Fahrbericht Renault Clio: Drei Motoren für ein Halleluja?

Attila Langhammer

16 Apr. 2021

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Ein Kleinwagen mit drei Motoren und einem Getriebe mit Motorsportanleihen – das klingt nach einer wilden Tuningfantasie, ist im Renault Clio der fünften Generation aber ganz bürgerlich verpackt. Ich beleuchte hier für Dich die guten und die schlechten Seiten

(Fotos: YesAuto)

Der Renault Clio der fünften Generation ist seit dem Sommer 2020 auch als dreimotoriger Hybrid zu haben. Neben der Kombination aus einem Verbrenner und zwei Elektromotoren gehört auch noch ein kupplungsloses Getriebe zum Antriebsstrang des kleinen Franzosen und spätestens damit ist die Wundertüte perfekt gepackt


Drei Motoren im Renault Clio E-Tech 140


Der Antriebsstrang im Hybrid-Clio setzt sich wie folgt zusammen: Unter der Motorhaube steckt ein 91 PS und 144 Nm starker 1,6-Liter-Vierzylinder, der wird unterstützt von einem 15 kW starken Starter-Generator und im Getriebe ist ein 36 kW-E-Motor verbaut – die kombinierte Systemleistung liegt bei 140 PS; das E-Drehmoment kurzzeitig bei 205 Nm, häufiger bist Du aber mit dem Benziner-Drehmoment unterwegs. Der Energiespeicher hat eine Kapazität von 1,2 kWh.

Der Hybrid ist ausschließlich mit einem automatisierten kupplungslosen Sechsganggetriebe zu haben. Bei Renault heißt das Ding Multi-Mode-Getriebe, weil es sowohl die konventionellen, die hybriden und die elektrischen Fahrmodi ermöglicht. Der gesamte Antriebsstrang ermöglicht sowohl die parallele als auch die serielle Nutzung der Antriebsaggregate: im seriellen Betrieb erzeugt der Benziner die elektrische Energie, die der E-Motor zum Fahren braucht und lädt mit überschüssiger Energie eventuell die Batterie, im parallelen Betrieb wechseln sich beide Aggregate nahtlos nach dem Entweder-Oder-Prinzip bei den Antriebsaufgaben ab.

Linsen unter den Spiegeln besorgen das Bild für die virtuelle 360-Grad-Sicht (439 Euro, City-Paket)


Weil das Getriebe ohne Kupplung auskommt, lehnt Renault sich weit in Richtung Motorsport aus dem Fenster und bezeichnet es auch als sogenannte Dog Box. Dabei sind diese Motorsportgetriebe für ihre harten und deutlich hörbaren Schaltvorgänge bekannt – im E-Tech-Clio vollziehen sich diese aber extrem unauffällig und komfortabel, das ist ein sehr attraktiver Ansatz. Das es dem Getriebe etwas an Schnelligkeit mangelt, liegt wohl im Sinne der Öko-Sache und stört bei diesem Kleinwagen auch nicht weiter.

Die versteckten Türgriffe an den hinteren Türen sind für große Hände nicht optimal


Insgesamt wirkt der Antriebsstrang kräftig und er macht auch auf der Autobahn eine gute Figur. In der Stadt überzeugt er aber mehr, auch weil der Hybrid-Clio sehr gut rekuperiert und so immer wieder Strom fürs Anfahren zur Verfügung steht. Im Brake-Modus des Getriebes wird zudem (sicht- und) spürbar mehr elektrische Energie in den Miniakku eingespeist, das sogenannte Einpedal-Fahren ist aber nicht möglich.

Das Fahrwerk ist gekonnt abgestimmt, es bietet auch auf den 17-Zoll-Leichtmetallrädern (390 Euro) noch hohen Komfort und bringt die ganze Kiste trotzdem ohne lästige Neigung um die Kurven. Die elektromechanische Servolenkung arbeitet auf gutem Kleinwagenniveau.


