Formel 1: Hamilton macht Druck auf Saudi-Arabien und Verstappen

Frederik Hackbarth

03 Dez. 2021

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Bei der Premiere der Formel 1 in Saudi-Arabien steht nicht der WM-Kampf im Fokus: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel versuchen sich als kritische Vorreiter im Golfstaat

Die beiden erfolgreichsten Piloten des aktuellen Formel-1-Feldes sind in Saudi-Arabien nicht nur in ihrer üblichen Mission im Einsatz, um möglichst schnell Auto zu fahren: Gemeinsam bringen es Lewis Hamilton und Sebastian Vettel auf elf WM-Titel in der Königsklasse, im Vorfeld des ersten Grand Prix von Saudi-Arabien nutzen die PS-Stars ihre Popularität aber vor allem, um auf die kritische Menschenrechtslage im Golfstaat aufmerksam zu machen.

 

Nachdem sich Hamilton und Co. zuletzt bei der F1-Premiere in Katar noch handzahm gegeben hatten, werden die Töne in Saudi-Arabien schon etwas deutlicher. "Es muss sich viel ändern und unser Sport muss mehr tun. Ich halte es für unsere Pflicht, das Bewusstsein für gewisse Themen zu stärken, vor allem für Menschenrechte", erklärt Mercedes-Star Hamilton am Rande des Rennens – und fügt unmissverständlich hinzu: "Wir wählen nicht aus, wo wir fahren. Andere haben für uns entschieden, dass wir hier sind. Umso mehr liegt es jetzt aber an uns, Druck auszuüben, dass hier das Richtige getan wird."

 

Hamilton fährt am Wochenende erneut mit einem Regenbogenhelm, um seine Solidarität mit den Unterdrückten auszudrücken: "Ich glaube, dass jeder die gleichen Rechte haben sollte, die Freiheit zu reden oder sich zu bewegen. Es gibt aber Plätze auf der Welt, wo das nicht erlaubt ist. Es gibt Plätze, wie hier, wo Leuten aus der LGBT-Community Gefängnisstrafen oder sogar die Todesstrafe drohen und es gibt große Restriktionen dafür, dass diese Leute einfach sie selbst sind", prangert Hamilton an.


Aston-Martin-Star Sebastian Vettel hat am Donnerstag vor dem Rennen in Dschidda indes ein Kart-Rennen für Frauen veranstaltet: "Ich habe versucht, einige meiner Erfahrungen im Leben und auf der Strecke weiterzugeben, um gemeinsam etwas zu unternehmen, das ihr Selbstvertrauen stärkt", erklärt Vettel. Hintergrund: Überhaupt erst seit Sommer 2018 dürfen Frauen in dem islamisch-konservativen Königreich Auto fahren – Saudi-Arabien war weltweit der letzte Staat, in dem das verboten war.

Ein großes und ebenfalls trauriges Thema ist am Wochenende in Dschidda auch der Abschied von Frank Williams. Der legendäre Gründer des gleichnamigen und 1977 gegründeten Rennstalls, verstarb am 28. November im Alter von 79 Jahren. 114 Grand-Prix-Siege feierte das Team in seiner glorreichen Geschichte. In den letzten Jahren hatte Claire, die Tochter von Frank Williams, der seit einem Autounfall 1986 im Rollstuhl saß, die Geschicke des Teams geleitet, ehe es 2020 an einen Investor verkauft wurde.

 

Sportlich verspricht das vorletzte Saisonrennen der Formel 1, auf der komplett neuen Strecke aus der Feder des deutschen Architektenbüros Tilke, einmal mehr Hochspannung – das wird bereits im ersten Training am Freitag ersichtlich: Hamilton, der in der Gesamtwertung nur noch acht Punkte hinter WM-Spitzenreiter Verstappen liegt und zuletzt deutlich Boden gutgemacht hat, toppt die Session mit lediglich 0,056 Sekunden Vorsprung auf Verstappen.

 

Auf dem neuen Kurs, der mit 83 Prozent Vollgasanteil, gleich drei DRS-Zonen und vielen extrem schnellen und langgezogenen Highspeed-Kurven, zu den schnellsten im Rennkalender zählt, gilt Mercedes mit der zuletzt nochmal gesteigerten Motorleistung als Favorit. Die WM-Rivalen geben sich trotz des engen Titelduells betont gelassen: "Ich bin so entspannt wie nie, weil ich schon so lange dabei bin", sagt Hamilton.

 

Verstappen beteuert indes, dass sich an seiner Herangehensweise trotz der Zuspitzung im WM-Fight nichts geändert hat. "Ich gehe es so an, wie ich es schon die ganze Saison getan habe", erklärt der Holländer, der theoretisch schon am Sonntag Weltmeister werden kann. Fällt Hamilton aus oder bleibt ohne Punkte, reicht Verstappen bereits ein zweiter Platz zum Titel. Gewinnt Verstappen und sichert sich zudem die schnellste Runde, muss Hamilton Fünfter werden, um das Titelduell bis zum Saisonfinale eine Woche später in Abu Dhabi offen zu halten.


Fotos: F1, Honda, Mercedes, Red Bull

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Frederik Hackbarth

03 Dez. 2021