Formel 1 vorm Start: Red Bull plötzlich Favorit?

Frederik Hackbarth

24 März. 2021

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Seit Einführung der Hybrid-Motoren 2014 hat Mercedes in der Formel 1 alle Fahrer- und Team-Titel gewonnen. Auch für die letzte Saison vor der großen Regelreform 2022 gelten die Stuttgarter als Top-Favorit: die Wintertests lassen Mercedes aber überraschend schlecht aussehen

(Fotos: Aston Martin, F1, Haas, Mercedes, McLaren, Red Bull)


Schwächelt der Branchenprimus um Weltmeister Lewis Hamilton etwa? Fakt ist: bei den dreitägigen Testfahrten vor Saisonstart (kommendes Wochenende, ebenfalls in Bahrain) glänzen andere: allen voran Max Verstappen und sein Red-Bull-Team präsentieren sich bärenstark. Der Holländer spult mit seiner Truppe und Teamkollege Sergio Perez viele und vor allem schnelle Runden ab, sichert sich bei zwei Einsätzen zweimal die Tagesbestzeit. Der RB16B läuft wie am Schnürchen, liegt zudem wie ein Brett auf der Straße. Motorenpartner Honda hat an der PS-Front für 2021 noch mal deutlich nachgelegt und selbst Spritlieferant Esso beim Benzin und den Schmierstoffen.

Dass Red Bull ernst macht, zeigen die Ergebnisse: "Das waren definitiv die besten Tests bisher", macht Verstappen sich und seinen Fans Mut. Red-Bull-Motorsport-Berater Helmut Marko stimmt zwar in die generelle Euphorie um sein Team mit ein, warnt aber auch: "Wir wissen, dass Mercedes mit mehr Benzin gefahren ist und nicht alles gezeigt hat. Aber auch abgetankt wären sie nicht ganz an uns herangekommen."


Mercedes-Teamchef Toto Wolff bestätigt im Anschluss an die Testfahrten zwar, dass Mercedes mit vollen Tanks unterwegs war - der Österreicher gibt aber auch zu, dass die Silberpfeile ihr (erneut in schwarzer Lackierung gehaltenes) Auto noch nicht ganz verstehen. "Es ist eine kleine Diva, noch relativ giftig zu fahren und teilweise instabil", erklärt Wolff. Auf der Strecke zeigt sich das vor allem durch diverse Dreher. Mercedes scheinen die reglementstechnischen Beschneidungen des Unterbodens tatsächlich härter getroffen zu haben als andere Teams. Hintergrund: vor allem Autos mit steilem Anstellwinkel, wie der Red Bull, leiden darunter weniger – der Mercedes, der tiefer liegt, dafür umso mehr.

Hinzu kommen Pobleme mit der Zuverlässigkeit: der Titelverteidiger legt bei den Tests die wenigsten Runden aller Teams zurück. Ex-Mercedes-Star und Experte Nico Rosberg tut sich trotz der schwachen Resultate aber schwer damit, Hamilton die Favoritenrolle schon gänzlich abzusprechen: "Dass ihn jemand nach Punkten über die ganze Saison wirklich schlägt, ist immer noch schwer vorstellbar. Ich würde mein Geld also nach wie vor auf Lewis setzen." Rosberg sagt aber auch: "Vor allem Max Verstappen ist so nah dran wie noch nach keiner Saisonvorbereitung. Ich glaube so dicht war schon seit vielen Jahren keiner mehr hinter Lewis."


Dass die beiden Deutschen im Feld um Siege oder gar den Titel mitreden können, scheint indes utopisch. Vor allem für Sebastian Vettel verkommen die Tests zum ersten großen Rückschlag. Von der Form des Podiumskandidaten, der Racing Point im Vorjahr oftmals war, ist das Nachfolgeteam Aston Martin in Bahrain noch weit weg: Vettel fährt zumeist hinterher, muss sich erst noch an sein neues Auto und vor allem dessen Lenkung gewöhnen. Auch die Laufleistung stimmt noch nicht, wird der grüne Renner doch mehrmals von der Technik gebremst und schafft es im Kilometer-Ranking nur vor Mercedes auf den vorletzten Platz.


"Wir hatten an allen drei Testtagen mehr Kilometer in unserem Testprogramm vorgesehen. Mir fehlen insgesamt sicher 100 Runden", bestätigt Vettel den Pannen-Start. Ansonsten gibt sich der Heppenheimer aber altersmilde: "Vor zehn Jahren wäre ich jetzt wohl panisch geworden." Nicht so vor seiner ersten Saison mit dem neuen Arbeitgeber: "Es ging jetzt etwas holprig los, aber die Saison ist ja noch lang. Jetzt werden halt die ersten paar Rennmeter für uns entscheidend sein", sagt Vettel, der mit gerade einmal 117 Runden die wenigsten aller Stammpiloten in Bahrain drehte.

Landsmann und Neuling Mick Schumacher wird Vettel aber wohl in jedem Fall hinter sich lassen, denn der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher sitzt in seinem Rookie-Jahr im schwächsten Auto. Für den jungen Deutschen wird es ein Lernjahr, mit dem Hauptziel, den Teamkollegen Nikita Mazepin zu schlagen. Mit dem Haas, für den die Entwicklung seit Monaten eingestellt ist, weil sich das US-Team bereits auf nächstes Jahr vorbereitet, werden Wunder schwer, die hinteren Plätze dafür wohl zum Regelfall.

Spannender wird weiter vorne im Mittelfeld vor allem der Kampf um Platz drei hinter Red Bull und Mercedes. Geheimfavorit ist dort McLaren, die sich mit dem Wechsel von Renault- auf Mercedes-Motoren, dem starken Daniel Ricciardo und einem sehr ausgefallenen Diffusor, den sonst kein anderes Team hat, im Vergleich zur Vorsaison noch einmal deutlich verbessert haben.

Ebenso überzeugend war in Bahrain aber auch die Leistung von Red-Bull-Juniorteam AlphaTauri, die gemeinsam mit Alfa Romeo die meisten Kilometer abspulten, mit zwei zweiten Plätzen aber auch zeitenmäßig voll überzeugen konnten. Und auch F1-Comebacker Fernando Alonso präsentierte sich in Bahrain auf Anhieb wieder voll im Saft: mit seinem neuen Alpine-Rennstall (ehemals Renault) sind zumindest vereinzelte Podiumsplätze das erklärte Ziel des stolzen Ex-Champions, der dann auch gegen Ferrari kämpft. Die Italiener stecken weiter in der Krise. Trotz Verbesserungen am Motor wird die Scuderia auch 2021 nicht an ihre glorreichen Zeiten anknüpfen können.

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Frederik Hackbarth

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