Formel 1: Zoff nach Verstappens Crash mit Hamilton

Frederik Hackbarth

19 Juli. 2021

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Lewis Hamilton befördert in Silverstone erst Max Verstappen ins Aus und gewinnt dann sein Heimrennen: Mega-Zoff zwischen den Rivalen von Red Bull und Mercedes

(Fotos: F1, Mercedes)


Lewis Hamilton gewinnt am Sonntag in Silverstone bereits zum achten Mal sein Heimrennen, insgesamt ist es sein 99. Grand-Prix-Sieg – und vielleicht sein kontroversester. Mit WM-Rivale Max Verstappen liefert er sich auf der ersten halben Runde nach dem Start ein Mega-Duell: Rad an Rad geht es durch Kurve eins, aber Hamilton steckt zurück – ebenso beim zweiten Überholversuch auf der Wellington-Straight. Beim dritten in Copse-Corner aber hält der Titelverteidiger dagegen und es knallt.

Verstappen fliegt mit abgeknicktem Hinterrad und weit mehr als 200 km/h in die Reifenstapel, Hamilton kann mit geringfügigen Beschädigungen am Frontflügel weiterfahren. Das Rennen wird nach dem Unfall für eine halbe Stunde mit der roten Flagge unterbrochen, anschließend wieder aufgenommen. Hamilton liegt beim Re-Start auf Position zwei hinter Ferrari-Mann Charles Leclerc und fällt dann noch weiter zurück, weil ihn die Rennstewards als Schuldigen für den Verstappen-Crash ausmachen und mit einer 10-Sekunden-Strafe belegen.

Doch im starken Mercedes macht Hamilton bis Rennende auch diesen Rückstand wieder wett. Während er Schützenhilfe von Teamkollege Valtteri Bottas bekommt, der ihn nach Teamorder durchwinkt, hat Leclerc zudem mit Motoraussetzern zu kämpfen. Drei Runden vor Schluss ist Hamilton deshalb wieder dran am Monegassen und überholt diesen mit dem nächsten waghalsigen Manöver, ausgerechnet wieder in Copse-Corner, wo es zuvor mit Verstappen zum Kontakt gekommen war.


Auf der Auslaufrunde jubelt Hamilton mit Union-Jack-Fahne im Auto, lässt sich vom britischen Publikum gebührend feiern. Ein Verhalten, das Kontrahent Verstappen so gar nicht schmeckt. Der Niederländer muss nach dem heftigen Abflug und seinem Einschlag mit 51g ins Krankenhaus, twittert von dort aus: "Sich die Feierlichkeiten anzusehen, während man noch im Krankenhaus ist, ist respektloses und unsportliches Verhalten, aber wir machen weiter."

Zur milden Strafe gegen Hamilton sagt er: "Sie hilft uns nicht weiter und wird dem gefährlichen Verhalten, das Lewis auf der Strecke gezeigt hat, nicht gerecht." Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist wütend: "Es ist keine Strafe, wenn einer danach noch das Rennen gewinnt." Fakt ist: Hamilton kann durch seinen Sieg satte 25 Punkte seines 33-Punkte-Rückstands auf Verstappen in der WM gutmachen. Lediglich den Extrazähler für die schnellste Runde nimmt ihm Red Bulls zweiter Mann Sergio Perez weg.

Zum Unfall sagt der Mercedes-Star: "Ich sehe nach derzeitigem Stand keinen Grund, warum ich mich entschuldigen sollte. Max ist immer sehr aggressiv, aber ich war in der Situation neben ihm. Mit der Strafe bin ich nicht einverstanden, akzeptiere sie aber." Hamilton weiter: "Heute ist ein Weckruf in Bezug auf die Gefahren dieses Sports. Max, der ein unglaublicher Wettkämpfer ist, sende ich die besten Wünsche. Ich bin froh, dass er okay ist. Ich werde immer hart racen, aber auch immer fair."


Unterstützung gegen die volle Breitseite aus dem Red-Bull-Lager erhält Hamilton von seinem Teamchef Toto Wolff: "Lewis ist jemand, der nie Wut im Bauch hat und nie aggressiv fährt oder wen rausschießt. Das haben wir im letzten Jahrzehnt nie von ihm gesehen, und ein Fahrer sieht nicht auf einmal rot und fährt alle über den Haufen." Zur Schuldfrage beim Unfall hat der Wiener seine eigene Meinung: "Lewis war über die Mitte des Autos hinaus, dann gehört die Kurve dir. Ich glaube, wenn es nach Regelwerk geht, ist keine Strafe gerechtfertigt."

Dass die Stewards doch anders urteilten, sieht Wolff vor allem den hohen Geschwindigkeiten beim Crash geschuldet und der Tatsache, "dass beide Anteil hatten oder beide einen Fehler gemacht haben." Bei Red-Bull-Teamchef Christian Horner stoßen diese Aussagen auf weiteres Unverständnis. "Lewis hat an der gefährlichsten Stelle überholt, Max hatte einen 51g-Unfall und kann von Glück reden, dass er unverletzt ist", sagt Horner: "Für mich war das ein Verzweiflungsmanöver. Lewis hat seine Chance gestern im Sprint verpasst und auch heute den Start nicht hinbekommen."


Hintergrund: die Formel 1 hat am Wochenende erstmals in ihrer Gesichte ein so genanntes Sprintqualifying ausprobiert, ein Mini-Rennen über 100 Kilometer am Samstag, das die endgültige Startaufstellung festlegt. In diesem hatte Hamilton seinen ersten Startplatz nach dem Qualifying (diesmal am Freitag) schon am Start an Verstappen verloren. Die Top-3 im Sprint bekommen Punkte, Sieger Verstappen dazu die offizielle Pole-Position – spätestens nach dem großen Knall vom Sonntag war das aber nur noch eine Randnotiz.

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Frederik Hackbarth

19 Juli. 2021