Formel 1: WM-Duell eskaliert, McLaren siegt in Monza

Frederik Hackbarth

13 Sept. 2021

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Drama bei der Formel 1 in Monza: Daniel Ricciardo und Lando Norris fahren Doppelerfolg für McLaren ein. Zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton knallt es wieder.

Dieser Titelkampf ist jetzt schon legendär: Max Verstappen und Lewis Hamilton geraten am Sonntag beim Italien Grand Prix zum wiederholten Male aneinander. Wie schon in Silverstone kracht es - doch während Verstappen damals ausschied und Hamilton trotz Strafe zum Sieg raste, fliegen diesmal beide raus!

In Runde 26 kommt es zur Szene der Saison: bei beiden WM-Rivalen verpatzen die Teams den Boxenstopp, Verstappen steht über elf Sekunden beim Service, Hamilton zwei Umläufe später immerhin vier Sekunden. Als der Brite zurück auf die Piste kommt, sind die beiden McLaren von Ricciardo und Norris schon durch, Verstappen dicht hinter ihm. Bei der Anfahrt zur ersten Schikane setzt sich der Niederländer neben den Mercedes-Piloten, will Hamiltons kalte Reifen ausnutzen. Durch den ersten Teil der Kurve kommen die Kontrahenten noch Seite an Seite durch, dann aber geht ihnen der Platz aus und es knallt.

Verstappens Red Bull wird erst vom Kerb ausgehebelt, kracht dann in Hamiltons Auto und steigt über den Hinterreifen des Briten auf. Schließlich bleibt der Bullen-Bolide auf dem Mercedes liegen, während beide im Kiesbett zum Stehen kommen. Hamilton wird dabei von Verstappens Hinterrad auch am Helm getroffen, der Cockpitbügel verhindert aber Schlimmeres. "Das bekommt man, wenn man keinen Platz lässt", schimpft Verstappen wütend am Funk und stapft zurück zur Box. Allein: als WM-Führenden mit fünf Punkten Vorsprung, tut dem Niederländer der Crash weniger weh als Hamilton, zumal Monza als Mercedes-Territorium gilt.

Bei der Schuldfrage stellt sich den Experten die Frage, ob Verstappen einen Unfall deshalb billigend in Kauf nahm? Ex-F1-Pilot und TV-Experte Alex Wurz urteilt: "Für mich ist es zwar ein Rennunfall, aber eher 70 zu 30 Prozent auf die Kappe von Max. Das war mit der Brechstange, er nimmt da schon sehr viel Risiko." Das sehen später am Abend auch die Regelhüter so, bestrafen Verstappen als "Hauptschuldigen" der Kollision mit einer Rückversetzung um drei Startpositionen beim nächsten Rennen in Russland.

Für Mercedes-Sportchef Toto Wolff ein richtiges Urteil. Der Wiener wirft Verstappen sogar "ein taktisches Foul" vor. "Ich würde sagen, dass der Begriff "hauptsächlich verantwortlich", mit dem die Stewards Lewis in Silverstone ja umgekehrt die 10-Sekunden-Strafe aufgebrummt haben, jetzt auf Max zutrifft, der hier zum großen Teil Schuld ist an der Kollision", so Wolff. Die Bandagen im knisternden WM-Duell werden härter, neben den Verlierern von Mercedes und Red Bull gibt es am Sonntag aber auch umso größere Gewinner in Monza.

Dass der Tempo-Tempel im Königlichen Park immer für Drama gut ist, zeigte im Vorjahr bereits der Sensationssieg von Pierre Gasly. Auch 2021 gibt es wieder einen Überraschungssieger: Daniel Ricciardo schnappt sich schon am Start die Führung von Verstappen und gibt diese bis ins Ziel nicht mehr ab. Dahinter komplettiert Teamkollege Lando Norris noch vor Mercedes-Mann Valtteri Bottas den Doppeltriumph für McLaren. Für die Traditionsmarke aus Woking ist es ein historischer Tag, wie die nackten Zahlen beweisen: der Rennstall feiert den ersten Sieg seit fast neun Jahren und 168 Grand Prix (Brasilien 2012) und den ersten Doppelsieg seit über einer Dekade (218 Rennen, Kanada 2010).

Für Ricciardo ist es der erste Sieg seit Monaco 2018, damals noch für Red Bull. Die Durststrecke beendet der Australier im wahrsten Sinne des Wortes mit seinem berühmten Shoey, schlürft den Siegerschampus auf dem Podium gemeinsam mit Stallgefährte Norris und McLaren-Boss Zak Brown aus dem Rennstiefel. Danach wird Ricciardo, der italienische Vorfahren hat und seinen ersten Sieg in Monza feiert, emotional: "Jeder weiß, dass ich (nach dem Teamwechsel zu McLaren; d. Red.) ein schwieriges, oft frustrierendes Jahr hatte und mich schwer getan habe. Davon jetzt so zurückzukommen ist verrückt. Aber es macht all die Scheißtage wett!"

Ricciardo: "Wenn ich an McLaren denke, denke ich auch an Ayrton Senna und meine Kindheitserinnerungen an ihn. Dass jetzt ein Siegerpokal mit meinem Namen drauf im Schrank neben den seinen steht, fühlt sich unwirklich an und berührt mich sehr." Die brasilianische Rennlegende verunglückte 1994 in Italien tödlich, allerdings auf dem Kurs von Imola und nicht in Monza. Der Sieger vom Sonntag war damals gerade mal vier Jahre alt...

Einen historischen Triumph in Monza schaffte 2008 im Regen auch Sebastian Vettel, als er für Toro Rosso seinen ersten Grand-Prix-Sieg einfuhr. Anno 2021 muss sich der vierfache Weltmeister aber weiter in den Niederrunden des Feldes herumschlagen. Nur Platz zwölf für Vettel, nachdem er in Runde eins erst dem umgedrehten Alfa Romeo von Antonio Giovinazzi ausweichen muss und dann noch von Aston-Martin-Teamkollege Lance Stroll abgedrängt wird. Es folgen Berührungen mit Alpines Esteban Ocon und Landsmann Mick Schumacher, die Punkte sind für beide deutschen Piloten am Sonntag damit außer Reichweite.

Die nächste Chance auf etwas Zählbares haben Vettel und Schumacher in zwei Wochen im russischen Sotschi. Verstappen muss dann von weiter hinten los, die Spannung im Titelkampf nimmt dafür aber weiter zu.

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Frederik Hackbarth

13 Sept. 2021