Formel-1-Premiere in Katar: Endlich einmal vor dem Fußball

Frederik Hackbarth

19 Nov. 2021

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Die Formel 1 macht sich in Katar die Taschen voll. Ein scheinheiliges Trauerspiel, das droht vom faszinierenden WM-Kampf kaschiert zu werden

Weil es für die Vergabe der Fußball-WM nach Katar 2022 weltweit so viel Applaus und durchwegs positive Resonanz gegeben hat, wollte sich die Formel 1 nicht lumpen lassen und ist bereits ein Jahr vorher zu ihrem Antrittsbesuch in den gastfreundlichen Wüstenstaat gereist... Ironie aus.

 

Mit ihrem ersten Grand Prix auf dem Losail International Circuit tut sich die Königsklasse des Automobilsports wahrlich keinen Gefallen: die Strecke, mitten in der Wüste, ist flach und langweilig – der flüssige aber monotone Mix aus mittelschnellen Kurven und wenigen Geraden, stellt die Fahrer zudem vor Probleme. Ex-Weltmeister Damon Hill stellt schon nach dem ersten Trainingstag fest: "Ich sehe nicht, wie man hier überhaupt überholen soll. Dem Vordermann zu folgen wird sehr schwer, weil die Reifen überhitzen."

Noch eintöniger als der Kurs ist die hinlänglich bekannte politische Lage im Land. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben vergeblich appelliert, die F1 möge doch bitte einen großen Bogen um den Wüstenstaat machen und ihm keine Bühne für das dieser Tage viel zitierte und praktizierte Sportwashing bieten. Die F1-Macher argumentieren indes, vor Ort besser auf Missstände hinweisen zu können als durch ein Meiden der Region.

 

In der Realität ist davon aber nicht viel zu sehen: Sonstigen Chefkritikern wie Sebastian Vettel wurde offensichtlich ein Maulkorb verhängt. Und Weltmeister Lewis Hamilton fährt mit einem Regenbogenhelm, um für mehr Vielfalt zu werben: zu wenig.

Viel dagegen ist das Geld, dass die Scheichs der Formel 1 rüberwachsen lassen, um die Show in the middle of nowhere zu ermöglich. Fast eine Milliarde, so wird kolportiert, soll das der Königsklasse in der nächsten Dekade einbringen, denn nach der Premiere 2021, wird ab 2023 zehn Jahre lang durchs Niemandsland von Katar gerast. Weil das noch nicht reicht, debütiert die höchste Motorsportklasse der Welt in zwei Wochen auch noch in Saudi-Arabien. Wenn schon keine Moral, dann doch wenigstens richtig.

Das Fatale: im Zuge des sportlich faszinierenden WM-Duells zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton, drohen die besorgniserregenden äußeren Umstände in der kollektiven Wahrnehmung von Fans und Beteiligten tatsächlich stark in den Hintergrund zu rücken. Der knallharte Titelkampf überstrahlt alles mindestens so sehr wie die sage und schreibe über 3600 LEDs, die den 5,380 Kilometer langen Kurs an über 1000 Flutlichtmasten erhellen. Die beleuchtete Fläche (vom Stromverbrauch fangen wir hier lieber mal gar nicht erst an) entspricht 70 FIFA-Fußballplätzen: ein Schelm, wer bei diesem Vergleich Böses denkt...

Tag eins in der Wüste geht übrigens an Mercedes. Valtteri Bottas erzielt die Bestzeit, zwei Zehntel vor AlphaTauri-Pilot Pierre Gasly. Dahinter reihen sich die WM-Widersacher Verstappen und Hamilton ein. Das sollte dieses Wochenende in Katar die eigentliche Randnotiz sein.


Fotos: F1, Mercedes, Red Bull Twitter

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Frederik Hackbarth

19 Nov. 2021