Fahrbericht: Seat Leon Sportstourer 1.5 eTSI

Mathias Keiber

21 Juli. 2021

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In vierter Generation wird der kompakte Kombi zur vollwertigen Familienkutsche. Als Fahrerauto taugt er aber genauso.

Mit den Kompaktwagenkombis seiner Töchter aus Spanien und Tschechien steht der VW-Konzern hoch in der Gunst deutscher Autokäufer: Sie bedienen maximal stauraumbedürftige Praktiker mit dem Skoda Octavia Kombi genauso wie jene, die etwas mehr Style bei immer noch hoher Alltagstauglichkeit wollen. Für letzteres steht der neue Seat Leon Sportstourer (ST) mehr denn je. 


Der Kombi misst in der Länge nun beträchtliche 4,64 Meter – womit er gefühlt nur noch 6 Zentimeter von der Mittelklasse dieser Tage entfernt ist. Zwar gibt es keine offizielle Grenze, aber der BMW 3er ist mit etwas mehr als 4,70 eben kaum länger. Profitieren im Leon ST tun davon in erster Linie die Leute in der zweiten Reihe. Mein üblicher Schnelltest: Ich, etwas 1,92 Meter lang, nehme hinter den Fahrersitz Platz, nachdem ich diesen bereits für mich eingestellt habe. Und das klappt im neuen Leon ST problemlos: Kopf und Knie bleiben von Decke und Vordersitz unberührt, quasi genauso wie im Octavia. Große Unterschiede gibt’s auch beim Kofferraumvolumen nicht: Seat gibt zwischen 620 Liter bei aufrechter Rückbank und 1600 Liter bei umgeklappter an. Zum Verglich: beim aktuellen Octavia sind es zwischen 640 und 1700 Litern.

Auf den ersten Blick sehen sich auch die Cockpits recht ähnlich: Die Geschwister um den Golf Variant teilen sich vieles, dazu gehören einzelnen Komponenten wie digitale Instrumente und Touchdisplays, doch leider auch ein recht hoher Hartplastik-Anteil und obendrein noch immer weniger mechanische Bedienelemente. Letzteres mag vielleicht im Geschmack des Kunden sein, in seinem Sinne kann es nicht. Denn die Augen gehören auf die Straße und zu erfühlen gibt es auf Touchscreens schlicht nichts. Während der Octavia seinen Fahrern noch eine praktische Tastenleiste unter dem Touchscreen kredenzt, lautet im Leon ST die Devise: „style over substance“. Konkret kommen sogenannte „Slider“ zum Einsatz. Die Klimatisierung ist im Menü des Navi-Touchscreens begraben und muss erst einmal freigeschaufelt werden, bevor sie verstellt werden kann. Das ist ärgerlich, letztendlich aber konform mit dem auf Lifestyle ausgerichteten Markenkern von Seat.


Eben dieser Markenkern wird natürlich auch mit dem äußeren Erscheinungsbild bedient. Während man beim Octavia schon den Eindruck haben kann, es gebe eine Art Design-Drossel, darf der Leon gerne etwas expressiver aussehen. Das zeigt sich zum Beispiel an der dynamischeren Silhouette, an den filigraner konturierten Frontscheinwerfern und am gefälliger geformten und fantasievoller ausgestalteten Kühlergrill. Wirken die hervorstehenden Längsstreben des Octavia fast schon wie ein Abstandshalter, mutet das quer gestreckte Gitter des Leon weitaus weniger plakativ an. Auch das sozusagen dreifaltige Heck des Leon bietet mehr fürs Auge, insbesondere durch das Leuchtband, das die Rücklichter entlang der oberen Falte miteinander verbindet.

Die Motorenpalette ist reichhaltig: Einstiegsbenziner ist ein Einliter-Dreizylinder mit 90 oder 110 PS, darüber positioniert ist ein 1,5-Liter-Otto mit 130 oder 150 PS – die jeweils stärker Variante gibt es auch als 48-Volt-Mildhybrid (eTSI) und in diesem Fall immer mit Doppelkupplungsgetriebe. Außerdem verfügbar ist ein 2-Liter-TDI mit wahlweise 115 oder 150 PS, wobei der stärkere Selbstzünder auch mit Allradantrieb bestellbar ist. Abgerundet wird die Palette von einer Erdgas-Variante mit 130 PS.


