Fahrbericht Opel Vivaro-e: Bergauf, bergab

Thomas Flehmer

09 Juli. 2021

1/6
Opel beweist mit dem Vivaro-e, dass Elektromobilität auch in alpinen Regionen funktioniert. Selbst Bergsteiger-Legende Reinhold Messner nutzt den elektrischen Transporter in den Bergen

(Fotos: Opel)


Mit insgesamt sechs Museen regelt Reinhold Messner seinen Nachlass, um der Nachwelt das Phänomen Bergsteigen näher zu bringen. Das letzte Museum Corones auf dem Gipfel des Kronplatz in Südtirol beleuchtet die rund 200 Jahre alte Geschichte des Bergsteigens. Viele Exponate sind in dem in den Berg gehauenen Museum untergebracht, die auch in den anderen fünf Ausstellungen des Messner Mountain Museum immer wieder benötigt werden. Der seit 1980 engagierte Umweltaktivist setzt bei dem Transport der Exponate auf alternative Energien.

Wir brauchen um unsere Form des Museums zu betreiben, einen größeren Wagen, um Bilder herumzufahren. Wir machen Wechselausstellungen. Oben auf den Corones haben wir alles mit einem elektrischen Vivaro zusammengefahren“, sagte der 76-Jährige gegenüber Yesauto und stellt unter Beweis, dass Elektromobilität auch außerhalb der Stadt funktionieren kann.


Höchstgeschwindigkeit liegt bei ausreichenden 130 km/h


Angetrieben wird der Vivaro-e von einem 100 kW/136 PS starken Elektromotor mit 260 Newtonmeter Drehmoment. Das Aggregat kommt auch in anderen Baureihen Opels sowie des Stellantis-Konzerns zum Einsatz. Zwei Batterien mit 50 kWh oder 75 kWh stehen zur Auswahl, um Strom an den Motor zu spenden und den Vivaro-e bis zur Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h anzutreiben. Diese sind im Unterboden installiert und kosten deshalb keinen Stauraum.

Die Fahrt – auch in den hohen Geschwindigkeitsbereichen – verläuft gleichmäßig und sehr leise. Dank des hohen Sitzes kann der Verkehr ganz entspannt von oben herab betrachtet werden. Die Laufruhe trägt zur Entspannung beim Fahren bei, es stellt sich fast ein Gefühl von Urlaub ein, sodass nicht unbedingt versucht werden muss, schnell zu fahren. Auf der anderen Seite entfaltet sich die Leistung auch nach dem Eindringen in den dreistelligen km/h-Bereich gleichmäßig und gar nicht zäh, so dass die 130 km/h-Grenze auch schnell erreicht werden kann.


Bis zu 329 Kilometer Reichweite mit einer Ladung


Dann allerdings sinkt die Reichweite, die je nach Größe der Batterie bis zu 329 Kilometer betragen kann. Angst vor fehlenden Kilometern muss der Fahrer eines Vivaro-e deshalb nicht befürchten. Ist die Infrastruktur gut ausgebaut, kann an einer Schnellladesäule mit 100 kWh Gleichstrom die kleine Batterie innerhalb einer halben Stunde auf bis zu 80 Prozent aufgeladen werden, für den größeren Akku werden 15 Minuten länger benötigt.

Etwas schwerer tut sich der Vivaro-e, wenn Reinhold Messner den ersten rein elektrischen Transporter der Rüsselsheimer mit seinen Exponaten, die bis zu 3,93 Meter lang sein dürfen, vollpackt und das zulässige Zuladungsgewicht von 1200 Kilogramm ausschöpft. Dann wird die Fahrt mit dem Nutzfahrzeug, das es in den Längen mit 4,60, 4,95 und 5,30 Metern gibt, zäher – vor allem bergauf. Auch schwindet dann die Reichweite schneller als auf einer ebenen Straße.


Ladezustand und Ladestellen per App


Ist der International Van of the Year 2021 ausgeladen und begibt sich auf den Rückweg, erhält der Elektro-Transporter per Rekuperation wieder Energie, sodass sich die Reichweite wieder erhöht und der Vivaro-e beim Bergabrollen geladen wird. Wird dabei die B-Taste gedrückt, erübrigt sich das Bremsen an den meisten Stellen und der Vivaro-e rekuperiert noch stärker. Am Ende stehen fast so viele Kilometer wieder zur Verfügung wie vor der Fahrt den Berg hinauf.

Auf der rund 125 Kilometer langen Fahrt zwischen Bruneck in Südtirol und Innsbruck verlor der Vivaro-e 130 Kilometer an Reichweite. Aufgrund der Brennerüberquerung und flotter Fahrweise ein guter Wert. Schwindet die Reichweite gegen null kann über die digitalen Services OpelConnect sowie die Apps MyOpel App und Free2Move App Ladezustand sowie Lademöglichkeiten abgerufen und nach Bedarf angesteuert werden.


Brennstoffzellen-Variante des Vivaro kommt im Herbst


Zudem bewahren diverse Fahrassistenten den Vivaro-e und dessen Fracht vor Unheil. Der sieben Zoll große Monitor stellt beim Rückwärtseinparken scharfe Bilder der Umgebung zur Verfügung. Trotz seiner Maße und Gewichten zwischen 2,8 und 3,1 Tonnen gibt sich der Vivaro-e recht behände bei einem Wendekreis von 11,30 Metern.


Bei 35.650 Euro beginnen die Preise für den Vivaro-e, der als Transporter, mit Doppelkabine, als Kombi oder Plattform für Aufbauten zur Auswahl steht. Davon können bei den Fahrzeugen bis 40.000 Euro netto 9000 Euro Umweltbonus abgezogen werden. Übersteigt der Nettopreis die 40.000 Euro, schrumpft die Förderung auf 7500 Euro.

Für Messner ist der Vivaro für den alltäglichen Einsatz zwischen seinen Museen „das ideale Auto“. Allerdings fordert der Extrembergsteiger weitere neue Antriebe. „Ich bin immer noch der Meinung, dass wir noch lernen müssen, welche Technologien für welche Strecken geeignet sind.“ Für ihn habe es wenig Sinn, die lange Strecke zwischen seinen Wohnsitzen Schloss Juval in Südtirol und München elektrisch zurückzulegen: „Ich würde gern rein alternativ fahren, aber wenn man so extrem wohnt wie ich, ist das nicht möglich.“ Allzu lange warten muss Messner nicht: Im Herbst kommt der Vivaro als Brennstoffzellen-Variante – dann kann er zwischen seinen Wohnorten pendeln und wird nicht durch einen längeren Ladevorgang aufgehalten.

Thomas Flehmer

09 Juli. 2021