Formel 1: Oldie Alonso stiehlt allen die Show

Frederik Hackbarth

22 Nov. 2021

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Das Titelduell zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen spitzt sich weiter zu, in Katar gewinnt der Brite. Mann des Tages ist aber Altmeister Fernando Alonso

Von Weltmeister Lewis Hamilton, der beim Katar Grand Prix 2021 seine 102. Pole-Position und seinen 102. Sieg in der Formel 1 feiert, ist man Rekorde mittlerweile gewohnt. Doch auch Altmeister Fernando Alonso liefert am Sonntag mit Platz drei spektakuläre Zahlen ab: erstmals seit dem Ungarn GP 2014 und damit 105 Rennen, steht der Spanier wieder auf dem Podium. Nach Michael Schumacher (Valencia 2012) und Nigel Mansell (Adelaide 1994) ist Alonso der dritte Fahrer, dem das in den letzten 30 Jahren im Alter von über 40 noch gelungen ist.

Dabei profitiert der Alpine-Star auch vom nächsten Politikum im Titelkampf. Kurz vor dem Rennen wird WM-Spitzenreiter Max Verstappen von der zweiten Startposition um fünf Plätze nach hinten versetzt, weil er bei seiner schnellsten Runde im Qualifying doppelt geschwenkte gelbe Flaggen missachtet hat. Den Red-Bull-Bossen platzt daraufhin der Kragen: Berater Helmut Marko bezeichnet das Urteil als "lächerlich" und die FIA als "inkompetent", Teamchef Christian Horner den entsprechenden Flaggenposten als "schurkenhaft".

 

Das lässt die Rennleitung jedoch nicht auf sich sitzen, zitiert Horner im Anschluss an den Grand Prix zum Rapport. Der Brite muss sich öffentlich entschuldigen und wird dazu verdonnert im Februar als Strafarbeit eine Steward-Schulung zu besuchen. Als einziger wirklich kühlen Kopf bewahrt bei Red Bull aber der wichtigste Mann: Verstappen lässt sich von den neuerlichen Nebengeräuschen nicht aus dem Tritt bringen und macht die Rückversetzung in Windeseile wett. Mit einem Raketenstart und schnellen Überholmanövern ist er nach nur fünf Runden schon wieder erster Verfolger von Leader Hamilton.

Allein: auch in Katar ist Red Bull der aktuellen Pace des Mercedes nicht gewachsen. "Das lief heute wirklich glatt, ich war ziemlich alleine da vorne", bilanziert Hamilton, der Verstappen im Rennen schon bald aus den Rückspiegeln verliert und distanzieren kann. "Ich mag die engen Kämpfe eigentlich gerne, aber heute brauchten wir einfach die Punkte", freut sich der Brite über einen einfacheren Arbeitstag als noch bei seiner Mega-Aufholjagd vor Wochenfrist in Sao Paulo. In der WM verkürzt Hamilton den Rückstand zu Verstappen auf acht Punkte.

 

Der Red-Bull-Star kann mit einem späten Reifenwechsel immerhin noch den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde ergattern. "Natürlich hat die Startposition unsere Strategie ein bisschen beeinflusst, das war nicht so gut. Ich bin aber glücklich, dass ich so einen starken Start erwischt habe", sagt Verstappen. "Am Ende sah die Lücke zu Lewis durch den Zusatzstopp größer aus als sie war. Eigentlich waren wir sieben bis acht Sekunden hinten, das ist nicht schlecht. Aber wir waren etwas zu langsam, dann ist es im Rennen natürlich schwierig."

 

In Sachen Weltmeisterschaft bleibt Verstappen dennoch optimistisch: "Ich weiß, es wird schwer bis zum Ende und ein enger Kampf. Aber irgendwie ist es auch gut, das hält es spannend. Ich fühle mich jedenfalls gut." Titelkonkurrent Hamilton schlägt in die gleiche Kerbe: "Ich bin im Moment sehr angespornt und fokussiert, fühle mich fitter denn je. Jetzt freue ich mich richtig auf die nächsten beiden Rennen (in Saudi-Arabien und Abu Dhabi; d. Red.)."

 

Die Show stiehlt den WM-Duellanten in Katar aber der dritte Podiumsgast: Fernando Alonso wird für seinen Husarenritt von den Fans zum Fahrer des Tages gewählt. Schlüssel für den Spanier ist am Ende die Einstopp-Strategie. Während Alonso in Runde 23 nur ein einziges Mal für frische Reifen stoppt, kommt Red Bulls zweiter Mann, Sergio Perez, in Runde 41 noch ein weiteres Mal zum Service und fällt so hinter den Alpine-Piloten zurück. Anschließend erhält Alonso auch Schützenhilfe von Teamkollege Esteban Ocon.

Alonso weist sein Team sogar via Funk an: "Sagt Esteban, er soll kämpfen wie ein Löwe!" Das macht der junge Franzose dann auch und versucht Perez' Aufholjagd zu bremsen. "Ich wollte ihm etwas davon zurückgegeben, was er für mich in Budapest gemacht hat (als Alonso rundenlang den schnelleren Mercedes von Hamilton aufhielt und Ocon so den Sieg sicherte; d. Red.)", sagt Ocon und fügt an: "Ich habe versucht gegen den Red Bull zu kämpfen und ihn sicher auch zwei, drei Sekunden gekostet. Aber leider sind die Geraden hier etwas länger als in Ungarn."

 

Am Ende reicht es trotzdem für Alonso: weil nach Reifenschäden bei Valtteri Bottas und George Russell, auch bei Nicholas Latifi vorne links der Pirelli-Pneu platzt und der Kanadier sein Auto am Streckenrand abstellen muss, ruft die Rennleitung vorübergehend das virtuelle Safety-Car aus. Durch die Neutralisation kann Alonso seine ebenfalls schon stark beanspruchten Reifen etwas schonen und Perez verliert die entscheidende Zeit, um aufzuholen. "Darauf habe ich sehr lange gewartet", grinst ein glücklicher Alonso, als er nach sieben Jahren endlich wieder aufs Podium steigen darf.

Fotos: Alpine, F1, Mercedes, Red Bull

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Frederik Hackbarth

22 Nov. 2021