Gefahren bin ich den mildhybridisierten 1,5-Liter-Turbobenziner mit 150 PS Leistung und 250 Nm maximalem Drehmoment. Unterstützt wird das Aggregat von einem Startergenerator, der aus einer 48-Volt-Batterie mit Strom versorgt wird. Zum Einsatz kommt dieser beim Anfahren und im Schubbetrieb zum Kraftstoff sparen.


Zu den Fahreindrücken: Innerorts, über Land und auf der Autobahn kann der Leon Sportourer restlos überzeugen. Beim Gas geben zieht er sauber und gleichmäßig durch, das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe hält sich dabei angenehm im Hintergrund, arbeitet geradezu vorbildlich unauffällig. Ähnlich heimlich, still und leise geht die Zylinderabschaltung vonstatten. Man bekommt sie kaum mit.


Was man hingegen mitbekommt: Schon im normalen Fahrmodus setzt sich der Leon ST deutlich von seinen Geschwistermodellen ab: Es ist betont straff und gibt sich in Sachen Fahrbahnbeschaffenheit ziemlich auskunftsfreudig. Besonders souverän zeigt er sich in Kurven, wo er hohe Geschwindigkeiten gehen kann und trotzdem nicht ins Wanken gerät. Mit optionalem DCC-Fahrwerk lassen sich die Fahreigenschaften noch weiter radikalisieren.  

Gemütlich kann der Kompaktkombi aber genauso, dafür hat Seat den Komfortmodus mit drauf gepackt, der seinem Namen voll und ganz gerecht wird. Wer mit dem Gedanken spielt, von Golf Variant oder Skoda Octavia zum Leon Sportstour zu wechseln, darf beruhigt sein: Der Komfortmodus macht’s einem leicht.


Vieles leichter macht einem auch die verfügbare Armada an Assistenzsystemen. Serienmäßig dabei ist ein Notbremssystem mit Kollisionswarner, eine Spurhaltehilfe und eine Einparkhilfe. Ansonsten gibt es neun verschiedene Pakete. An der Spitze steht das „XL“-Paket für 930 Euro mit adaptiver Geschwindigkeits- und Distanzregelung bis 210 km/h, Fernlichtassistent, Totwinkelassistent und Ausstiegsassistent.


Preislich startet der Seat Leon ST bei 21.920 Euro. Dafür bekommt man den Einliter-TSI mit 90 PS und Basisausstattung „Reference“. Der gefahrene 1.5 eTSI schlägt mit mindestens 29.100 Euro zu Buche, kommt dafür aber schon in der leicht gehobenen Ausstattung „Style“. Ganz oben stehen die Variante Xcellence (ab 31.200 Euro) neben der sportlichen FR-Version (ab 31.000). Damit ist das Ende der preislichen Fahnenstange jedoch noch lange nicht erreicht. Der Textwagen kömmt auf knapp 45.000 Euro.


Fazit: Platzverhältnisse auf Mittelklasse-Niveau, ein super-souveräner Antriebsstrang und ein Anti-Biedermeier-Fahrwerk sind schlagkräftige Argumente für das Auto. Das Bedienkonzept lässt hingegen zu wünschen übrig.


