Formel 1: Chaos-Rennen mit Mega-Crash in Imola

Frederik Hackbarth

19 Apr. 2021

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Max Verstappen gewinnt das zweite Saisonrennen der Formel 1 im italienischen Imola. Lewis Hamilton behauptet mit Rang zwei knapp die WM-Führung, Zoff gibt es bei Mercedes trotzdem

(Fotos: Formel 1, McLaren)


Ein frühlingshafter Regenschauer hat den Formel-1-Fans am Sonntag beim Großen Preis der Emilia Romagna einen packenenden PS-Thriller beschert. Praktisch vom Start weg geht es in Imola drunter und drüber: auf regennasser Piste setzt sich Red-Bull-Ass Max Verstappen schon auf den ersten Metern von Startplatz drei aus in Führung, überholt dabei erst Teamkollege Sergio Perez, dann mit einem harten Manöver inklusive kleiner Berührung Pole-Setter Lewis Hamilton.

Kurz darauf bricht auch schon das Chaos aus: Williams-Pilot Nicholas Latifi dreht sich und kollidiert dann beim Zurückfahren auf die Strecke mit Haas-Rookie Nikita Mazepin. Das Safety-Car rückt aus und muss anschließend noch bei bisschen länger draußen bleiben, weil F1-Neuling Mick Schumacher beim Reifenaufwärmen die Kontrolle über seinen Haas verliert und die Einzelteile seiner Fahrzeugnase auf der Strecke verteilt.

Während es für den Deutschen nach nötigem Reparatur-Stopp am Ende des Feldes weitergeht, kann sich Verstappen an der Spitze von seinen Verfolgern absetzen und behält die Spitzenposition vor Hamilton auch nach den ersten Reifenwechseln. Auf abtrocknender Strecke ziehen beide Trockenreifen auf, diese werden dem Briten jedoch zum Verhängnis: beim Versuch George Russell im Williams zu überrunden, fliegt Hamilton bei der Anfahrt zur Tosa ab und landet im Kiesbett.


"Es gab nur eine trockene Linie und ich hatte es ein bisschen zu eilig an allen vorbeizukommen. Es ist der erste Fehler, den ich seit langem gemacht habe, aber ich bin froh, dass ich das Auto trotzdem nach Hause gebracht habe", sagt Hamilton später im Ziel. Auch wenn Hamilton sich wieder aus dem Kiesbett befreien kann, für seinen Mercedes-Rennstall kommt es nur Sekunden später dennoch knüppeldick: bei der Anfahrt zur Tamburello kollidieren Teamkollege Valtteri Bottas und Mercedes-Nachwuchsmann George Russell im Williams, produzieren bei über 300 km/h einen High-Speed-Crash und jede Menge Trümmerteile auf der Strecke, sodass das Rennen mit der roten Flagge unterbrochen wird.

Zoff gibt es unter den Beteiligten um die Schuldfrage: Bottas sieht die Schuld klar bei Russell und macht dies mit ausgestrecktem Mittelfinger nach dem Crash auch mehr als deutlich. Der junge Brite, seit geraumer Zeit als Bottas-Nachfolger bei Mercedes gehandelt, glaubt deshalb, dass die personelle Brisanz und persönliche Rivalität mitverantwortlich für den Unfall ist: "Die Frage ist, warum er sich für Platz neun so verteidigt? Wenn es ein anderen Fahrer gewesen wäre, hätte er anders reagiert", so Russell.


"Das ist eine ganz schöne Theorie. Leider habe ich meinen Aluhut vergessen", lautet Bottas' süffisanter Konter. "Mein Fehler war es sicher nicht. Ich habe genug Platz für zwei Autos gelassen, aber es gibt eben nur eine trockene Linie. Die mache ich sicher nicht frei für ihn. Er hat es trotzdem versucht, mich getroffen und das war's dann", erklärt der Finne. Die Stewards werten die Szene als normalen Rennunfall, sprechen keine Strafen aus.


Ärger gibt es naturgemäß aber bei Mercedes-Sportchef Toto Wolff, der eher den jungen Russell in die Pflicht nimmt. "Er muss uns nichts mehr beweisen. Vielleicht wollte er da ein bisschen zu schnell ins Mercedes-Cockpit", so der Wiener, für den Russells Manöver "zu viel Risiko" darstellte. Mehr noch: der Crash schadet den Silberpfeilen laut Wolff auch mit Blick nach vorne: "Unser Auto kann man fast komplett abschreiben und das Budget ist limitiert. Wahrscheinlich kostet uns das einige Möglichkeiten bei Upgrades."


Wie nötig die Mercedes im weiteren Saisonverlauf noch haben könnte, zeigt der zweite Teil des Rennens in Imola: denn bis auf einen kleinen Ausrutscher vor dem Re-Start, gibt sich Verstappen am Sonntag keine Blöße und münzt die starke Pace seines Red Bull mit 22 Sekunden Vorsprung in den verdienten ersten Saisonsieg um. Dass Hamilton die WM-Führung trotzdem mit einem Punkt behauptet, ist einer starken Aufholjagd des Weltmeisters zu verdanken, der in der Schlussphase bis auf Rang zwei nach vorne durchs Feld pflügt und sich dabei auch den entscheidenden Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde sichert.

Der letzte Platz auf dem Podium geht an McLarens Lando Norris: der Brite zeigt ein fehlerfreies Rennen und starke Überholmanöver, wird von den Fans dafür zum Fahrer des Tages gewählt. Auch Ferrari zieht sich mit den Plätzen vier und fünf für Charles Leclerc und Carlos Sainz beim Heimspiel achtbar aus der Affäre. Daniel Ricciardo rundet im zweiten McLaren die Top-6 ab. Red Bulls zweiter Fahrer, Sergio Perez, verpasst die Punkte nach mehreren Ausritten und einer Strafe hingegen als Elfter knapp.

Einen Tag zum Vergessen erlebt einmal mehr auch Aston Martins Sebastian Vettel. Schon vor dem Start überhitzen die Bremsen am Auto des Heppenheimers, der deshalb aus der Box starten muss und in weiterer Folge auch noch eine Zeitstrafe aufgebrummt bekommt. "Heute war von vorne bis hinten der Wurm drin", sagt Vettel, der seinen grünen Boliden kurz vor Schluss mit einem Getriebedefekt ganz an der Box abstellen muss. Landsmann Mick Schumacher sieht nach seinem Abflug in der Anfangsphase immerhin noch die Zielflagge, wird mit zwei Runden Rückstand Vorletzter – langsamer ist lediglich Teamkollege Mazepin.

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Frederik Hackbarth

19 Apr. 2021