Formel 1: Altmeister Alonso beschert Teamkollege Sensationssieg

Frederik Hackbarth

02 Aug. 2021

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Die F1 liefert in Budapest einen epischen Grand Prix: Esteban Ocon wird zum Sensationssieger, Sebastian Vettel disqualifiziert und Max Verstappen wieder abgeschossen

(Fotos: Alpine, Formel 1)

Selten hatte ein Formel-1-Rennen in der jüngeren Vergangenheit so viele Geschichten zu erzählen wie der Ungarn-Grand-Prix 2021: Von einem unerwarteten Sensationssieger bis hin zu einem Altmeister, der seinem Schüler zum Sieg verhilft. Von einem Weltmeister, der auf einmal ganz allein im Grid steht und sich trotz Mega-Schnitzer seines Teams am Ende doch als Gewinner fühlen darf. Von einem völlig frustrierten Ex-WM-Führenden bis hin zu einem frustrierten Ex-Champion, der seinen zweiten Platz per Disqualifikation am Abend wieder verliert...


Doch der Reihe nach: Esteban Ocon gewinnt im Alpine sensationell seinen ersten Grand Prix. Einerseits hat der 24 Jahre alte Franzose, dessen Eltern für seine Rennsportkarriere sogar mal ihr Haus verkauften und der trotz großen Talents zwischenzeitlich schon in der F1-Versenkung zu verschwinden drohte, am Sonntag endlich mal das Glück des Tüchtigen: Ein Chaos-Start, der einen Großteil der Top-Fahrer aus dem Rennen nimmt, spült ihn nach vorne. Danach trifft sein Team die richtige Reifenwahl. Und Ocon fährt an der Spitze um sein Leben, wird fast 70 Runden lang von Sebastian Vettel um den Kurs gejagt, macht aber keinen Fehler.

Andererseits hat er mit Fernando Alonso wohl den besten Teamkollegen der Welt. Der spanische Altmeister, am Donnerstag vor dem Rennen gerade 40 Jahre jung geworden, zeigt in Budapest die ganze Palette seines sagenhaften Könnens am Volant. Eine epische Show liefert Alonso beim Verteidigen gegen den von hinten auf frischeren und schnelleren Reifen heranstürmenden Lewis Hamilton. Fliegt der Brite an den übrigen Gegnern im Rennen nur so vorbei, beisst er sich an Alonso rundenlang die Zähne aus, denn der Spanier positioniert sein Auto immer genau so, dass sein ehemaliger Stallgefährte daran verzweifelt.

Es sind jene Sekunden, die dem Mercedes-Star trotz überlegenem Auto am Ende fehlen, um die Spitze doch noch abzufangen. Sieger Ocon weiß jedenfalls genau, bei wem er sich für seinen Premieren-Triumph zu bedanken hat: "Ich habe Fernando diesen Sieg zu verdanken, so wie er gefahren ist. Ich habe vorher einiges über Fernando gehört und was ihn ausmachen sollen, aber vieles davon war falsch", sagt Ocon. Alonso wird von seinen Kritikiern im Fahrerlager oftmals der Ruf eines intriganten Politikers zugeschrieben – am Sonntag zeigt der Weltmeister von 2005 und 2006 ein anderes Gesicht. "Das war Teamwork, ich genieße unsere Zusammenarbeit sehr. Was für ein Moment!", jubelt Ocon.

Der Franzose wird mit seinem Überraschungserfolg zum 111. Sieger in der F1-Historie. Möglich machen das ausgerechnet seine ehemaligen Förderer von Mercedes, von denen Ocon auf Grund der mangelnden Einsatz-Perspektive schließlich in Richtung Renault/Alpine abgewandert war. Die Stuttgarter bekleckern sich am Sonntag gleich zweimal nicht mit Ruhm: zunächst verbremst sich Mercedes' Nummer zwei Valtteri Bottas am nassen Start in Kurve eins, fährt Lando Norris ins Heck und schiebt den McLaren ausgerechnet ins Auto von WM-Leader Max Verstappen, ehe er auch noch den zweiten Red Bull von Sergio Perez eliminiert.

Nach dem Start-Crash wird das Rennen mit der roten Flagge unterbrochen. Beim Restart dann der Mega-Schnitzer von Mercedes: Während nach der Einführungsrunde auf stark abtrocknender Strecke alle Autos geschlossen an die Box kommen, um Reifen zu wechseln, bleibt der Führende Hamilton auf der Bahn und steht plötzlich ganz alleine in der Startaufstellung. "Es war verrückt", kommentiert der Brite später die Misskommunikation mit seinem Team. Der einen Umlauf zu spät folgende Reifenwechsel wirft Hamilton ganz ans Ende des Feldes, macht seine Aufholjagd erst nötig – ein Unforced Error, wie man im Tennis sagen würde.

Dass sich Hamilton am Ende dennoch als Gewinner fühlen darf, liegt am Blick auf den WM-Stand: durch seine Fahrt aufs Podium sammelt er reichlich Punkte, nimmt Widersacher Verstappen pünktlich vor der Sommerpause die Gesamtführung ab. Der Red-Bull-Pilot schäumt unterdessen wegen des Startunfalls: "Es war wieder ein Mercedes-Auto", ärgert sich Verstappen nur zwei Wochen nach seiner Kollision mit Hamilton in Silverstone. Zwar kann der 23-Jährige diesmal weiterfahren, mehr als ein zehnter Platz ist für ihn mit dem stark ramponierten RB16B in Budapest aber nicht drin.

Am Abend folgt dann schließlich noch die Schlusspointe eines denkwürdigen Grand Prix: Sebastian Vettel wird disqualifiziert, verliert seinen zweiten Platz, weil statt einem Liter nur noch 0,3 Liter zur Entnahme der obligatorischen Spritprobe in seinem Tank sind. Zwar legt sein Aston-Martin-Team formell Protest gegen die Entscheidung ein, die Erfolgsaussichten sind aber gering. Die anderen Piloten rücken im Klassement entsprechend nach und auch hier hat Hamilton wieder mehr zu lachen als Verstappen. Als neuer Zweiter erbt er drei Punkte, Verstappen als Neunter nur einen. Mit acht Zählern Vorsprung wird Hamilton deshalb Ende August in Spa in die zweite Saisonhälfte gehen – und auf die Jagd nach seinem achten WM-Titel.

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Frederik Hackbarth

02 Aug. 2021