Viel Konnektivität und Ausstattung im Renault Clio


Die Sitze sind hingegen für meinen Geschmack etwas zu sehr aufgepolstert und das die Lehnenneigung nach wie vor mit einem Hebel einzustellen ist, finde ich unangemessen. Ein Kleinwagen braucht keine E-Sitze, aber ein Rädchen dürfen wir schon erwarten.

Ansonsten bietet das Cockpit eine gute Ergonomie, die Mittelkonsole ist sehr leicht zum Fahrer hingedreht um die Bedienung zu erleichtern. Ein schickes Element sind die liegenden Bedientasten auf der Mittelkonsole. Und ein echter Hingucker ist das Infotainmentsystem im Hochformat – bei Renault Easy Link. Die Diagonale des Displays misst zwar nur rund 18 Zentimeter aber weil es auf der kurzen Seite steht, ist die Übersichtlichkeit sehr gut. Zudem sind auch die Schaltflächen an dem Rand des Displays gut zu erreichen, der auf der Beifahrerseite liegt. Bei manchen horizontal ausgerichteten Displays musst Du Dich da schon ganz schön strecken.

Der Umfang des Infotainments liegt auf bekanntem Niveau: Android Auto, Apple Carplay, Bluetoothfreisprecheinrichtung, Navigation, Sprachsteuerung. Und dazu gibt es ein besonderes Highlight, das Renault schon lange im Programm hat, das aber immer etwas untergeht: der Bediensatellit. Diese Radiofernbedienung liegt rechts unten hinterm Lenkrad und ist quasi unsichtbar – sicher ein Grund für die schwache Wahrnehmung. Dabei lässt sich mit dem Ding mit nur wenig Übung ganz wunderbar das Radio bedienen, ohne dass Du die Hände vom Lenkrad nehmen musst.

Ein anderes Ausstattungsmerkmal, das Du zwar auch von innen steuerst, aber außen nutzt, sind die serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer – im Kleinwagensegment ist das noch keine Selbstverständlichkeit. Die Lichtausbeute ist hell, allerdings wirkt der Lichtfleck vorm Auto ein bisschen zerfasert.


Zur weiteren Serienausstattung aller Clio-Modelle gehören zudem ein Funkschlüssel samt Zentralverriegelung; der Spurverlassenswarner samt aktivem Lenkeingriff – der ist in seiner Art des Eingriff zwar auch nicht unbedingt angenehm, hält sich mit seinen Eingriffen aber glücklicherweise sehr zurück; außerdem eine Verkehrszeichenerkennung die mit dem Tempomat kommunizieren kann und entsprechend die Höchstgeschwindigkeit der Beschilderung anpasst – allerdings hat auch die Zeichenerkennung von Renault so ihre Schwächen. In dem Punkt haben aber alle Hersteller noch Nachholbedarf.

Den peppigen Metalliclack auf unserem Tester müsstest Du wenn dann selber bezahlen: Valencia-Orange kostet wie vier andere Töne 700 Euro, für 500 Euro darfst Du immerhin schon zwischen einmal blau und zweimal grau inklusive Metallflakes wählen.


Wieviel Clio muss es wirklich sein?


Gegenüber seinem Vorgänger hat sich Clio Nummer fünf durchaus gemacht, auch wenn er äußerlich vielleicht nicht für jeden gleich als der Neue zu erkennen ist. Das Fahrverhalten würde ich als europäisiert bezeichnen, die Sitze weisen ihn aber recht eindeutig als Franzosen aus. Als dreimotoriges Technikwunder (im Kleinwagensegment) hinterlässt er einen guten Eindruck, allerdings verdirbt der technische Aufwand ein wenig die Preise – mindestens 22.650 Euro stehen in der Liste. Den launigen 90-PS-Benziner bekommst Du für deutlich weniger mit deutlich mehr Ausstattung.


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Attila Langhammer

16 Apr. 2021