Fahrbericht Suzuki SX4: Unsichtbare Größe

Attila Langhammer

11 Dez. 2020

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Suzukis handlichen Crossover mit dem sperrigen Namen – SX4 S-Cross – gibt es seit März 2020 ausschließlich als Mildhybrid-Variante mit 10-kW-Elektro-Anfahrhilfe. Hier erfährst Du, was die Kiste kann. Und was nicht ...

YesAuto Bewertung:

/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit


(Fotos: YesAuto)


Der Suzuki SX4 ist ein bescheidener und vernünftiger Kerl. Bei der ersten Begegnung lässt er Dich ganz klar wissen, "Ich fahre mit Dir zum Baumarkt, zum Kindergarten, zu Oma und Opa, zum Supermarkt, und gern auch von Berlin nach München", – und dann macht er es einfach. Sind alle Pflichten abgehakt und der SX4 geparkt, fühlt es sich an, als hätte sich ein Concierge um alles gekümmert, denn an den denkst Du auch nur, wenn Du ihn brauchst.

Wahrscheinlich kann diese Beziehung auf der Sachebene über viele Jahre funktionieren, aber das wäre dem Suzuki SX4 gegenüber ungerecht. Denn er hat eine Menge positiver Eigenschaften, er posaunt sie bloß nicht heraus. Von vorne nach hinten zählen die folgenden Merkmale zu seinen Stärken:


Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer, die eine gleichmäßige und helle Lichtausbeute bieten; lediglich dem Fernlicht mangelt es ein wenig an Brillianz und Fokus.

Der drehfreudige 1,4-Liter-Turbobenziner mit 129 PS der sich trotz des Verlusts von elf Pferdchen nach Umstellung auf die Mildhybridtechnik kein bisschen müde anfühlt. Dazu trägt auch das sauber zu schaltende manuelle Sechsganggetriebe bei, dass den Motor mit einer gut aufeinander abgestimmten Gangfolge großartig ergänzt.

Der Innenraum ist großzügig und luftig, auch Reihe Zwei ist für große Erwachsene keine Zumutung. Aber weil die Sitzhöhe hinten über der vorderen liegt, kommt das Dach näher; auch das Panoramadach raubt Luft. Der Kofferraum fasst 430 bis 1269 Liter – Maße, die sich leicht über fünftürigem Kompaktniveau bewegen. Und weil das Ladeabteil nicht verwinkelt ist, ist die Zugänglichkeit klasse. Theoretisch würde hier eine Europalette rein passen – in Verbindung mit der maximalen Zuladung von 605 Kilo (Vorderradantrieb) echt praktisch.

Fahrdynamisch geht's im SX4 gediegen zu. Der Motor ist leise und pumpt die Leistung recht lässig aus seinen vier Zylindern. Erst ab etwa 150 km/h, wenn die Kraft aus geringem Hubraum von den langen Gängen fünf und sechs abgeführt werden soll, wird's langsam zäh. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit erreichen nur geduldige Fahrer auf freier Autobahn, da es bereits oberhalb von 130 Sachen windlärmig wird, etabliert sich die Richtgeschwindigkeit als vernünftiger Tempodeckel. Das Fahrwerk fühlt sich auch bei hohen Geschwindigkeiten noch verbindlich an – erst wenn Landstraßengeschwindigkeit, Richtungswechsel und schlechter Straßenbelag gleichzeitig einwirken, kommt es ein wenig aus dem Tritt.


Das Cockpit ist angenehm übersichtlich und in Anbetracht des Digitaldramas bei anderen Herstellern wirkt das schlichte Kombiinstrument mit analogen Rundanzeigen und digitalem Bordcomputer sogar augenweidend. Wichtig: Wenn Du die Beleuchtung des Kombiinstruments dimmen willst, dann musst Du oben rechts hineingreifen und ein dünnes Stäbchen drehen. Das Infotainment (ab Comfort) funktioniert, aber die Bedienlogik ist nicht so intuitiv wie bei den Mitbewerbern. Der digitale Radioempfang (DAB, Serie) enttäuscht.

Wenn Du Dich bis hierher mit dem unauffälligen Suzuki SX4 anfreunden konntest, dann gibt's hier noch eine Minimalkaufberatung im Schnelldurchlauf: Es gibt nur einen Motor, aber der hat viele Qualitäten. Den Allradantrieb, der nur im Bedarfsfall Kraft an die Hinterräder leitet, gibt's optional (1803 Euro) für Comfort (ab 25.627 Euro) und immer mit Comfort Plus (ab 30.306 Euro). Schon die Basis Club (ab 24.457 Euro) ist mit Zweizonenklimaautomatik, vier E-Fensterhebern, Adaptivtempomat sowie Bluetoothkonnektivität solide ausgestattet. Ich rate aber zu dem spürbaren Mehr der Linie Comfort: die enthält unter anderem auch die sinnvolle Rückfahrkamera. Wählbare Pakete gibt es keine beim SX4, einzig acht Metalliclacke stehen für je 536 Euro zur Wahl.


Fazit

Als der Suzuki SX4 noch als ungeformtes Blech rumlag, muss er wohl den Wunsche geäußert haben, "Wenn ich fertig bin, möchte ich ein ganz normales Auto sein." Und sein Wunsch wurde erhört. Abgesehen von seiner Positionierung als Crossover verkneift er sich sämtliche unerträgliche Marketing-Banalitäten und nervt höchstens mit seinem schwachen DAB-Empfang. Fahrerisch gibt er sich keine Blößen, der Antriebsstrang ist für Massenware erstaunlich attraktiv und ohne Allrad und Vollaussattung passt auch der Preis.


Gib ihm eine Chance, fahr ihn Probe!


Technische Daten: Testwagen Suzuki SX4 S-Cross Boosterjet Allgrip Comfort Plus Hybrid


Länge/Breite/Höhe: 4300 mm/1785 mm/1580 mm

Radstand: 2600 mm

Verbrennungsmotor: 1,4-Liter-R4-Turbo, 95 kW/129 PS bei 5500 U/min, maximales Drehmoment: 235Newtonmeter bei 2000-3000 U/min

Antrieb: semipermanenter Allradantrieb

Getriebe: manuelles 6-Ganggetriebe

Leergewicht: 1265 Kilogramm

0-100 km/h: 3,3 s

Vmax: 190 km/h

Durchschnittsverbrauch (WLTP): 4,9 l/100 km

CO2-Ausstoß (WLTP): 110 g/km

Abgasnorm:Euro 6d

Tankinhalt: 47 Liter

Preis: ab 30.306 Euro







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Attila Langhammer

11 Dez. 2020