von Stellantis-Chef Carlos Tavares als Cost-Cutter par excellence bemerkbar: Der Hartplastik-Anteil ist gemessen an Ausstattungsniveau und Preis ziemlich hoch, die Carbon-Optik der „GS Line“ ist auf den ersten Blick als Optik zu identifizieren.


Entscheidet man sich für den Mokka-e in der Ausstattungsvariante „Ultimate“, sind mindestens 41.220 Euro fällig. Richtig, davon kann man effektiv knapp 10.000 Euro abziehen, die Staat und Opel zuschießen. Doch zum Vergleich: Den kürzlich modellgepflegten Hyundai Santa Fe, ein rund 4,80 Meter langes Familien-SUV mit glaubwürdigem Premium-Anspruch, gibt’s ab 42.900 Euro.

Neuer Mokka: Auch bei der Preispolitik zeigt sich Opel sportlich-ambitioniert. (Foto: Opel)


Die Basisversion des Mokka-e steht mit 34.110 Euro in den Bestellbüchern, wobei dank Innovationsprämie und „Opel Green Deal“ auch hiervon knapp 10.000 Euro abgezogen werden können. Die Einstiegsversion des Dreizylinder-Benziners mit 100 PS ist ab 19.900 Euro erhältlich und bleibt damit unter der psychologisch ja nicht ganz unwichtigen Marke von 20 Mille. 130 PS gibt’s ab rund 22.815 Euro.


Fazit: Opel ist mit dem neuen Mokka ein Auto gelungen, das Begehrlichkeiten weckt und das Image der Marke mit dem Blitz wieder auf Vordermann bringen wird. Das weiß Opel und zeigt sich daher in der Preispolitik, speziell beim Mokka-e, entsprechend selbstbewusst. Mehr Auto für weniger Geld kann man haben. Die Frage ist also: Wie sehr will man den Mokka?


Mokka-e Ultimate: 100 kW/136 PS, maximales Drehmoment: 260 Nm, 0-100 km/h: 9 s, Vmax: 150 km/h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 17,4-18,0 kWh/100 km, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Batteriekapazität: 50 kWh, Reichweite 313 - 324 km (WLTP), Laden: Wallbox (7 kW) ca. 5 h, Schnellladen (100 kW) 30 min (80 Prozent)


Mokka GS Line: 1,2-Liter-Dreiyzlinder-Turbo, 96 kW/130 PS, maximales Drehmoment: 230 Nm bei 1.750 U/min, Frontantrieb, 0-100 km/h: 9,1 (9,2) s, Vmax: 202 (200) km/h, Normverbrauch: 5,5-5,7 (5,9-6,0) Liter/100 Kilometer (WLTP), CO2-Ausstoß: 124128 (133-137) g/km, Abgasnorm: Euro 6d, Effizienzklasse: A (B)

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