Modell: SEAT Leon Sportstourer FR

Motorisierung: 1.5 eTSI

Getriebe: 7-Gang-DSG

Leistung: 110 kW (150 PS)

Höchstgeschwindigkeit: 221 km/h

Beschleunigung: 8,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h Sekunden

CO₂-Emissionen (NEFZ): kombiniert 113-111 g/km; CO₂-Effizienzklasse: A

Kraftstoffverbrauch (WLTP): 6,1-5,7 l/100 km

Länge: 4,64 Meter

Radstand: 2,68 Meter

Höhe: 1,44 Meter

Breite mit Außenspiegeln: 1,99 Meter (ohne: 1,80 Meter)

Bodenfreiheit: 120 Zentimeter

Wendekreis: 10,5 Meter

Leergewicht: 1.411 Kilogramm

Zuladung: 654 Kilogramm

Zulässiges Gesamtgewicht: 1.990 Kilogramm


Serienausstattung FR: 6 Lautsprecher, 7 Airbags, Außenspiegel elektrisch einstell-, anklapp- und beheizbar inkl. Beifahrerspiegelabsenkung, Türgriffe und Stoßfänger in Wagenfarbe, Dachreling in Schwarz, Außenspiegelgehäuse in Cosmo Grau lackiert, Blinkleuchten mit LED-Technologie integriert in Außenspiegel, Bordcomputer, Climatronic mit 3-Zonen-Temperaturregelung, Digitaler Radioempfang DAB+, Multifunktions-Lederlenkrad und Leder-Schaltknauf, Elektronische Differenzialsperre (XDS) für Vorderachse, Elektronische Parkbremse inkl. Auto-Hold-Funktion, Elektronische Stabilisierungskontrolle (ESC) inkl. Antiblockiersystem (ABS) und Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR), Sitze vorne mit Höhenverstellung, Lendenwirbelstütze für Fahrer und Beifahrer, Fensterheber vorne und hinten elektrisch, Geschwindigkeitsbegrenzer, ISOFIX-Kindersitz-Sicherungssystem in der 2. Sitzreihe links und rechts, Keyless Go, LED-Technologie für Scheinwerfer, Tagfahrlicht und Heckleuchten, Media-System „Plus“, 2 USB-C-Schnittstellen vorn, Audiosystem mit 8,25-Zoll-Farb-Touchscreen, Bluetooth-Schnittstelle mit integrierter Freisprechanlage und Audio-Streaming, Müdigkeitserkennung, Rücksitzlehne asymmetrisch geteilt umklappbar, Fernentriegelung zum Umklappen der Rücksitzbanklehne im Kofferraum, Mittelarmlehne hinten mit Durchlademöglichkeit, SEAT Connect – vorbereitet für die Aktivierung der Dienstepakete Sicherheit/Assistenz und Fernzugriff, SEAT Drive Profile, Seitenscheiben ab 2. Sitzreihe und Heckscheibe dunkel getönt, Türeinstiegsleisten vorne beleuchtet, Virtual Cockpit, Geschwindigkeitsregelanlage (GRA), Voll-LED-Heckleuchten und Infinite Light, Dynamisches LED-Lichtband am Heck, elektromechanische Servolenkung, Spurhalteassistent, Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht-Funktion in LED-Technologie, Ultraschall-Einparkhilfe hinten


Sonderausstattung: 18-Zoll-Leichtmetallräder „Performance II“ (glanzgedreht), Seitenairbags hinten und Knieairbag für Fahrer, Businesspaket INFOTAIN, Dachhimmel in Schwarz, Heckklappe elektrisch betätigt (Öffnen und Schließen) inkl. Sensorsteuerung (Virtual Pedal), Rückfahrkamera, Dynamic-Paket, Fahrassistenz-Paket XL für Navigationssystem, 230-V-Steckdose im Kofferraum, Reserverad als Notrad, Anhängevorrichtung (schwenkbar), Parklenkassistent mit Einparkhilfe vorne, Smart Ambient Light, Beats Audio Soundsystem, Standheizung inkl. Funkfernbedienung, Leisten an den Seitenfenstern (außen) in Glossy Black, Schlüsselloses Schließ- und Öffnungssystem „Kessy Advanced“, Licht- und Sichtpaket, Panorama-Glas-Schiebedach, Winter-Paket, Voll-LED-Scheinwerfer, MAPCARE mit Karte für Europa integriert, Dinamica-Paket inkl. elektrischem Fahrersitz mit Memory-Funktion, Individual-Lackierung



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Mathias Keiber

21 Juli. 2021