Fahrbericht Peugeot 508 PSE Limousine: Spritztour mit Spaßfaktor

Mathias Keiber

27 März. 2021

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Der Sportler mit Plugin-Hybrid-Antrieb fährt sich so, wie er ausschaut – echt gut.

Fans filmischer Verfolgungsjagden ist der Film "Ronin" mit Robert de Niro und Jean Reno ohne Zweifel ein Begriff. Ein fulminantes Vergnügen, das kein Schlagloch, Pardon: keine Logiklücke, trüben kann. Absoluter Höhepunkt ist eine Verfolgungsjagd durch Paris: Die Bösewichte im BMW 535i, de Niro und Reno im Peugeot 406 hinterher. Vielleicht wäre es mal an der Zeit für ein Sequel. Denn jetzt gibt es mit dem 508 PSE — das Kürzel steht für "Peugeot Sports Engineered" — wieder einen Peugeot, dessen Qualitäten als Verfolgungsauto durch und durch glaubwürdig sind. Und das sieht man dem elektrifizierten Mittelklasse-Sportler auch an. Mit kurzen schwarzen Endrohren, mit Spoiler, mit ausgeprägten Schwellern und mit neongelb umrahmten Lufteinlässen macht der 508 PSE unmissverständlich klar: nach vorne geht‘s, und zwar zügig.

Dicker Spoiler, dicke Schlappen, dicke Rohre: der 508 PSE verheimlicht nichts. (Foto: Mathias Keiber=


Damit das gelingt, und das tut es, kommen gleich drei Motoren zum Einsatz: ein 200 PS starker 1,6-Liter-Benziner, der seine Kräfte auf die Vorderachse schickt, ein ins Automatikgetriebe integriertes E- Aggregat mit 110 PS Output und ein zweiter Elektromotor an der Hinterachse mit 113 PS. Letzterer versetzt einem zwar keinen bajuwarischen Tritt in den Hintern, aber spürbar ist er trotzdem. Zusammen kommt das Trio Infernale im Sportmodus auf eine Systemleistung von 360 PS und 520 Newtonmeter maximales Drehmoment. Damit absolviert das Auto den Sprint von Tempo 0 auf 100 in durchaus beachtlichen 5,2 Sekunden. Zum Vergleich: Der BMW M340i xDrive mit 374 PS schafft das in 4,4 Sekunden, allerdings hat der Münchner auch keine Batterie zu schleppen. Der Peugeot ist mit 1,85 Tonnen Leergewicht über 100 Kilo schwerer.


Dafür ermöglicht die Batterie des 508 PSE eine rein elektrische Reichweite von 42 Kilometer nach WLTP. Nutzt man den Elektromodus, ist die Leistung auf 140 PS und die Geschwindigkeit auf 140 km/h begrenzt. Ist der Akku mit seiner Kapazität von 11,5 kWh leer, lässt er sich mit dem optionalen 7,4-kW-Onboard-Charger in etwa 100 Minuten an einer öffentlichen Säule vollladen. Mit dem serienmäßigen 3,7-kW-Lader dauert der Vorgang etwa doppelt so lang. Ein echter Clou: Die Batterie ist so unter den Rücksitzen verstaut, dass das Kofferraumvolumen gegenüber den konventionell angetriebenen 508-Varianten gleichbleibt. Das gilt für die Limousine (487 bis 1537 Liter) genauso wie für den Kombi (530 bis 1780 Liter).

Auch von innen sieht man dem 508 PSE den Sportler an. (Foto: Peugeot)


Dank straffem, aber nicht unterziehendem Fahrwerk mit vorn und hinten verbreiterter Spur wird die erste Ausfahrt auf den engen, kurvenreichen Landstraßen Rheinhessens zur Spritztour mit Spaßfaktor: die Lenkung ist präzise, ohne überempfindlich zu sein, die Bremsen packen kernig zu und das Herausbeschleunigen aus Kurven erweist sich als automobiles Zuckerschlecken. Nur soundmäßig darf man nicht allzu viel erwarten – ein Vierzylinder-Turbo mit gerade einmal 1,6 Litern Hubraum ist eben nicht so ganz der Brüller. Aber das muss auch gar nicht sein bei einem elektrifizierten Fahrzeug. Tatsächlich passt die relative Stille im Innenraum doch ganz gut zum Plugin-Hybrid-Antrieb.


Genauso zu Hause ist der 508 PSE auf den linken Spuren deutscher Autobahnen. Zwar ist es wegen größtenteils dichten Verkehrs nicht möglich, die sprintstarke Limousine bis zu ihrer elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h auszufahren, doch bei Tempo 220 liegt sie noch so souverän auf der Straße wie de Niro die Augenbrauen hochzieht. Ruckeln tut da überhaupt nichts.


Überhaupt, der Innenraum: Hochwertige Materialien sind bei einem Einstiegspreis von rund 66.000 Euro natürlich Pflicht, und die wird auch erfüllt. Heißt konkret: erstklassige Sitze, bezogen mit Alcantara, gesteppt mit neongelbem Garn; weicher Schaumstoff, wo immer man auch seinen Arm ablegen mag; Aluminium für den Gasfuß und Ambiente-Beleuchtung fürs Auge. Die kühle Farbgestaltung im Inneren harmoniert prächtig mit dem Äußeren und sorgt dafür, dass man das Auto nicht mit einem Wellness-Tempel auf Rädern verwechselt. Was jedoch nicht heißt, dass der Chefsessel irgendetwas anderes als superbequem ist. Hat man einmal hinterm Steuer Platz genommen, wünscht man sich das Fahrtziel in weite Ferne. Der Weg wird im 508 PSE tatsächlich zum Ziel.

Auf den Sitzen lässt es sich aushalten. (Foto: Peugeot)


Nach WLTP kommt der 508 PSE auf einen Durchschnittsverbrauch von gerade einmal 2 Litern, was auf der Autobahn natürlich absolut illusorisch ist. Zustande kommt der Wert durch die rein elektrische Reichweite von 42 Kilometern. Da nur die ersten 100 Kilometer für die Ermittlung gemessen werden, fällt diese kräftig ins Gewicht.


Dass das stärkste Serienmodell, das Peugeot je gebaut hat, im Rahmen der Innovationsprämie förderfähig ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, ist aber Realität. Die Limousine startet bei 66.640 Euro, wovon man 5625 Euro Prämie abziehen kann. Dieselbe Summe kann man vom Preis für den Kombi subtrahieren, der ab 67.940 Euro in den Büchern steht. Für manche Käufer geht das sparen auch nach dem Kauf noch weiter, denn für die verminderte Dienstwagensteuer ist der 508 PSE natürlich auch qualifiziert.


Daten Peugeot 508 PSE Limousine

Motor: Vierzylinder-Benziner + 2 E-Maschinen

Getriebe: Automatik

Antrieb: Allradantrieb

Hubraum: 1598 ccm

Leistung (Gesamtsystem): 360 PS (265 kW)

Von 0 auf 100: 5,2 Sek.

Höchstgeschw.: 250 km/h

Verbrauch: 2,0 l/100 km

CO2-Ausstoß: 46 g/km

elektrische Reichweite: 42 km

Kofferraum: 487 Liter

Gewicht: 1850 kg

Maße: 4750 / 1859 / 1403

Preis: 66.640 Euro


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Mathias Keiber

27 März. 2021